Jetzt ist die perfekte Zeit, um sich «Community» anzuschauen. Los!

Von Fabian Tschamper

3.4.2020

Die Sitcom «Community» ist endlich auf Netflix abrufbar. Gerade in der jetzigen Zeit haben wir sie bitter nötig. Eine Würdigung einer Serie, die mit genialem Konzept und Skript andere in den Schatten stellt – mühelos.

Nur wenige Serien haben mein Leben und meine Liebe fürs Fernsehen so massgebend geprägt wie die sechsstafflige Sitcom «Community» – was wie eine Hyperbel klingt, ist schlicht das grösstmögliche Lob.

Die Show über eine Studentengruppe an einem öffentlichen College setzte sich selber überhaupt gar keine Grenzen. Will heissen, beinahe jedes Klischee der Popkultur wurde parodiert. «Community» ist – freilich objektiv subjektiv  – die beste Serie ihrer Generation.

Die Geschichte über gebrochene, doch gute Menschen, die sich gegenseitig wieder zu flicken versuchen, vereinte ein reizvolles Konzept, das vielen Leuten gefallen hat.

Die Freude, die ich damals fühlte, sei in Worte gefasst:

«Community» ist mehr als eine Kult-Sitcom. Sie ist humorvoll, kaputt, und vor allem: echt.

Die Konzept-Episoden waren der Grund, warum ich mich Hals über Kopf in die Serie verliebt habe. Die erste Staffel lässt sich als klassische Sitcom beschreiben: 25 Folgen über Charaktere, die sich am Greendale Community College, einer fiktiven Schule in Colorado, lieben lernen. Spät in der ersten Staffel aber wird die Folge «Modern Warfare» entfesselt – eine Actionfilm-Parodie über ein Paintball-Match, das sich alsbald über den ganzen Campus ausbreitet und gleichzeitig eine Liebesgeschichte einführt.

Die präzise und perfekte Heraufbeschwörung des 1980er-Actionkinos war etwas, was man bis anhin in einer TV-Sitcom für unmöglich gehalten hatte.

Höchste Höhen, tiefste Tiefen

In der zweiten Staffel «Community» gab es neben harmlosen Spielereien eine dramatische Verfolgungsjagd durch eine Festung aus Kissen und Decken, die Weihnachtsepisode war mit Stop-Motion animiert, es wurde «Dungeons & Dragons» gespielt, und mittels einer Hommage ehrte die Serie den Film «My Dinner With Andre»: Es war fantastisches Fernsehen.

Die folgenden Staffeln erreichten dieses hohe Niveau nicht mehr (speziell die vierte nicht), aber dazu komme ich gleich, denn die Macher lieferten in Staffel drei und sechs schon noch besonders herausragende Folgen. Und selbst wenn die Show ihrem Ruf in einer Episode insgesamt nicht gerecht wurde, machten es die Dialoge und die Besetzung mitunter wett. Der Cast um Komiker Joel McHale, Allroundtalent Donald Glover und Schauspielerin Alison Brie überzeugte immer.

Die Köpfe hinter «Community» waren essenziell für den innovativen Ruf der Show. Erfinder Dan Harmon – nicht immer das beste Beispiel für einen guten Menschen zwar –, bestach stets durch clevere Popkultur-Referenzen oder Sitcom-Klischees. Als er vor der vierten Staffel entlassen wurde, fiel es einem wie Schuppen von den Augen, welchen Einfluss er wirklich auf die Show gehabt hatte – eingedenk der insgesamt schwachen vierten Staffel.

Leider nicht ohne Makel

«Community» hat durchaus Elemente, die aus modernerer Sichtweise widerstreben könnten. Besonders die Beziehung zwischen dem mehr als erwachsenen Jeff (McHale) und der gerade erst 18 gewordenen Annie (Brie) wurde kritisch gesehen, als die Show startete.

Schlimmer machten es auch die Enthüllungen von Harmons sexueller Belästigung einer jüngeren Serien-Schreiberin. Er hat dafür um Vergebung gebeten – mit einer der wenigen aufrichtigen Entschuldigungen der #metoo-Ära. Zudem muss man sagen, dass die Rassenwitze manchmal auf taube Ohren stossen, um es grosszügig auszudrücken.

Aber ein paar fehlgeleitete Witze und eine romantische Handlung, die nirgends hinführte, nehmen «Community» den Ruf einer der besten Sitcoms der TV-Geschichte nicht.

Schauen Sie «Community» nicht, weil ich die Serie liebe. Schauen Sie sie, falls Sie hier irgendetwas neugierig gemacht hat. Wie dann die Chancen stehen, dass Sie die TV-Show auch lieben lernen? Gut!

«Community» ist ab sofort auf Netflix abrufbar.

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