«Burger zum Frühstück sind schon etwas eigenartig»

#Von Sulamith Ehrensperger

18.2.2021

Harald Sükar Autor Fast Food Diät
Ex-McDonald’s-Österreich-Chef Harald Sükar ernährte sich 40 Tage lang nur von Burger. 
Bild: Lukas Beck

Harald Sükar war Fast-Food-Junkie. Dann wollte der frühere McDonald’s-Manager abnehmen, nicht aber auf Burger verzichten. Das Gespräch über seinen Selbstversuch, Frühstücks-Burger und Fast Food mit Beipackzettel.

Herr Sükar, jeden Tag dreimal Burger und das 40 Tage lang. Mögen Sie sie immer noch?

Meine selbstgemachten Burger sind mir lieb und teuer geworden, daher esse ich sie nach wie vor gern. Aber ehrlich gesagt bin ich froh, dass sie nicht mehr dreimal täglich auf dem Menü stehen (lacht).

In Ihrem Buch ‹Die Fast Food Falle› warnen Sie vor den gesundheitlichen Kosten und Folgen der Fast-Food-Industrie. Nun propagieren Sie mit der ‹Fast-Food-Diät›, wie man mit Burger und Co. abnehmen kann. Warum diese Kehrtwende?

Die Resonanz beim ersten Buch war sehr gross. Immer wieder wurde ich gefragt, ob meine Thesen nicht zu weit hergeholt sind. Und ob es nicht auch gesundes Fast Food gibt. Dieser Frage wollte ich nachgehen. Ich begann zu recherchieren, wollte herausfinden, ob die gängigen Ernährungsempfehlungen nicht auch auf Fast-Food-Produkte zutreffen könnten.

Für einen Selbstversuch liessen Sie sich vom Dokumentarfilm ‹Super Size Me› von Morgan Spurlock inspirieren: 30 Tage lang ernährte dieser sich ausschliesslich von Menüs der Fast-Food-Kette McDonald's. Und Sie?

Ich wollte Spurlocks Experiment umdrehen und einen 40-Tage-Selbstversuch machen, in dem ich zeigte, dass abnehmen und gesund essen mit Fast Food funktionieren kann. Also mit Pommes, Saucen, Burger und allem Drum und Dran – und zwar so viel davon, dass ich kein einziges Mal hungern musste. Mein Slogan lautete: Minimize me. Ich wollte dabei zehn Kilo abnehmen.

Sie schreiben: «Ich wäre dafür, dass auf jeder McDonald’s- oder Burger-King-Schachtel ein Aufdruck wäre: ‹Achtung, der regelmässige Verzehr dieses Produktes schadet Ihrer Gesundheit.›» Sie warnen – können Sie selbst nicht auf Fast Food verzichten?

Ich war in den 13 Jahren als Manager bei McDonald's fast schon so etwas wie ein Fast-Food-Heavy-User geworden – und geblieben. Fast Food macht Spass. Sollen wir ihn uns wirklich von ein paar US-Konzernen verderben lassen? Und wer sagt, dass Fast Food Junk, also Müll, sein muss? Zudem wäre für mich jede andere Diät ungleich schwerer durchzuziehen gewesen, bin ich doch ein hoffnungsloser Genussmensch und überzeugter Disziplin-Verweigerer.

Über den Autor: Harald Sükar 
Harald Süker, Porträt, Ex-Mc-Donalds Manager und Buchautor
Lukas Beck

Harald Sükar arbeitete von 1993 bis 2006 bei McDonald's, unter anderem als Geschäftsführer von McDonald's Österreich. Bereits 2015 hat er sich in seinem Buch «Die Fast Food Falle» kritisch damit auseinandergesetzt, welche Auswirkungen der hohe Gehalt an Salz, Zucker und Fett in industriell hergestelltem Fast Food auf unseren Körper hat. Derzeit arbeitet er als Unternehmensberater unter anderem an der Filialisierung eines sozialen Gastronomie-Projektes.

Warum haben Sie so viele Jahre gebraucht, um zu merken, dass klassisches Fast Food ungesund ist?

Es wurde mir extrem bewusst, als ich 2017 in Florida in den Ferien war und ich viel Zeit zum Nachdenken hatte. Ich habe gedacht: Schau dich an, im Spiegel, das kannst du doch nicht sein. Dass ich früher einmal Marathon gelaufen bin, konnte ich irgendwann selbst nicht mehr glauben. Ich habe damals 111 Kilo gewogen. Dann habe ich angefangen, meine Ernährung zu analysieren. Je mehr ich mich damit auseinandergesetzt habe, desto mehr habe ich erkannt: Hallo, du ernährst dich überwiegend von Fast Food, nicht nur im klassischen Sinne, sondern auch jenes vom Bäcker, von der Tankstelle, vom Supermarkt – also wirklich unausgewogen und schlecht. Ich habe nach Studien gesucht, die zeigen, was das alles bewirkt. Je mehr ich gelesen habe, desto mehr Schuppen sind mir von den Augen gefallen.

Was macht Fast Food so ungesund?

Das Hauptproblem ist, dass es industriell vorgefertigte Produkte sind. Wir wissen, mittlerweile, dass im industriellen Herstellungsprozess künstliche Inhalts-, Farb- und Konservierungsstoffe verwendet werden, um die Haltbarkeit und Standardisierung der Produkte zu gewährleisten. Das ist letztendlich nicht Natur und hiermit auch nicht gesund. Ich habe mich zudem kritisch damit auseinandergesetzt, welche Auswirkungen der hohe Gehalt an Salz, Fett und vor allem Zucker auf den Körper hat. Die Nährstoffe sind im besten Fall wertlos, im schlimmsten Fall schädlich für den Körper. Industriell hergestelltes Fast Food ist eine kurzfristige Glückserfahrung, die relativ schnell wieder von einem Hungergefühl eingeholt wird.

Erzählen Sie mir mehr über Ihren Selbstversuch.

Ich wollte Fast Food essen, das nicht nur der Umwelt und den Tieren gut tat, sondern auch meinen Fitness-, Labor- und Stimmungswerten. Und das sexy war. Ich wollte zu allen herkömmlichen Zutaten eines Burgers, aber auch zu Pommes, gesunde Alternativen finden oder selbst zubereiten. Angefangen von Saucen wie Ketchup über Burgerbrötchen bis hin zu den Fleischpattys.

Burger schon zum Frühstück – also ehrlich, ich könnte den nicht mal riechen.

Meine Frau meinte zu Beginn: Du hast einen Vogel. Ich gebe zu, dass es schon etwas eigenartig ist, aber ob man sich ein Brötchen oder einen Burger belegt, das macht mit der Zeit nicht so einen Unterschied. Ich wechselte zwischen zwei verschiedenen Arten von Brötchen, zwei Fleischeinlagen und neun Saucen, dazu gab es verschiedene Gemüse- und Früchtesorten. Als Pommes nahm ich fein geschnittene Süsskartoffeln, die ich im Backofen zubereitete. Ab und zu machte ich mir eine Pizza oder einen Kebab.

Wer an Burger denkt, denkt automatisch an Fleisch. Gibt es dazu gesunde Alternativen?

Mit dem Boom von Fleischersatz entstehen unzählige neue Varianten in den Laboren der Lebensmittelhersteller. Sogar Discounter bieten ja inzwischen fleischlose Burger-Bratlinge an. Diese haben für mich als Fast-Food-Fan allerdings alle dasselbe Problem: Sie schmecken fad und werden dementsprechend aufgemotzt. Beim Experiment ging es mir nicht um vegan oder Paleo, das ist mir zu extrem. Ich habe mich darauf konzentriert, was im Stoffwechselprozess passiert, wie man dem Körper Gutes tun und Schlechtes vermeiden kann. Bei meiner Suche spielte Käpt'n Zufall mit: Ich fand einen fleischähnlichen Ersatz in Pulverform, eingefärbt mit rotem Rübensaft sieht das optisch gleich aus wie Burgerfleisch. Ich suchte noch weiter und entdeckte ein Hybridfleisch von einem Start-up: Die Pattys bestehen zur Hälfte aus echtem Bio-Fleisch, und zur anderen aus Pilzen. Ich muss sagen, da merke auch ich als Fast-Food-Experte kaum einen Unterschied. Es gibt sie also, die eierlegende Wollmilchsau. Man muss nur lange genug danach suchen.

Und was ist mit den wabbeligen Weissmehlbrötchen?

Das industriell verarbeitete Weizenmehl ist wertlos. Es erzeugt im Körper nur Stress und tut ihm nichts Gutes. Alle Alternativen sind also besser: biologisches Mehl auf Vollwertbasis, Dinkel-, Amaranth- oder Kamutmehl. Ich habe mir Low-Carb-Brötchen selber gebacken. Es gibt aber auch vorgefertigte Buns, die Sie im Markt kaufen können.

Und Zuckerbombe Ketchup?

Durch diesen Test habe ich angefangen, alle Produkte auf den Zuckergehalt zu analysieren – manchmal trifft mich fast der Schlag, wie viel Zucker in gewissen Produkten ist! Ketchup ist reiner Zucker mit ein bisschen Tomatenmark. Da könnte man den Zucker auch direkt löffeln. Es gibt aber zuckerarmes und sogar zuckerfreies Ketchup auf Rosmarin-Basis: Ich habe solche Produkte gefunden – und auch selber welches zubereitet.

Auf was haben Sie noch geachtet?

Bibliografie 
Cover Buch Fast Food Diät
edition a GmbH

«Fast Food Diät. Gesund und schlank mit Burger, Pizza und Co», Harald Sükar, erschienen bei Edition a, um die 29 Franken. Das Buch zeigt, wie man dank Fast Food mit den richtigen Zutaten ausgewogen essen kann. Dazu liefert es Rezepte zum Nachkochen.

Spurlock hatte sich für seinen McDonald’s-Selbstversuch Regeln auferlegt. Ich brauchte auch welche. Jeden Tag einfach so drauflos zu essen, ging einfach nicht. Ich hatte einen klaren Essrhythmus: Frühstück, Mittag- und Abendessen – mit je mindestens vier Stunden Pause dazwischen. Keine Mahlzeiten nach 17 Uhr. Am Vormittag gab es Grüntee, am Nachmittag Kräutertee, und immer eine halbe Stunde vor dem Burger ein kleines Glas Wasser. Und mindestens 10'000 Schritte täglich. Ich habe das Schloggen entdeckt, eine Lauftechnik, die Schleichen und Joggen kombiniert.

Was hat Ihnen der Selbstversuch gebracht?

Ich habe fast 10 Kilo abgenommen. Ich machte es mit medizinischer Begleitung und einem kompletten Check-up vor und nach dem Experiment. Ich gebe zu, ich war ziemlich nervös, als ich nach 40 Tagen in der Praxis auf die Resultate wartete. Verschlechtert hatte sich gar nichts. Im Gegenteil: Die Blutdruck-, Eisen- und Cholesterinwerte hatten sich verbessert.

Wenn Sie zurückblicken: Welches ist der grösste Unterschied zu früher?

Ich bin viel vitaler und bewege mich wieder gern. Dieser enorme Zuckerkonsum macht Körper und Kopf träge, wie benebelt. Ich bin viel klarer im Kopf und das Leben macht wieder Spass – so wie ich es viele Jahre lang nicht mehr erlebt habe.

Wie ernähren Sie sich heute?

Ich esse kein Fleisch, nur wenn ich eingeladen bin und die Gastgeber das nicht wissen, dann mache ich kein Dogma draus. Ich achte auf gutes, vollwertiges Brot. Ich esse viel Salat und Gemüse, bekommt der Körper keines, schreit er danach. Früher war mein Sehnsuchtsort in der Küche nie der Ofen, sondern immer nur der Kühlschrank. Mittlerweile koche ich viel selber und hätte nie gedacht, dass das so viel Spass machen kann.

Waren Sie mal wieder in einem Fast-Food-Restaurant?

Ich gehe manchmal schon hin, aber ich trinke nur einen schwarzen Kaffee.


Ketchup-Rezept

Ketchup selbergemacht
Selbstgemachtes zuckerfreies Ketchup schmeckt aromatischer als gekauftes und ist viel gesünder.
Bild: Getty Images/EyeEm

ZUTATEN:

Frische Tomaten

Zwiebel

Knoblauch

Chilipulver

Rosmarinpulver

Limettensaft (frisch)

Salz, Pfeffer und Olivenöl

ZUBEREITUNG:

1.     Zwiebel und Knoblauch schälen und klein schneiden. Tomaten klein schneiden (Mittelteil entfernen).

2.     Olivenöl erhitzen und geschnittene Zwiebel und Knoblauch in die Pfanne geben und glasig dünsten.

3.     Tomaten, Rosmarinpulver, Limettensaft, Salz und Pfeffer dazugeben und etwa 15 Minuten köcheln lassen.

4.     Wenn die Tomaten weich genug sind, Topf vom Herd nehmen und mit einem Stabmixer pürieren.

5.     Danach diese Masse durch ein Sieb streichen.


Wie ungesund Fast Food, Take-away und Fertigprodukte wirklich sind, haben wir einen Ernährungsexperten gefragt. Dieses Interview erscheint am Donnerstag, 18. Februar, bei «blue News». 

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