«Babylon Berlin»: Das sagt die «schöne Charlotte» über die Hit-Serie

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30.9.2018

Liv Lisa Fries begeistert als Charlotte Ritter in der 20er-Jahre-Serie «Babylon Berlin», die Free-TV-Premiere feiert. Im Interview spricht sie über ihre Vorliebe für die 20er-Jahre und die Vorbereitung zur neuen Staffel.

Hohe Zuschauerzahlen, überschwängliche Lobeshymnen, internationales Interesse: «Babylon Berlin», die deutsche Antwort auf die Hochglanzserien aus den USA und Grossbritannien, erzählt seit der Premiere im vergangenen Jahr eine Erfolgsstory.

Verantwortlich dafür ist das kongeniale Regisseurs-Trio Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries. Aber nicht nur: Der Zauber der Serie entsteht auch durch die herausragende Kulisse der 40 Millionen Euro teuren Produktion und durch die hochspannende, auf Volker Kutschers Romanen basierende 20er-Jahre-Thrillerhandlung.

Und dann wäre da noch Liv Lisa Fries – jene charmante wie bodenständige Berlinerin, die mit ihrer Hauptfigur Charlotte das Publikum im Nu einzunehmen vermag. Zur Free-TV-Premiere (ab Sonntag, 30. September, 20.05 Uhr, SRF zwei) spricht die 27-Jährige über ihre Vorliebe für die 20er-Jahre, die Vorbereitung zur geplanten dritten Staffel und das Leben als ewige Newcomerin.

Aktuell wird nach dem grossen Erfolg der ersten beiden Staffeln an der Fortsetzung zu «Babylon Berlin» gearbeitet. Haben Sie Ihre Figur schon vermisst?

Vermisst nicht so wirklich. Charlotte ist mir ja gar nicht so fern. Es ist ein wenig so, als wäre sie sowieso immer in mir. Nachdem wir 2016 gedreht hatten, war es auch schön, die Figur wieder loslassen zu können. Aber jetzt freu ich mich, sie wie eine alte Freundin wiederzutreffen.

Ist es einfacher, wenn eine Figur einem ähnelt?

Manchmal war es bei den ersten Staffeln eher schwieriger, eben weil sie mir so ähnlich ist. Bisweilen dachte ich, ich hab eine Szene schon im Kasten – dabei spielte ich in dem Moment eher mich, während Charlotte zum Beispiel viel freier, bewegter oder exaltierter agieren würde. Diese Nuancen unterscheiden sie dann doch wieder von mir.

Wissen Sie schon, wie es mit ihr weitergeht?

Ich habe die Bücher schon gelesen. Aber alles steckt noch in der Entwicklung, weshalb ich noch nichts verraten darf. Wahrscheinlich darf ich aber diesmal auch wieder eigene Ideen einbringen.

Sie selbst sind in Berlin geboren und aufgewachsen. Hilft das, wenn man eine Berlinerin spielt?

Würde ich schon sagen – gerade, was den Dialekt angeht. Andererseits kann man sich als Schauspieler auch immer einen Dialekt aneignen. Deshalb hätte sicher auch eine Kölnerin die Rolle gut spielen können. Und manche Berliner können auch gar nicht berlinern. Die Herausforderung ist aber oft, dass Dialekte etwas sehr Spontanes besitzen. Das einzufangen, ist schwer. Dialekt zwingt einen in die Authentizität. Es muss fliessen und kommen; frei Schnauze eben.

Haben Sie bei den Vorbereitungen und beim Dreh einen anderen Blick auf Ihre Heimatstadt gewinnen können?

Ich machte zum Beispiel im Vorfeld eine 20er-Jahre-Führung mit, das war spannend. Etwa von Gebäuden zu erfahren, die schon lange nicht mehr existieren. Es gibt nämlich gar nicht mehr so viele Überbleibsel aus der Zeit. Sehr interessant fand ich auch, was für ein Lärm damals herrschte. Oft beschwere ich mich darüber, wie laut die Stadt heute ist – aber wenn man auf die Autos und Strassenbahnen von damals schaut – das war ja viel lauter!

Können Sie mit den 20er-Jahren viel anfangen?

Ja, die gesamte Ästhetik dieser Zeit, von der Mode bis zur Architektur, entspricht mir sehr. Mehr als etwa das Interieur heute. Das war mir vorher schon klar, aber mit dem Dreh hab ich diese Nähe noch mal richtig verstanden.

Zur Vorbereitung auf die ersten Staffel lasen Sie viele Porträts über Frauen aus den 20er-Jahren. Jetzt, da Ihnen Ihre Figur schon in Fleisch und Blut übergegangen ist und die Handlung voranschreitet – sieht die Vorbereitung anders aus?

Die Grundbausteine muss ich nicht mehr legen. Den Bauplan muss ich vielleicht noch mal studieren. Ich werde mir «Babylon Berlin» noch einmal komplett auf Leinwand ansehen und schauen, was ich da so gespielt habe (lacht). Im Prinzip denke ich, die Figur beantwortet immer selbst, was man machen muss. Am Schreibtisch lässt sich das bei manchen Figuren schlecht vorbereiten, da muss man dann spielen, nicht theoretisieren.

Kann so ein Riesenprojekt wie «Babylon Berlin», in seiner historischen und gesellschaftlichen Dimension, in Sachen Vorbereitung auch überfordern?

Naja, ich habe schon viele Monate Vorbereitung; konnte auch viel dazu lesen. Aber nur weil wir in so einer Länge erzählen, muss ich mich nicht anders vorbereiten. Die Serie erzählt eben akribischer. In welchem Ausmass ich mich damit auseinandersetze, bleibt mir überlassen. Ich empfinde Verantwortung, weil Menschen sich das anschauen. Deshalb ist es wichtig, dass ich nicht nur irgendwas hingeklatscht habe. Ich habe auch mehr Freude dran, wenn ich politische Hintergründe kenne, oder weiss, welche Wirtschaftslage herrschte. Als Schauspielerin finde ich es interessant, ein Bewusstsein dafür zu haben. Auch wenn ich das alles wieder vergesse – und es die Figur Charlotte nicht so tangiert. Das Schöne ist, dass es uferlos sein kann.

Spielen denn die Kritiken zu den ersten beiden Staffeln dabei eine Rolle?

Die wurden von aussen an mich herangetragen. Da hiess es, die seien sehr gut – und ob ich das denn mitbekommen würde (lacht). Ich bin sehr glücklich darüber, dass das so wohlwollend aufgenommen wurde. Klar mache ich mir Gedanken, wie das ankommt – vor allem, weil das ganze Projekt so gehypt wurde. Aber in der konkreten Zusammenarbeit mit den drei Regisseuren geht es nicht mehr um den Blick von aussen. Den vergesse ich dabei komplett.

Glauben Sie, dass Sie mit «Babylon Berlin» nun die Rolle der ewigen Newcomerin ablegen konnten?

Das hatte ja auch ein wenig mit meinem Alter zu tun. Neulich traf ich jemanden, der mich fragte: «Bist du immer noch nicht 30?». Weil ich so früh angefangen habe, zieht sich meine Jugend so hin. Manchmal denke ich, dass ich das eigentlich schon ganz schön lange mache – über zehn Jahre. So richtig Newcomerin bin ich eigentlich gar nicht – aber das ist ja nur ein Wort. Gleichzeitig versuche ich auch, mit jeder Rolle etwas Neues über mich herauszufinden – und sehe mich bei manchen Herausforderungen bisweilen auch als totale Anfängerin. Ich will nicht alles im Vorhinein verstehen. Danach suche ich meine Rollen aus. Mittlerweile habe ich aber auch akzeptiert, dass ich Schauspielerin bin (lacht).

«Babylon Berlin» startet am Sonntag, 30. September, um 20.05 Uhr auf SRF zwei und um 20.15 Uhr in der ARD. Mit Swisscom TV Replay können Sie die Folgen bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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