«Auf und davon»: Traum geplatzt, aber «Tibi» findet's «cool»

11.1.2019 - 21:50, tsch

Der Plan von der Gästefarm in Südafrika ist gescheitert. Doch die Tokays haben den richtigen Auswanderer-Spirit. «Das ist die Dynamik, die ich gesucht habe», erklärt Tibor.
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Dennoch: Das wochenlange Leben aus dem Koffer ohne konkrete Zukunftspläne ist auch mühsam für Familie Tokay.
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Für zwei Monate hat Familie Tokay ein Haus gemietet. Der Vermieter (rechts) erläutert die Alarmanlage und weitere Sicherheitsvorkehrungen. Denn die Kriminalität ist hoch.
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Schon am ersten Tag in Cancún tritt Stefano Navarretta seinen neuen Job an. Er ist jetzt Stellvertreter seines erfolgreichen Onkels.
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«Wir sind sehr gut im Zeitrahmen.» Das erste Immobilienprojekt von Stefano Lotti (links) und Stefano Navarretta ist bereits in Arbeit.
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Sylvia Buob nimmt in der Schweiz Abschied von Schwester und Mutter. Wegen der fortgeschrittenen Schwangerschaft reist sie per Flugzeug in die neue Heimat Schweden.
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Markus Buob kommt mit dem Auto. «Die ersten vier Stunden in Schweden waren super», freut er sich über die problemlose An- und Einreise (Zimtschnecke inklusive). «So kann's die nächsten 40 Jahre weitergehen.»
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Sylvias Vater hat beim Umzug nach Schweden geholfen. Dann ist auch für ihn der Zeitpunkt des Abschieds gekommen.
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Nicht jeder hat einen Onkel, der im fernen Land schon alles organisiert hat. Doch die Tokays gehen mit der Tatsache, dass aus ihrer Gästefarm in Südafrika nichts wird, erstaunlich um.

Die einen haben den fürsorglichen Onkel Fernando, die anderen zumindest die richtige Einstellung bei «Auf und davon». Während Stefano Navarretta und Stefano Lotti in Folge zwei in Mexiko Auswandern deluxe vormachen, ist in Südafrika Plan A gescheitert: Die Tokays konnten ihren ersten Traum von der Gästefarm nicht verwirklichen. Plan B gibt es noch nicht. Verzweiflung? Panik? Abbruch? Von wegen: «Das ist die Dynamik, die ich gesucht habe», gab Tibor Tokay ein bemerkenswertes Beispiel von Gelassenheit.

Alles in der Schwebe in Südafrika

Was haben die Tokays in der Schweiz alles aufgegeben: ein Haus am Bodensee, sichere Jobs, ihr soziales Umfeld. Denn sie träumten von einem Leben in Südafrika. Am Kap sind sie gut angekommen, doch ihr Vorhaben für ihre Lebensgrundlage dort lässt sich nicht umsetzen. Ihr Investor ist in letzter Minute abgesprungen, einen neuen haben sie nicht finden können.

Wochenlang lebt die Familie aus dem Koffer, von Ersparnissen, ohne Plan. Was für viele wohl der blanke Horror wäre, scheint Papa Tibor, genannt «Tibi», sogar irgendwie zu gefallen: «Ich find's spannend und so cool, dass eigentlich alles noch offen ist.» Auch Doris meint: «Wir haben schon einiges durchgeboxt. So ist einfach das Leben.» Die Suche nach einem geeigneten Haus zum Leben und um Gäste zu beherbergen geht weiter. «Wir sammeln Ideen und Erfahrungen.»

Gemachtes Nest in Mexiko

Das komplette Kontrastprogramm läuft im mexikanischen Cancún ab, wo Stefano Navarrettas Onkel Fernando schon im Vorfeld alles klargemacht hat: Geschäftsführerposten für den Neffen plus Kleinwagen – und zwei Appartements für die beiden Stefanos im Ferienort Playa del Carmen. Gleich am ersten Tag geht Stefano Navarretta zur Arbeit und bezieht seine Wohnung (mit Kumpel Stefano, dessen Bleibe noch vermietet ist). «Jetzt geht's mir gut», sagt er, als er sich abends auf dem Balkon den warmen Wind ins Gesicht wehen lässt. «Da vorne ist das Meer.»

Dermassen am Schnürchen wie bei den beiden Stefanos läuft selten was bei Auswanderern. Am zweiten Tag besichtigen die beiden Freunde ihr erstes grosses Projekt in Mexiko: die Baustelle eines Appartementhauses. Auch hier alles paletti: «Wir sind sehr gut im Zeitrahmen.» Während Stefano N. sich schon in die Arbeit stürzt und einen neuen Barbier ausprobiert, hat Stefano L. Zeit zum Zeitungslesen: «Die ersten zehn Seiten sind einfach tote Leute.» Auch das ist Mexiko ... Den jungen Baselbietern, die in der Schweiz erfolgreich eine Personalagentur betrieben haben, ist bewusst, dass sie in dem Land, in dem Arm auf Reich trifft, privilegiert sind.

Vielversprechender Anfang in Schweden

Ebenfalls reibungslos liess sich der Start von Sylvia und Markus Buob in Schweden an. Markus war mit dem Auto eingereist, hatte das an der Grenze mit einer Zimtschnecke gefeiert und freute sich: «Die ersten vier Stunden in Schweden waren super, so kann's die nächsten 40 Jahre weitergehen.» Planmässig traf er sich mit Ehefrau Sylvia im Zentrum von Astrid Lindgrens Geburtsstadt Vimmerby. Sylvia, im fortgeschrittenen sechsten Monat schwanger, war mit dem Flugzeug angereist.

Zur Krönung dieser traumhaften Ankunft im neuen Heim fand das Ehepaar einen Strauss Blumen auf dem Tisch und einen frischen Snack im Kühlschrank – ein Willkommensgruss der Vorbesitzer. «Alles richtig gemacht», freute sich Markus schon wieder. Ja, so könnte das doch die nächsten Jahre weitergehen. Das reinste Bullerbü. Allerdings muss der Hof samt Ferienhäuschen an einem See in Südschweden jetzt renoviert werden. Und: Offiziell gehört er den Buobs noch nicht. Da war ja noch die Geschichte mit der Vermessung ...

«Auf und davon» lief am Freitag, 11. Januar, um 21 Uhr auf SRF 1 . Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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