«2020 habe ich gelernt, dass nichts selbstverständlich ist»

Aufgezeichnet von Bruno Bötschi

13.12.2020

Activists lit almost 5000 candles to commemorate the people who died of Corona in Switzerland, this Sunday, December 6, 2020, on the Bundesplatz, front of the Federal Palace, in Bern, Switzerland. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Auf dem Bundesplatz in Bern fand am vergangenen Sonntagabend eine Mahnwache für die Menschen statt, die in der Schweiz bisher an Covid-19 gestorben sind.
Bild: Keystone

Mit Zuversicht durch die Corona-Krise: Was gab Ihnen persönlich in den vergangenen Monaten Kraft? Die «blue News»-Redaktion hat bei Schweizer Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft nachgefragt.

Wann können wir endlich wieder Familie, Freund*Innen unbeschwert treffen? Wann müssen wir uns keine Sorgen mehr um unsere Existenz und unsere Gesundheit machen? 

Die Corona-Pandemie ist eine grosse Herausforderung für die Gesellschaft. Kann es gelingen, in solch schwierigen Zeiten zuversichtlich zu bleiben? Und war 2020 wirklich so schlimm, wie es uns gerade erscheint?

Wir haben bei Menschen aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft nachgefragt.


Chris von Rohr: «Musik gibt mir Power und Zuversicht»

«Höchste Zeit für eine Denkpause und Neuorientierung»: Chris von Rohr.
Bild: zVg

«Musik gibt mir immer Power und Zuversicht, auch wenn ich nur für mich selbst spiele. Im Laufe des Lebens habe ich auch gelernt, dass Schlechtes oft Gutes in sich birgt. Der Mensch überzieht seit Jahrzehnten diesem Planeten mit einem Haufen Elend und Müll. Höchste Zeit für eine Denkpause und Neuorientierung.»

Chris von Rohr, Musiker/Autor

Blanca Imboden: «Nichts ist selbstverständlich»

«Es war ein schwieriges, schweres Jahr»: Blanca Imboden.
Bild: zVg

«Ich habe 2020 gelernt: Nichts ist selbstverständlich. Kein winziger Händedruck, keine noch so kleine Reise, kein harmloser Schwatz mit den Nachbarn – nicht einmal Toilettenpapier. Meine latent vorhandenen Existenzängste waren plötzlich begründet. Mühe hatte ich mit der täglich wachsenden Anzahl von Experten und Erwachten, auch in meinem Bekanntenkreis.

Ja, es war ein schwieriges, schweres Jahr. Zumindest für uns verwöhnte Schweizer*Innen. Kraft und Halt gaben mir mein Lieblingsmensch, Spaziergänge in der Natur und das Schreiben.»

Blanca Imboden, Bestsellerautorin


Sina Frei: «Ich möchte nicht jammern»

«Dann kam alles anders»: Sina Frei.
Bild: attentionbuilders

«2020 war ein spezielles Jahr. Noch im Februar dachte ich, dass ich dieses Jahr meine ersten Olympischen Spiele sowie meine erste Weltcup-Saison auf Stufe Elite erleben würde. Und dann kam alles anders.

Aber ich möchte nicht jammern: Im Gegensatz zu vielen anderen blieben ich und mein Umfeld vom Virus verschont, wofür ich sehr dankbar bin. Jetzt hoffe ich, dass bald ein Weg gefunden wird, um die Pandemie zu kontrollieren und um wieder zu einem ‹normalen› Leben zurückzukehren. Denn auf meine sportlichen Ziele freue ich mich immer noch: Ich glaube daran, sie nun 2021 erleben zu können.»

Sina Frei, mehrfache U23-Mountainbike-Weltmeisterin


Patrick «Karpi» Karpiczenko: «Was gibt mir Kraft? Alkohol»

«Ich trinke nicht viel, dafür gern und dauernd»: Patrick «Karpi» Karpiczenko.
Bild: zVg

«Was gibt mir Kraft? Alkohol. Bedingt durch Pandemie, Lockdown und berufliche Ungewissheit habe ich den Zugang und die Freude am Alkohol wiederentdeckt. Am liebsten Rotwein. Ich trinke nicht viel, dafür gern und dauernd. Dank einem konstant soliden Pegel an Rotwein und Schnäpsen kann ich wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Das Jahr war für uns alle eine Herausforderung, aber ein ausreichend starker Rausch degradiert die Sorgen zum Hintergrundgeräusch. Alkohol gibt mir Kraft. Ebenfalls Gras.»

Patrick «Karpi» Karpiczenko, Regisseur/Komiker


Nevin Galmarini: «An Herausforderungen wächst man»

«Ich musste lernen, noch flexibler zu werden»: Nevin Galmarini.
Bild: egelmairphotography

«2020 war ein Jahr, welches vor zwölf Monaten niemand so vorhergesagt hätte. Kreisten meine Gedanken zu Beginn vor allem um mein Comeback, wurde mein Plan relativ rasch über den Haufen geworfen und ich musste lernen, noch flexibler zu werden. Im Training, dass plötzlich zu Hause in der Schweiz anstatt im Gym oder im Ausland stattfand, aber auch im Umgang mit meiner Umgebung.

Gleichzeitig versuchte ich, aber auch das Positive zu sehen. Ich hatte mehr Zeit für mich und meine Familie und musste und konnte im Training kreativ sein. Ich glaube, das hat mich vorangebracht, denn an Herausforderungen wächst man ja bekanntlich.»

Nevin Galmarini, Snowboard-Olympiasieger

Monica Kissling: «Ich wünschte mir mehr Mitgefühl»

«Ich füge mich den Umständen»: Monica Kissling.
Bild: Olivia Sasse

«Die letzten Monate waren für mich weniger schwierig als die Zeit der ersten Corona-Welle. Ich füge mich den Umständen und bin dankbar, gesund zu sein. Sport ist für mein Wohlbefinden sehr wichtig, deshalb bin ich sehr froh, wenn ich mein regelmässiges Schwimm- und Krafttraining absolvieren kann.

Darüber hinaus stärkt mich die Verbundenheit mit vertrauten Menschen. Als belastend erlebe ich hingegen die Schicksale der Menschen, die von Corona direkt betroffen sind, gesundheitlich, psychisch oder existenziell. Ich wünschte mir mehr Mitgefühl für diese Menschen und danke all jenen, die sich für sie einsetzen.»

Monica Kissling, Astrologin

Claudia Lässer: «Es helfen alle mit»

«Daraus schöpfe ich viel Zuversicht»: Claudia Lässer.
Bild: zVg

«2020 hat uns allen einige Grenzen aufgezeigt: ein kompletter Ausfall des Fussballspielbetriebs im Frühling und aktuell diverse kurzfristige Absagen einzelner Partien.

Einmal mehr bin ich unglaublich stolz darauf, mit einem so gut funktionierenden Team arbeiten zu dürfen. Die derzeitige Situation zeigt auf, wie gut wir als Team agieren und wie resilient wir als Mannschaft sind.

Es helfen alle mit, gemeinsam einen guten Umgang mit der Situation zu finden, sodass wir unseren Zuschauer*Innen doch den gewohnt hochwertigen redaktionellen Service bieten können. Daraus schöpfe ich eine unglaubliche Kraft und viel Zuversicht – und hoffe auf ein planbareres 2021.»

Claudia Lässer, Chief Product Officer Sports und News/Mitglied der Geschäftsleitung, Blue Entertainment Programm AG

Rudi Bindella sen.: «Wir werden das gemeinsam meistern»

«Wir spüren einen starken Zusammenhalt»: Rudi Bindella sen.
Bild: zVg

«Die Corona-Zeit stellt uns in der Gastronomie vor ernste Herausforderungen. Kraft und Zuversicht schenken uns die vielen treuen Gäste, die uns weiterhin besuchen, und unsere loyalen Mitarbeitenden, die jeden Tag ihr Bestes geben, weil wir diese Prüfung gemeinsam meistern wollen – und werden. In der Unternehmung spüren wir einen starken Zusammenhalt aller Beteiligten.»

Rudi Bindella sen., Bindella Unternehmungen

Alain Huber: «Die grosse Solidarität macht Mut»

«Viele Menschen leben sehr zurückgezogen»: Alain Huber.
Bild: zVg

«Corona hat die Schweiz seit zehn Monaten im Griff. Das ist eine grosse Herausforderung für alle – auch für Pro Senectute, die in allen Landesteilen den älteren Menschen und ihren Angehörigen zur Seite steht. Viele Menschen leben sehr zurückgezogen, um sich zu schützen. Gerade jetzt, im Advent und in der oft schwierigen Winterzeit, sind wir alle gefordert, an sie zu denken, bei ihnen anzurufen, nachzufragen, wie es geht oder ob man etwas für sie erledigen darf.

Wir erfahren tagtäglich, dass sich viele Menschen in der Schweiz Gedanken machen, wie sie den Kontakt in der Familie und über alle Generationen hinweg aufrechterhalten können. Überhaupt haben wir in dieser Krisenzeit eine grosse Solidarität erfahren dürfen, die Mut macht. Diese Solidarität wird in den kommenden Monaten nebst grosser Disziplin bei den Hygiene- und Verhaltensregeln ausserordentlich wichtig bleiben.»

Alain Huber, Direktor ProSenectute Schweiz

Ueli Baruffol: «Ein gelungener Stresstest»

«Mehr bewusster und nachhaltiger Konsum – erfreulich»: Ueli Baruffol.
Bild: zVg

«Starke Teams, gute Kommunikation, nachhaltiger Konsum. Das gab mir Kraft und Zuversicht. Wir arbeiten täglich mit Partnern in Indien, Georgien, Kolumbien und weiteren Ländern. Es war unglaublich erfrischend und motivierend, zu erleben, wie sich die Teams in Zürich wie auch bei unseren Partnern in den erwähnten Ländern dynamisch und pragmatisch auf die neue Situation eingestellt haben, zusammengerückt sind und sich mit viel Energie auf das Geschäft fokussiert haben.

Das braucht echte Verbundenheit und viel Arbeitsfreude. Ein gelungener Stresstest. Die erzwungene Entschleunigung hat zu mehr bewusstem und nachhaltigerem Konsum geführt, mit viel Bio und Fairtrade drin. Diesbezüglich eine erfreuliche Entwicklung.»

Ueli Baruffol, Gründer von Pakka

Frank Richter: «Die Leute zum Lachen bringen»

Photo: Andrea Monica Hug
«Das Jahr war für viele meiner Freunde eine absolute Katastrophe»: Frank Richter.
Bild: Andrea Monica Hug

«Viele meiner Freunde sind freischaffende Künstler. Das Jahr war für sie eine absolute Katastrophe. Was mich jedoch extrem gefreut hat, ist, wie Corona ihre Kreativität beflügelte. Es entstanden neue Digitalformate, Comedy-Routinen, Podcasts oder Gemälde, in die Masken integriert waren. Mein künstlerisches Umfeld möchte trotz der horrenden Zeit die Leute zum Lachen bringen und Optimismus verbreiten. Bei mir hat es geklappt.»

Frank Richter, Comedian und Moderator


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