Warum die einfachen Gaumenfreuden oft die besten sind

31.1.2019 - 21:30, Charoline Bauer

Die Mutter aller Butterbrote kommt übrigens aus Skandinavien.
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Den köstlichen Snack für unterwegs? Gibt's weltweit, wie hier nachgewiesen wird. Aber es geht doch nichts über das fremdgeschmierte Butterbrot, das man noch ganz früher gern einmal gegen einen schnöden Schokoriegel eingetauscht hat. 

Pausenbrot – gut investierte Zeit

Während ich zu Schulzeiten das von meiner Mutter liebevoll zubereitete Pausenbrot oft unangetastet wieder mit nach Hause gebracht oder gegen schnöde Schokoriegel getauscht habe, wäre ich heute froh, wenn mir jemand ein leckeres Brot zum Mitnehmen schmieren würde. Dann müsste ich nicht jeden Mittag so viel Geld auf den Tisch legen, um im hippen Stullenwerk (Stulle=belegte Scheibe Brot) gesundes Allerlei zwischen zwei Brotscheiben serviert zu bekommen. Vollkorn, versteht sich.

Schmier mir eins

Natürlich könnte ich mir mein Brot auch selber zubereiten und mitnehmen. Das wäre definitiv billiger und ökologischer. Aber wollen wir mal ehrlich sein, ein belegtes Brot schmeckt viel besser, wenn es von jemand anderem für uns zusammengestellt wird. Selbst wenn exakt jener Belag darauf ist, den wir selber verwenden würden. Das fremdgeschmierte Brot schmeckt einfach besser. Scheint nicht logisch, aber es gibt bestimmt eine tiefenpsychologische Erklärung dafür. Irgendwas mit Liebe, Wertschätzung, dem Kind in uns.

Fremdgeschmierte Brote scheinen – aus unerklärlichen Gründen – besser zu schmecken. 
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Erlebnisgastronomie to go

Das Schöne am fremdgeschmierten Brot ist ausserdem, dass es meistens eine kleine Überraschung birgt. Eine Zutat, die man nicht erwartet hätte und die man nie selber auf sein Brot legen würde. So wird die Mahlzeit in der Mittagspause zur kleinen Erlebnisgastromonie für unterwegs.

Und die Auswahl erst! Wenn man das belegte Brot sehr frei als belegte Teigware definiert, kann man sich einmal rund um den Globus futtern. Die Italiener haben mit den weichen dreieckigen Tramezzini und heissen Panini reinste Gaumenfreuden geschaffen. Die Amis brachten uns kreativ belegte Bagels – und mit den Burgern die üppigste Form des belegten Brotes beziehungsweise Brötchens überhaupt. Letzteres hat in Frankreich sogar das weitverbreiteste Mittagessen to go, das Jambon Beurre, ein mit Butter und Schinken belegten Baguettes, abgelöst. Skandal!

Die Südamerikaner haben mit mexikanischen Tacos, Burritos und venezolanischen Arepas eine ganz eigene, aber nicht weniger leckere Variante des belegten Brots parat.

Selbst in Asien gehören Sandwiches beziehungsweise belegte Baguettes – eingeschleppt von den französischen Besatzern – zum praktischen und köstlichen Snack für unterwegs. Reisende schwärmen von den unglaublichen Banh Mis in Vietnam und Khao jji paa-te in Vientiane in Laos.

Gaumenfreuden für Kochmuffel

Die Mutter aller Butterbrote kommt allerdings aus Skandinavien. Die Schweden und Dänen haben mit Smörgås und Smørrebrød, was beides übersetzt Butterbrot heisst, eine eigene Kultur rund um das Backwerk mit Belag geschaffen. Muss man probiert haben.

Damit endet meine Ode an das Butterbrot, und ich mache mir ein selbiges. Denn einfacher kann man keine Gaumenfreuden erleben. Und man muss dafür nicht einmal kochen können. 

Hier gibt es an jedem Freitagmorgen eine Autoren-Kolumne – abwechselnd zu den Themen Mode, Digitales Leben, Essen und Muttersein. Heute: Essen.

Charoline Bauer ist Autorin und Ernährungscoach aus Berlin. Sie schreibt für verschiedene Verlage zu allen Themen, die das Leben lebenswert machen. Als Ghostwriterin realisierte sie in den letzten Jahren mehrere Bücher in Zusammenarbeit mit bekannten Social-Media-Stars. Mit ihrer Schwester betreibt sie ausserdem einen eigenen Fitness- und Ernährungsblog.

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