Kiffer am Steuer – auch im nüchternen Zustand ein Problem?

rre

16.1.2020 - 18:00

Glaubt man einer aktuellen Studie, fahren junge Kiffer «anders».
Bild: iStock

Der regelmässige Konsum von Marihuana kann die Fahrtüchtigkeit drastisch einschränken, besagt eine neue Studie. Das sogar, wenn der Stoff nicht mehr im Körper nachzuweisen ist.

Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, die Strasse überqueren, obwohl die Ampel auf rot geschaltet ist – und das alles im nüchternen Zustand? Tönt seltsam, nicht aber, wenn man einer Studie Glauben schenken möchte, die jüngst im Fachjournal «Drug and Alcohol Dependence» erschienen ist.

Im Fokus standen dabei kiffende Jugendliche im Alter ab 16 Jahren, deren Fahrkünste und Gefahreneinschätzung im Strassenverkehr offenbar schwer beeinträchtigt waren.

Im Rahmen ihrer Studie wurden junge Cannabis-Konsumentinnen und -Konsumenten in einem Fahrsimulator beobachtet. Sie gaben zuvor an, mindestens vier- bis fünfmal pro Woche Cannabis zu konsumieren.

Schwerwiegende Fahrfehler

Bereits zwölf Stunden vor dem Praxistest im Simulator liessen die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer die Finger von Marihuana und Co. Mittels eines Urintests wurde bestätigt, dass sich keine psychoaktiven Substanzen, im speziellen THC, mehr im Kreislauf befanden.

Probanden, die bereits vor ihrem 16. Lebensjahr (in den USA darf man bereits ab 16 einen Fahrausweis erwerben) mit dem Cannabis-Konsum begonnen hatten, fielen während des Fahrtests durch schwerwiegende Fehler auf.

Dies, obwohl zum Zeitpunkt des Tests kein THC mehr im Urin nachweisbar war. «Vor dem 16. Lebensjahr ist das Gehirn nicht nur für Cannabis anfälliger, sondern auch für andere Drogen und Alkohol sowie für Krankheiten und Verletzungen», sagt die Forscherin Staci Gruber in einem Interview mit CNN.

Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer, die erst nach ihrem 16. Lebensjahr mit dem Drogenkonsum begonnen hatten, schnitten beim Fahrtest deutlich besser ab, wie die Leiterin des Programms Marihuana Investigations for Neuroscientific Discovery (MIND) vom McLean Hospital, des grössten psychiatrischen Lehrkrankenhaus der Harvard Medical School in Boston (USA), bestätigt.

Früher Konsum problematisch

Weder für die Wissenschaftlerin noch für ihre Studienmitautorin, Mary Kathryn Dahlgren, eine Postdoc-Stipendiatin bei MIND, ist das eine Überraschung: «Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass der frühe Substanzkonsum, einschliesslich der Gebrauch von Cannabis, mit einer schlechteren kognitiven Leistung verbunden ist.»



Besonders beeinträchtigt sei dabei die Funktion des vordersten Teils des Gehirns, der direkt hinter den Augenbrauen liege. Dieses Gehirnareal steuere auch unsere Impulskontrolle und unsere Verhaltensweisen.

Doch was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?  Sind es diese Impulsivitätsunterschiede, die zu frühem Cannabiskonsum motivieren? Ist es der frühe Cannabiskonsum, der die Impulsivität beeinflusst? Antworten auf diese und weitere Fragen erhoffen sich die Forscherinnen durch zukünftigen Studien.

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