Frischekick – wie Zitronen die Winterküche aufpeppen 

Heidemarie Pütz, dpa

16.11.2019 - 00:00

Zitronen bringen Aroma, Sonne und gute Laune auf den Teller. Mit den gelben Vitaminbomben lässt sich Risotto, Pasta oder Geschmortes zaubern.

Wo immer Zitronen beim Essen im Spiel sind, kommt Leichtigkeit auf. Ihre frische Säure bringt Pep in Gerichte, verstärkt subtil die Aromen von Fisch, Fleisch, Gemüse und Sossen. Gerade in der kühleren Jahreszeit macht schon der Duft gute Laune.

«Die Zitrone hat etwas, was man mit dem Süden verbindet», sagt Kochbuchautorin Erica Bänziger aus Tegna im Tessin. Im Herbst und Winter reisen die Früchte nicht durch die halbe Welt, sondern kommen vor allem aus Spanien und Italien.

«Zitronen geben dem Essen nicht nur eine besondere Würze, sondern sie machen es auch leichter, besser verdaulich und runden es ab», sagt Sterne- und Fernsehkoch Ali Güngörmüs.



Es kommt aber auf die Dosierung an, das Essen sollte nicht übersäuert werden. Deshalb reibt der deutsch-türkische Koch in seinem Münchner Restaurant Pageou vor allem Zitronenschale über Fisch- oder Fleischgerichte.

Zitronen-Thymian-Püree perfekt zu Lachs

Auch Gerichte der kühleren Jahreszeit profitieren von der Zitronensäure. Das Zitronen-Thymian-Püree des Sternekochs schmeckt perfekt zu Lachs und Winter-Kabeljau.

Dafür drückt er weichgekochte Kartoffeln durch die Presse, gibt Butter dazu, würzt mit Salz und frisch geriebener Muskatnuss und rührt heisse Milch, reichlich Zitronenabrieb, fein gehackten Thymian und Schlagsahne unter.

Erica Bänziger umwickelt zum Beispiel Lammfleischwürfel mit Speck und spiesst sie mit Zitronenstücken, frischem Lorbeer oder Salbei auf. «Die gegarten Zitronen kann man mit der Schale mitessen», erklärt die Autorin. Ein Klassiker ist für sie geschmortes Kaninchen mit Zitrone.



Der Sternekoch Jochen Kempf erzählt, dass vor allem Zitrone im Dessert bei seinen Gästen gut ankomme. «Bei der pikanten Variante wird es schon schwieriger. Viele wissen nicht, dass man die Zitrone mit Schale und Innenleben essen kann», sagt er. In der italienischen Küche sei es üblich, Salate damit zu marinieren. Oder etwa Zitronenmayonnaise zu gegrilltem Fisch zu essen.

Hauptsaison für europäische Zitronen

Zitronen sind zwar immer zu haben. Aber auch sie haben je nach Herkunftsland Saison und werden nach Sorten gehandelt. Im September oder Oktober gehe es mit der Hauptsaison für europäische Zitronen los, sagt Thomas Heeren von der Fruchtagentur Altes Land.

Hauptlieferanten seien Spanien und Italien, gefolgt von der Türkei. Ende Juni bis Anfang Juli ist der Grossteil der europäischen Zitronen dann durch. Danach kommt Überseeware aus Argentinien und Südafrika auf den Markt.

Köche wie Ali Güngörmüs oder Jochen Kempf schwören vor allem auf Süditaliens Amalfi-Zitronen. «Ich finde sie für das italienische Zitronen-Carpaccio sensationell, weil bei der Amalfi-Zitrone das weisse Fleisch etwas dicker und sie nicht so sauer ist», erklärt der Hamburger Küchenchef.

Pasta mit Zitrone – fast wie an der Amalfiküste

Dazu schneidet er die Zitronenscheiben so dünn wie möglich, mariniert sie mit weissem Traubenessig, Olivenöl sowie Meersalz und lässt sie eine halbe Stunde ziehen. Das passt perfekt zu roh mariniertem Lachs oder gegrilltem Fisch wie Dorade oder Calamaretti.

Die Kochbuchautorin Ursula Ferrigno lernte schon während ihrer Kindheit an der Amalfiküste, dass Zitronen in der Küche eine zentrale Rolle spielen. In ihrem Kochbuch «Lemons & Limes» gibt sie für ein Pastagericht Zitronensaft und -abrieb über Calamari-Ringe, die sie mit Rosmarin, Knoblauch und Chilis in Olivenöl angebraten hat.

Das Ganze vermischt mit Spaghettini sowie gerösteten Brotbröseln und serviert es mit Zitronenspalten.

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