The Late-Night-Show must go on, irgendwie

phi

24.4.2021

Stephen Colbert, left, and Jimmy Fallon attend The Metropolitan Museum of Art's Costume Institute benefit gala celebrating the opening of the Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination exhibition on Monday, May 7, 2018, in New York. (Photo by Evan Agostini/Invision/AP)
Quotenkönige: Stephen Colbert (links) und Jimmy Fallon an der MET-Gala im Mai 2018.
KEYSTONE

Donald Trump sagte einst, die Einschaltquoten würden ohne ihn einbrechen. Für einmal hatte der Ex-Präsident Recht – doch nach einem Tief erholen sich die Zuschauerzahlen wieder.

phi

24.4.2021

Donald Trump hat eine Menge Dinge vorhergesagt: Mexiko werde für den Grenzwall zahlen, die Pandemie verschwinde im April 2020 – und gegen «Sleepy Joe» Biden werde er das Präsidentschaftsrennen sicherlich nicht verlieren. Es sollte anders kommen.

Doch mit einer Prognose sollte der Ex-Präsident Recht behalten – und die hat er bereits Ende 2017 gestellt. Trump äusserte sich damals im Zusammenhang mit der Frage, ob die Medien ihn schlecht behandeln. Der New Yorker gab sich damals zuversichtlich.

Seine Begründung: «Die Zeitungen, das Fernsehen und alle Sorten der Medien werden abstürzen, wenn ich nicht da bin», sagte er der «New York Times». Die Presse werde ihn dann hofieren, «denn ohne mich gehen ihre Auflagen und Quoten den Bach runter.»

Trump und die Medien – eine Hassliebe.

Das mit dem Hofieren hat ebenso wenig geklappt wie die Wiederwahl, doch ein Einbruch bei der Reichweite ist nicht zu leugnen: Tatsächlich haben sowohl Print-Produkte als auch News-Websites und das TV zuletzt Publikum verloren. Nach Rekordzahlen im Januar folgt im Februar ein jäher Einbruch, konstant weniger Unique Visitors.

CNN mit minus 45 Prozent

CNN trifft es besonders hart: Zwischen Mitte Februar und März haben 45 Prozent weniger Zuschauer eingeschaltet, während MSNBC ein Minus von 26 Prozent zu beklagen hat. Fox ist mit minus 6 Prozent relativ stabil geblieben. Eine Entwicklung, die auch die Late-Night-Shows trifft.

«A Little Late with Lilly Singh»: Mal gibt die Moderatorin kämpferische Monologe ...

Der Quotenkönig war bisher Stephen Colbert vor Jimmy Fallon und Jimmy Kimmel – mit durchschnittlich 3,6 Millionen zu 2,3 zu zwei Millionen zwischen 2019 und 2020. Dahinbter lagen Seth Meyers und James Cordon mit 1,4 und 1,2 Millionen Zuschauer, während Trevor Noah sogar weniger Publikum hat als Lilly Singh, die beide bei auf um die 600'000 kamen.

... mal spielt sie kleine Sketches, in denen sie mehrere Rollen übernimmt.

Im Durchschnitt haben die Late-Night-Shows schon im Januar 14 Prozent verloren: «A Late Show with Stephen Colbert» auf «CBS» sank auf 3,16 Millionen und «Jimmy Kimmel Live» auf «ABC» auf 1,8 Millionen – doch den grössten Verlust musste «NBC» hinnehmen, wo «The Tonight Show With Jimmy Fallon» nur noch 1,5 Millionen erreicht.

Quote erholt sich wieder

Inzwischen ist der Zuschauer-Zuspruch wieder angestiegen: Colbert liegt den jüngsten Zahlen zufolge mit 3,85 Millionen vor Jimmy Fallon mit 2,46 Millionen und Jimmy Kimmel mit 2,1 Millionen. «Late Night with Seth Meyers» auf NBC erreicht 1,46 Millionen und «The Late Late Show with James Corden» auf «CBS» 1,3 Millionen

Es muss nicht immer politisch ein: James Cordon ruft in seiner Show Oprah Winfrey an.

Und inhaltlich? Hat sich eigentlich wenig verändert – nur werden die Vorlagen eben nicht mehr so steil gespielt wie noch während Präsident Donald Trump. Auch Joe Biden leistet sich zwar Fehler oder Fehltritte – etwa beim Besteigen der Air Force One –, aber unter dem neuen Präsident geht es nun mal deutlich gesitteter zu.

Zugutekommt den TV-Gastgebern, dass es noch jede Menge Trump-Getreue gibt, die Aufreger produzieren: Cancel culture, das Corona-Hilfspaket oder das Gebaren einzelner Politiker wie etwa Matt Gaetz geben eigentlich genug zu reden – nur geht es eben nicht mehr ganz so hoch her wie auch schon. Dabei bekommen auch die Demokraten ihr Fett weg, sofern sie denn Angriffsfläche bieten.

Irgendwie geht es also auch für die Late-Night-Shows weiter. Auch wenn die fetten Jahre erst einmal vorbei sind.