Er nahm Drogendealer aus, nun haben die Drogen ihn genommen

Von Fabian Tschamper

7.9.2021

MIAMI, FL - MARCH 31: Michael K. Williams is seen in his award show look for the 27th Annual Screen Actors Guild Awards on March 31, 2021 in Miami, Florida. Due to COVID-19 restrictions the 2021 SAG Awards will be a one-hour, pre-taped event airing April 4 on TNT and TBS.  (Photo by Rodrigo Varela/Getty Images)
Michael K. Williams und die Kunst der schauspielerischen Präsenz. Auch in diesem Bild sickert sein Charisma, sein Stoizismus durch.
Getty Images

Berühmt geworden durch «The Wire», verewigt dank seines Talents: Michael K. Williams verdiente auch zu Lebzeiten deine Anerkennung, und ich sag' dir auch, wieso.

Von Fabian Tschamper

7.9.2021

Kennst du das Gefühl einer unfassbaren Präsenz im Film? Du sitzt im Kino und jedes Mal, wenn diese eine Figur auftaucht, kleben deine Augen an ihr. Du kannst nicht anders.

Das ist Charisma.

Nur wenige Schauspieler können einer Figur das verlangte Gewicht geben, Michael K. Williams war einer von ihnen. Der Charakterkopf mit der Narbe auf der Stirn. An seinem 25. Geburtstag brach eine heftige Auseinandersetzung aus, seither trug Williams die Narbe mit sich.

Und sie verhalf ihm zu mehr Ansehen.

Offensichtlich war der 54-jährige Amerikaner ein begnadeter Schauspieler, das Gesicht half seiner charismatischen und stoischen Art vor der Kamera.

Ich schreibe zwar «offensichtlich», doch möglich ist's, dass du ihn gar nicht kennst. Michael K. Williams war eher in Amerika ein grosser Name, seine Berühmtheit schwappte nur bedingt zu uns rüber.

Unauslöschliche Präsenz

Dies vor allem wegen Omar Little aus der Serie «The Wire» (2002 bis 2008). Das Drama in Baltimore handelt von Polizei, Verbrechern und Spitzeln. Michael K. Williams hat sich in der Rolle des homosexuellen Omar ein Denkmal gesetzt. Omar Little war ein Krimineller, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Drogendealer auszunehmen.

Als Schauspieler betest du täglich für so eine Rolle – kolossal, sensationell, unauslöschlich.

Williams stahl jede Szene.

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts waren zwei Worte die meist gefürchteten im Fernsehen: Omar kommt – Omar comin'.

Und wenn du deine Tür nicht öffnest, kommt Omar morgen wieder. Und übermorgen. Und am Tag danach.

Omar Little gilt bis heute noch als einer der besten TV-Figuren überhaupt. Und damit nimmst du richtig an: Williams kam nicht mehr an die grazile und charismatische Performance heran.

Nun ist Michael K. Williams tot. Die Ursache ist noch unklar, Gerüchte einer Überdosis machen die Runde. Bestätigt ist nichts.

Aus wenig wird Gold geschürft

In der dritten Staffel von «The Wire» kommt es zum Showdown zwischen dem Baltimore Detective Bunk (Wendell Pierce) und dem Drogendealer ausraubenden Omar Little.

Und eigentlich redet nur Bunk.

Michael K. Williams bleibt beinahe still und ist mühelos bedrohlich. Auf seinem Gesicht liest du hypnotisierende Intensität.

Er hatte in der Szene wenig zu tun und übertrumpfte sein monologisierendes Gegenüber dennoch.

Omar Little war die Rolle seines Lebens. Wie Walter White für Bryan Cranston. Wie Harry Potter für Daniel Radcliffe. Wie Frodo für Elijah Wood.

Michael K. Williams in der Rolle von Omar Little.
HBO

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr (und manchmal auch am Sonntag) bei «blue News» die Kolumne am Mittag – sie dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte.