Paola Felix: «Man sollte aufhören, wenn's am schönsten ist»

Von Carlotta Henggeler

2.8.2019

Gleicher Geburtstag, anderes Schicksal: Die SRF-Serie «Geboren am» geht in die dritte Runde. «Bluewin» spricht mit Paola Felix über ihre Reise zurück in die Kindheit, ihren Bezug zu St. Gallen und der Mode. 

Sie wurden am 5. Oktober 1950 geboren. Was für eine Bedeutung hat Ihr Geburtsdatum für Sie?

Es verbindet mich mit meinen Wurzeln, mit meiner Herkunft, mit meinen Eltern und meiner Kindheit.

Für die vierteilige SRF-Serie sind Sie zurück in Ihre Kindheit in St. Gallen eingetaucht.

Ich bin ja in St. Gallen geboren und aufgewachsen. Da ist auch meine Familie und da ging ich zur Schule. Auch meine ersten Auftritte hatte ich hier, und zusammen mit Kurt haben wir hier ein Haus gebaut. Während unserer berufstätigen Zeit war es immer ein schönes Nach-Hause-kommen. Ich liebe diese Stadt, die zwischen Bodensee und Alpstein gelegen ist.

Klingt idyllisch.

Ja, es erinnert mich auch an meine wunderschöne und unbeschwerte Kindheit. An meine Geschwister Elisabeth und Luigi, die nach mir auf die Welt gekommen sind. An meine wunderbare Familie. Eltern, denen die Familie alles bedeutet hat – wir haben jede Minute gemeinsam verbracht. Was Eltern jeweils auf den Lebensweg mitgeben, das prägt einen stark. Auch nachdem alle ausgeflogen waren, ist die Familie etwas ganz Wichtiges geblieben – ich bin in Harmonie aufgewachsen, das hat sich fortgesetzt in der Zweisamkeit mit Kurt.

In einer Sequenz von «Geboren am …» sieht man Sie mit einem Spitzenkleid. War das Ihr Hochzeitskleid?

Ja, mein Hochzeitskleid aus St. Galler Stickerei, das mich immer an den schönsten Tag in meinem Leben erinnern wird, verbindet mich wieder mit St. Gallen. Mein Hochzeitskleid und jenes, welches ich 1969 am Grand Prix Eurovision de la Chanson getragen habe, sind im Textilmuseum in St. Gallen ausgestellt. Dort waren wir ebenfalls mit dem Kamerateam des Schweizer Fernsehens. Als ich 1969 die Schweiz in Madrid mit «Bonjour, Bonjour» vertreten habe, tat ich das nicht nur mit meinem Lied, ich habe gleichzeitig auch die Textilstadt St. Gallen vertreten.

Ein tolles Kleid.

Dieses und mein Hochzeitskleid gehören zu meinen wichtigsten.

Sie und Ihr Mann Kurt haben sich 1990 vom Showbusiness zurückgezogen. Warum?

Man sollte aufhören, wenn‘s am schönsten ist. Dann kann man mit schönen Erinnerungen zurückblicken. Wir haben damals auch aufgehört, weil wir beide durch unseren Beruf sehr oft getrennt waren. Aber durch die Doppelmoderation in «Verstehen Sie Spass?» wurden uns jeweils doch einige gemeinsame Tage geschenkt. Wir wollten mehr Privatleben und Zeit für die Familie. Also haben wir uns gemeinsam dafür entschieden.

Kurt Felix und Sie gehörten zu den bekanntesten und beliebtesten TV-Moderatoren der Schweiz. Nie mit einem Comeback geliebäugelt?

Danach? Nein, ich habe es keine Sekunde bereut. Ich habe als Sängerin aufgehört, danach gab es keine neuen Aufnahmen mehr, ging nicht mehr auf Tournee. Ich habe den Beruf geliebt, den ich ein Vierteljahrhundert ausgeübt habe. Ich bin immer gerne auf der Bühne gestanden, aber aufzuhören, war die richtige Entscheidung. Das Singen war mein Traumberuf und dieser Traum hat sich erfüllt.

Ist Ihnen nie langweilig?

Ganz im Gegenteil: Ich warte noch auf den Moment, an dem es mir langweilig werden könnte. Der wird nie kommen, weil ich so viele Interessen und auch heute noch ein sehr erfülltes Leben habe. Mein Leben ist nicht bei «Blue Bayou» stehen geblieben. Ich nehme an allem teil, ich interessiere mich für alles, was um mich herum geschieht. Und in der Modebranche bin ich heute noch tätig.

Wie ist Ihre Liebe zur Mode entstanden?

Ich war schon immer Mode-interessiert, mein Papa war Schneider, und auch seine drei Schwestern hatten ihre Ateliers. Ich bin zwischen Nähmaschinen und Stoffballen aufgewachsen, das hat mich begeistert. Die Mode hat mich auch als Sängerin durch mein Berufsleben begleitet. Ich habe das sogar mal in einem Lied mit dem Titel «Mode» besungen.

Das ist ein besonderer Bezug.

Wenn ich früher jemandem erzählte, ich hätte einen TV-Auftritt, wurde ich selten gefragt, was ich singe, sondern was ich anziehen würde. An meinem 50. Geburtstag ist ein grosses Mode-Versandhaus auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Mode für die Dame ab Ende 49 zu präsentieren. Ich fand das eine sehr elegante Formulierung (lacht).

Sich treu geblieben?

Ja, seit dieser ersten Anfrage sind schon bald 20 Jahre vergangen. Inzwischen gibt es auch eine Modelinie, die meinen Namen trägt.

Am 2. August ist Ihre Lebensgeschichte in «Geboren am…» zu sehen. Haben Sie Kontakt zu den anderen Porträtierten, die auch am 5. Oktober 1950 geboren wurden?

Ich wusste am Anfang nicht, wer sie sind, jetzt aber schon. Mit Catherine Leutenegger hatte ich bereits Mail-Kontakt. Aus Zeitgründen haben wir uns leider noch nicht gesehen. Sie ist die Schwester von Filippo Leutenegger. Den dritten im Bunde, Doriano Dusci, würde ich auch gerne treffen. Wir sind in die gleiche Zeit hineingeboren, mit den gleichen Einflüssen des Weltgeschehens. Und trotzdem kann das Leben ganz anders verlaufen.

«Geboren am» läuft am Freitag, 2. August, um 21.00 Uhr Uhr auf SRF1. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

Kurt und Paola Felix: Die Bilder

Zurück zur Startseite