Emoji-Nutzer sind die wahren Stars – darum braucht Autor Martin Suter keine

Jennifer Furer

17.7.2020 - 10:57

Menschen, die Emojis benutzten, sind sympathischer, sagt eine Studie. Bestsellerautor Martin Suter ist einer der wenigen, der darauf verzichten darf und dennoch einnehmend ist.
Bildcollage: Keystone/Getty Images

Heute Freitag feiern wir den Welt-Emoji-Tag. Die Smileys sind kaum mehr wegzudenken. Obwohl einige sie gekonnt verdrängen. Das ist uncool. Die Gründe – und was Bestsellerautor Martin Suter damit zu tun hat.

«Hallo, danke für deine Mitteilung. Ich habe mich darüber gefreut. Lass uns mal wieder treffen. LG.»

Eine Textnachricht, kurz, knapp, auf den Punkt. Oder: Ein monotones Einheitsgebrabbel, das in mir weder ein Lächeln noch sonst eine emotionale Regung weckt. Sie ist kalt, distanziert, ohne jede Emotionen. 

Eine Nachricht, die ich sogar meinem Ex-Chef ... na gut, nein ..., mein Cousin schreiben würde. Mit dem bin ich nicht wirklich auf einer Wellenlänge. Aber man ist eben höflich. Man weiss schliesslich nie, wo und wann man sich nochmals begegnet.

Und das ist eben genau der Punkt: Textmitteilungen ohne Emotionen sind höflich und nett. Mehr auch nicht. Sie sagen aus, was sie aussagen wollen. Ja gut. Aber muss unser schriftlicher Austausch wirklich nur das Minimalste aus einer digitalen zwischenmenschlichen Begegnung herausholen?

Wichtige Funktion von Emotionen

Ich finde nicht. Klar, manchmal schon, wie bei meinem Cousin, aber nicht im Grundsatz. Die zwischenmenschliche Kommunikation lebt von Emotionen. Und sie lässt uns das, was unser Gegenüber sagt, besser einordnen. Auch eine Studie belegt: Emoji-Nutzer werden als sympathischer wahrgenommen.

Stellt euch mal vor: Ihr sprecht mit einer Person und die zuckt nicht einmal mit der Wimper. Geblinzelt wird nur im Ausnahmefall. Und die Lippen öffnen und schliessen sich nur, weil es das Sprechen verlangt. Unangenehm, nicht?

Quiz
Kennst du die Bedeutung dieser Emojis?

Viel eher fühlt man sich in den Bann gezogen, wenn eine Person lacht, lebhaft erzählt, auch mal ein Zwinkern in den Satz einbaut. Bereits im Kindesalter lernen wir, eine Beziehung zu unserem Gegenüber aufgrund der Emotionen aufzubauen, einzuschätzen und zu erleben. Das ist essenziell für unsere Sozialisation, unsere Entwicklung und unser Verhalten.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der wir immer mehr mit Menschen digital kommunizieren. Jetzt, im Zuge der Coronakrise und mit der steigenden Bedeutung von Homeoffice umso mehr.

Dabei sollten wir uns einer Sache bewusst sein und bleiben: Auch in der digitalen Kommunikation können und sollen Emotionen vermittelt werden, weil sie ein Teil des Menschen sind – und in unserer alltäglichen, überwiegend digitalen Kommunikation nicht untergehen dürfen. Deshalb hat ein gescheiter Mensch Emojis erfunden. 

Emoji-Nutzer sind sympathischer

Trotz der wichtigen Funktion von Emotionen in der Kommunikation gibt es immer noch Menschen, die sich ihrer affektiven digitalen Offenbarung strikt verweigern und keine Emojis verwenden – sei es, weil sie es cool finden, als emotionsloser Sack wahrgenommen zu werden, weil sie es schlicht vergessen oder weil sie endlich die vollständige Kontrolle über ihre Emotionen haben – und diese gezielt einsetzen wollen. 

Heute Freitag ist Welt-Emoji-Tag. Dieser fiel auf den 17. Juli, weil das Kalender-Emoji 📅 den 17. Juli zeigt.
Bild: Keystone

Einige, das muss man auch erwähnen, schaffen es aber auch ganz ohne Emoji, durch ihre liebevolle und blumige Schreibe Emotionen zu wecken. Man stelle sich bloss vor, wenn der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter plötzlich all seine Bücher mit Emojis versehen würde. Aber nicht jeder ist ein Martin Suter, auch wenn das viele von sich zu behaupten scheinen. 😉

Da wir aber immer vom Guten im Menschen ausgehen sollten, liegt die Emoji-Verweigerung sicherlich darin, dass viele ihre Bedeutung nicht kennen. Und wer will schon, dass sein Ex-Arbeitskollege bei einem 😜 denkt, man flirte mit ihm. 

Kennen Sie die Bedeutung der Emojis? Beweisen Sie es im obigen Quiz.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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