Wenn der Trailer einen guten Film verhunzt

Von Fabian Tschamper

6.6.2021

Ryan Gosling als Fahrer im Drama «Drive». Der Film erhielt überwältigende Kritiken, der Trailer war grottenschlecht.
FilmDistrict

Wie kann ein Film schon vor Veröffentlichung schlecht sein? Indem der Trailer ein falsches Bild vermittelt, Twists verrät oder die Natur eines Streifens komplett falsch einfängt. Bei diesen Beispielen ging einiges schief.

Von Fabian Tschamper

6.6.2021

Bis ein neuer Film im Kino erscheint, laufen die Zahnräder der Vermarktung auf Hochtouren: Promo-Interviews mit den Darstellern, Poster, vielleicht schon Merchandise in Form von T-Shirts oder Kaffeetassen und natürlich der Trailer sind wichtige Bestandteile für den Erfolg eines Streifens. Nicht selten geht der Schuss allerdings gehörig nach hinten los. Einen klassischen Fehler dabei – oder einfach ein Zeichen für die unterdurchschnittliche Qualität – sieht man immer wieder bei Komödien. Oftmals werden viele der besten Sprüche während einer Comedy schon im Trailer verraten. Die Hoffnung auf Lachkrämpfte steigt, im Kino merkt das Publikum dann: Der Rest des Films war mies.

Auch kommt es immer wieder vor, dass Trailer einen spannenden Plot-Twist verraten. Fairerweise fallen jene eventuell nur dem geschulten Auge auf. Im Thriller «Shutter Island» – mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle – zeigt der Trailer übernatürliche Ausschnitte: Also entweder hat der Film solche Elemente oder Teddy Daniels (DiCaprios Figur) ist psychisch labil. Das ist allerdings noch eines der harmloseren Beispiele.



Grundsätzlich ging bei so manchen Filmen das Marketing in die Hose: Der Trailer war schlecht, der Film an sich aber fantastisch.

Beim Crime-Drama «Drive» von 2011 passierte genau das. Der Film mit Ryan Gosling in der Hauptrolle schien aufgrund des Trailers wie ein «Fast & Furious»-Verschnitt, ein schlechter Actionstreifen über einen Typen, der in der Nacht als Fluchtfahrer jobbt und tagsüber als Stuntman.

Doch dem war überhaupt nicht so. «Drive» ist ein Meisterwerk, das von einem apathischen und wortkargen Protagonisten handelt. Im Trailer scheint Gosling viel zu reden, in der Realität hatte er noch nie so wenig Zeilen in einem Film. Seine Figur hat noch nicht mal einen Namen, sie ist mysteriös, unberechenbar. Generell ist Ryan Gosling einer der wandelbarsten Schauspieler unserer Zeit, seine Körpersprache und Mimik erzählt Bände, gerade auch in diesem Film.

Ähnlich erging es auch «Edge of Tomorrow» mit Emily Blunt und Tom Cruise. Was es dem Trailer anzurechnen gilt, ist die Geheimhaltung des grossen Twists. Er wird zwar angedeutet, aber nie ausformuliert. Im Trailer sieht es nach einem Science-Fiction-Film aus, in dem Blunt und Cruise die Welt vor einer Invasion retten müssen.

Das trifft auch zu, aber nicht ganz so 0815, wie man sich das vorstellt: Der grosse Twist ist nämlich – Achtung Spoiler-Alarm –, dass die Figur von Cruise in einer Zeitschleife gefangen ist. Jedes Mal, wenn er auf dem Schlachtfeld stirbt, beginnt derselbe Tag neu. Das Ziel ist dabei, solange zu überleben, bis er die Schleife durchbrechen kann.

Ein ebenfalls enttäuschendes Beispiel ist dabei «Cast Away» mit Tom Hanks. Der Trailer suggeriert eine Art Überlebenskünstler-Drama und verrät sogar, dass der Protagonist aus seinem Schlamassel rauskommt. Letzteres dürfte so mancher als Fehltritt bezeichnen.

«Cast Away – Verschollen» ist viel mehr als nur Mensch gegen Natur. Das Drama hat viel mehr Substanz, der Protagonist befindet sich mehrfach am Rande der Hoffnungslosigkeit, des Wahnsinns. Leider ist das Mitfiebern mit Hanks, ob er es denn nun schafft, von der Insel runterzukommen, oder nicht, komplett weg «dank» des Trailers.

Um nicht fehlgeleitet zu werden, empfiehlt es sich, neue Trailer ohne Wertung anzuschauen – oder gar nicht – und sich im Kino selbst einen Eindruck zu verschaffen.