«Seitentriebe»-Dreh zeigt: Leg dich nicht mit Gianni an ...

Cilgia Grass (Text), Nicolai  Morawitz (Video)

9.11.2018 - 13:43

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09.11.2018

Derzeit entsteht die zweite Staffel der SRF-Beziehungsserie «Seitentriebe». «Bluewin» war am Set – und wurde Zeuge einiger handfester Probleme.

Altstätten? Altstetten? Ach nein, Affoltern: Nach anfänglich verwirrenden Instruktionen treffe ich am Donnerstagmittag kurz vor 12 Uhr am Set von «Seitentriebe» ein. Als ich die Strasse zu meinem Ziel hinunterlaufe und durch eine Hecke «spienzle», um zu sehen, was mich erwartet, merke ich plötzlich: «Hier wohnen ja Gianni und Nele!» Für Laien: Das sind die beiden Hauptfiguren der Serie.

«Du musst hier warten, die Kamera läuft gerade», sagt eine Set-Mitarbeiterin. Neben ihr steht eine junge Dame mit einem Kinderwagen. Vom Kleinen sieht man nichts, die Front ist mit einem grossen Tuch abgedeckt. «Wahrscheinlich eine Komparsin», denke ich mir.

Auch Schauspieler sind Eltern

Als ich zehn Minuten später am Set stehe, also am Ort des Geschehens, erfahre ich: Vera Bommer, 36, die Nele spielt, ist vor vier Monaten Mutter eines kleinen Jungen geworden. In den Drehpausen stillt sie ihren Sprössling, dessen Name sie nicht verraten will. Sie switcht also dauernd zwischen ihrer Rolle als Schauspielerin und jener als Mutter hin und her. «Eine sehr schräge Erfahrung», wie sie uns im Gespräch gesteht. Mehr als der Spagat zwischen den zwei Welten macht ihr aber der Schlafmangel zu schaffen. «Weil ich mich dann nicht mehr konzentrieren kann.»

Ihren Job erfüllt sie aber trotzdem mit Bravour: In der Szene, der wir beiwohnen dürfen, bearbeitet sie vor dem Haus einen Holzstrunk und bespricht ein doch gröberes Problem mit Gianni, der gerade auf dem Velo herangebraust ist. Wenn man die Szene unterbrechen und wiederholen muss, liegt es weniger an ihr oder Nicola Mastroberardino, 40, der Gianni verkörpert. Vielmehr sind die Flugzeuge schuld, die immer wieder alles übertönen. Und wenn es einmal nicht die Flugzeuge sind, brummt irgendwo eine Land- oder Baumaschine. Und wenn dann endlich alles ruhig ist, scheint auf einmal die Sonne ungünstig. Gar nicht einfach, im Freien zu filmen.

«Stillen und danach am Set stehen ist extrem»

«Stillen und danach am Set stehen ist extrem»

Am Set nimmt sich Vera Bommer einen Moment Zeit, um mit «Bluewin» über ihre neue Mutterrolle und die Vereinbarkeit mit dem Film zu sprechen.

08.11.2018

Warum man sich gerade diesen Ort für den Dreh ausgesucht hat, frage ich Anne-Catherine Lang, die Mitbegründerin der Firma Langfilm AG, die «Seitentriebe» produziert. Das Ganze scheint mir doch irgendwie unpraktisch. «Wir haben uns einfach in dieses Haus verliebt, weil es Charme hat», sagt sie schmunzelnd. Stimmt schon. Und es passt auch gut zu Nele, die Künstlerin ist und Holzskulpturen schafft.

Jetzt geht's ans Eingemachte

Die nächste Einstellung steht an: Gianni und Timo, gespielt von Jérôme Humm, 19, haben eine tätliche Auseinandersetzung. Nicht etwa, weil Timo mit Nele geschlafen hat, sondern weil er ihr Werkzeug klauen will, um in dem Haus rumzuwerkeln, das er und seine Kollegen besetzt haben.

Güzin Kar, die Autorin und Regisseurin von «Seitentriebe», erklärt den beiden Darstellern, wie sie sich die Szene vorstellt. Dann setzt sie sich in ihren Sessel, setzt die Kopfhörer auf und gibt das Zeichen zum Loslegen. Und das tun die beiden ordentlich. Mastroberardino alias Gianni nimmt Humm alias Timo in den Schwitzkasten, bis dieser einen roten Kopf hat. Nebenher telefoniert er mit Nele. Die beiden sind so engagiert bei der Sache, dass Jérôme Humm ausrutscht und unsanft auf dem Boden landet.

Beim Dreh der zweiten Staffel von «Seitentriebe»

Leiden für den Job

Eine halbe Stunde später treffe ich ihn beim Textproben für die nächste Szene an. Er stöhnt, weil er einen doch sehr komplizierten Satz zu Kapitalisten sagen muss. Ich bin froh, dass ich nicht in seiner Haut stecke. «Mir tut die Schulter weh», sagt er plötzlich. Der Sturz hat Spuren hinterlassen. Als Anne-Catherine Lang, die Chefin der Produktionsfirma Langfilm, das hört, holt sie sofort den Erste-Hilfe-Koffer und reibt die schmerzende Stelle mit einer Lotion gegen Prellungen ein. Man schaut zu seinen Darstellern.

Irgendwann erwische ich auch noch Nicola Mastroberardino – und spreche ihm mein Beileid aus. «Ich würde es mit Nele nicht aushalten. Eigentlich müsste sie ja Nöle heissen», sage ich ihm. Erstaunt fragt er: «Warum?» Ich: «Sie ist nur am Nölen. Gianni kann ihr nichts recht machen.» Er denkt nach und will gerade antworten, da muss er schon wieder vor die Kamera. «Darüber müssen wir wohl später diskutieren», ruft er lachend.

Später wäre: in zwei Stunden. So viel Zeit habe ich leider nicht mehr. Ich verabschiede mich und mache mich auf den Rückweg. Die neuen Folgen von «Seitentriebe» bekommen wir übrigens erst im nächsten Herbst zu sehen. Schade, ich hätte gerne schon jetzt gewusst, wie es mit Gianni und Nele und den übrigen Pärchen weitergeht.

Die zweite Staffel von «Seitentriebe» läuft im Herbst 2019.

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