TV-Experte Wer ist besser: Matula oder Jesus?

TV-Experte Gion Mathias Cavelty

20.4.2019

Der Krimi-Dauerbrenner «Matula» findet am Osterwochenende wieder einen Sendeplatz auf ZDF. TV-Experte Gion Mathias Cavelty hat genau hingeschaut. Die Antwort, wer besser ist, findet er schnell.

Wann habe ich den zerknautschten Lederkoffer in Menschengestalt zum letzten Mal im TV gesehen? Vor 33 Jahren, würde ich jetzt mal schätzen. Meine Mutter hat ihn jeweils am Dienstagabend in «Ein Fall für zwei» gekuckt. Aber offenbar gibt es ihn immer noch. An den Karfreitagen 2017 und 2018 feierte er seine Auferstehung (in den Filmen «Matula» – sehr origineller Titel übrigens – und «Matula: Der Schatten der Berge») – und am gestrigen Karfreitag stahl er Jesus Christus schon wieder die Show (der aufersteht bekanntlich erst zwei Tage später).

«Matula: Tod auf Mallorca» hiess sein neustes Krimi-Special (ZDF, 21.15 Uhr).

Hat Privatdetektiv Josef Matula (wie eh und je verkörpert von Claus Theo Gärtner; er ist übrigens just am 19. April 76 Jahre alt geworden) tatsächlich die Qualitäten, die es für eine Erlöserfigur à la Jesus braucht?

Nun: Der 88minütige Spielfilm begann schon mal heftig: Matula torkelte von rechts ins Bild, mit schmerzverzerrtem Gesicht, sich den Bauch haltend; dann ging er röchelnd zu Boden. Wow! Genau das erwartet man von einem, der «die Sünden der Welt hinwegnehmen» soll (Zitat aus dem «Agnus Dei»).

Jesus geht in Führung

Schnitt: Sechs Tage vorher. Matula manövriert im Auftrag eines Klienten eine Jacht durchs westliche Mittelmeer Richtung Malle. Das hätte Jesus eindeutig besser gekonnt – er wäre einfach übers Wasser gelaufen und hätte die Jacht an einem Seil hinter sich hergezogen. Damit hätte er grad auch noch ein bisschen was fürs Klima getan. Klarer Punkt für Jesus.

Schnitt: Matula sitzt in einem mallorquinischen Restaurant, gemeinsam mit einem deutschen Landsmann, den er früher am Tag kennengelernt hat. Zum Trinken gibt es Champagner und Weisswein von der Speisekarte. Diskussionsloser Punkt für Jesus – der hätte den Wein gratis hergestellt (aus dem Mineralwasser, das auch auf dem Tisch stand).

Schnitt: Der deutsche Landsmann ist tot, er schwimmt ermordet im Hafenbecken. Was tut Matula? Natürlich beginnt er, zu ermitteln. Was hätte Jesus getan? Er hätte den Toten einfach wieder zum Leben erweckt. Punkt für JC.



Nun, und so ging das dann weiter. Der Kriminalfall selbst war halt einer dieser Kriminalfälle, in denen der angebliche vermögende Kieferchirurg kein vermögender Kieferchirurg ist, sondern ein Multi-Frauenbetrüger (gab es zu Zeiten von Jesus eigentlich schon Kieferchirurgen? Wenn nicht, wäre das natürlich ein glasklarer Punkt für Matula). Und auch nicht Ingo Schumann heisst, sondern Malte Schuster respektive Martin Schubert. Nur schon diese drögen Namen! Gäääähn! Können sich die Drehbuchautoren nicht mal etwas Spritziges überlegen? Zur Not sollen sie sich bei Thomas Mann bedienen.

Roger Federer in «Matula»?

Einen guten Namen haben sie sich immerhin einfallen lassen: der Hund von Matula heisst Renz (in memoriam Dr. Dieter Renz). Ein wahres schauspielerisches Talent, dieses Vieh. Wie er dem doofen spanischen Polizisten, der die Jacht bewacht, zu Ablenkungszwecken die Mütze klaut, nachdem ihm Matula diesen genialen Plan ins Ohr geflüstert hat! Ganz gross! Ich prophezeie diesem Vierbeiner eine grosse Zukunft auf der Leinwand (gut, er dürfte auch schon an die 60 sein …).

Bei einer Szene in der 41. Minute war ich kurz überrascht, weil ich dachte, Roger Federer habe sich vor die Kamera verirrt. Es war dann aber nur ein Schauspieler namens Lukas Piloty. Die Ähnlichkeit war aber verblüffend (Beweis: siehe Bildstrecke oben).

Die Auflösung des Falls? Interessiert keinen. Wer hat sich den Film am Freitagabend schon wegen der Handlung angeschaut? Alle wollten nur ihn sehen: Claus Theo Gärtner, wie er mit 76 (75, als der Film gedreht wurde) das Letzte aus sich herausholt und sich mit Leidensmiene durch die einzelnen Szenen rackert. Und so in uns allen die Hoffnung auf ein ewiges Leben weckt (respektive aufrecht erhält). Und er tut das grossartig. Halleluja!

«Matula» lief am Freitag, 19. April, um 21.15 Uhr auf ZDF. Mit Swisscom Replay TV können Sie die Sendung bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung anschauen.

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