Der Tsunami am Genfersee könnte sich wiederholen

tsch

17.11.2018

Nicht nur in fernen Gegenden sind meterhohe Tsunamiwellen möglich. Auch am Genfersee gab es im Jahr 563 bereits einen Tsunami, wie Forscher beweisen.

Tsunamis kennt man von den Katastrophen in Thailand, Japan oder zuletzt Indonesien. Erdbeben oder Hebungen des Ozeanbodens sind die Ursache der Riesenwellen, die über die Meeresufer treten. Doch auch der Genfersee hatte seinen Tsunami. Nach einem Bergsturz im Osten trat das Gewässer vor fast 1500 Jahren bis hin zum 90 Kilometer entfernten Genf im Westen meterhoch über die Ufer und vernichtete Mensch und Tier. Eine mit Comiczeichnungen angereicherte Doku, die in Kooperation von Arte und dem Schweizer Fernsehen RTS entstanden ist, verdeutlicht, dass eine solche Katastrophe auch heute noch möglich ist.

Was geschah in Tauredunum wirklich?

In der Chronik des Marinus von Avenches, Bischof von Tours, ist die Katastrophe von 563 beschrieben. Der Chronist benannte sie nach dem verschwundenen Ort Tauredunum. Der Bericht wurde im 19. Jahrhundert entdeckt, doch Wissenschaftler forschten lange Zeit vergeblich nach Beweisen für die beschriebene Katastrophe. Sollte die Chronik am Ende doch nur eine Legende gewesen sein? In der angeblich von acht Meter hohen Wellen überschwemmten Stadt Genf wurden jedenfalls keine Spuren mehr gefunden. Selbst Gräber in unteren Bodenschichten gaben keine Geheimnisse preis, obwohl tausende Menschen ums Leben gekommen sein dürften.

Im Film von Laurent Graenicher und Pierre-Yves Frei kommen Experten aus den Gebieten Archäologie, Geologie und Meteorologie zu Wort. Vor allem Geologen konnten durch Vergleiche der Gesteinsschichten von nahen Bergmassiven und deren Wänden mit den am Boden des Sees abgelagerten Sedimente nachweisen, dass es die Katastrophe am angegebenen Ort vis à vis von Montreux einst tatsächlich gegeben hat.

Die Geschichte kann sich wiederholen

Eine Studie der Universität Genf kommt zu dem Schluss, dass sich dort, wo die Rhone in den Genfersee mündet, eine Unterwasserlawine bildete, die hunderte Millionen Kubikmeter Ablagerungen verschob. Die so ausgelöste Welle war bis zu 16 Meter hoch und erreichte die Stadt Genf in etwa 70 Minuten. Die Forscher fanden zudem heraus, dass die Welle von 563 in der Vergangenheit nicht die einzige gewesen sein dürfte. Sie geben nun die Warnung heraus, dass sich eine derartige Katastrophe jederzeit wiederholen könnte.

Was die packende Dokumentation, die von einem Szenario ausgeht, das man zunächst einmal gar nicht glauben möchte, so spannend macht, ist die wissenschaftliche Akribie, mit der die Filmemacher vorgehen. Stück für Stück fügt sich eine Beweiskette zusammen, die für die Gegenwart schaudern lässt. Dabei liegen die Qualitäten des Films allerdings in seiner sehr ansprechenden Visualisierung, dem ruhigen, unaufgeregten Erklärton und der Tatsache, dass sie sich trotz der Brisanz des Themas Marktschreierisch-Reisserisches verkneift.

«Ein Tsunami auf dem Genfer See» läuft am Samstag, 17. November, um 21.45 Uhr auf Arte. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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