Kolumne am Mittag Greta und der hundertwöchige Schulstreik

Von Gil Bieler

15.7.2020

Greta Thunberg 2019 bei einer Klimademonstration vor dem UNO-Sitz in New York.
Greta Thunberg 2019 bei einer Klimademonstration vor dem UNO-Sitz in New York.
Bild: Keystone

Vor lauter Coronavirus ist Greta Thunbergs Kampf gegen den Klimawandel völlig an den Rand gedrängt worden. Oder wissen Sie, was die junge Schwedin gerade tut?

«Freitags ist sie nie da», sangen die Fantastischen Vier in einem ihrer grössten Hits. Davon können auch die Schulkameradinnen- und kameraden von Greta Thunberg ein Lied singen: An einem Freitag im August 2018 stellte sich die damals 15-Jährige erstmals vor das Parlament in Stockholm, statt die Schulbank zu drücken. Ihre Mission: «Skolstrejk för Klimatet», wie auf einem Kartonschildli stand. Schulstreik fürs Klima.

Im Jahr darauf war der Teenager auf allen Kanälen präsent, setzte die Schule gleich komplett aus. Doch dann kamen 2020 und die Coronakrise. Der Klimaschutz wurde in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit zurückgedrängt, zeitweilig noch von Wirtschaftssorgen und der Rassismusdebatte überschattet. Oder wissen Sie noch, wann Sie zuletzt etwas über Greta gelesen haben?

Viel weniger Aufmerksamkeit, viel weniger Applaus für Greta. Kritiker mögen Grund zur Häme erkennen, doch die ist sie sich gewohnt. Ja, sogar mit Morddrohungen mussten sie und ihre Familie zu leben lernen. Bitte verinnerlichen: Todesdrohungen gegen eine 17-Jährige! Als sie durch Nordamerika reiste, war mancherorts Polizeischutz nötig. Heftig.

Ihr Durchhaltewille verdient Anerkennung

Doch entmutigen lässt sich Greta nicht, den Mund verbieten schon gar nicht. Auf den sozialen Medien unterstützt sie auch den Kampf gegen Rassismus dezidiert. Und jeden Freitag postet sie ein Foto mit Protestschild: Diese Woche geht ihr «Skolstrejk för Klimatet» in die 100. Woche. Man mag vom ihrem Aktivismus halten, was man will, aber dieser Durchhaltewille verdient Anerkennung.

Ihr gehe es nicht um Ruhm, hat Greta schon zigfach klargestellt, sondern um die Sache. Und man ist geneigt, ihr das zu glauben. Erst kürzlich schrieb sie auf Instagram: «Die Tatsache, dass die Verantwortung, die Klima- und Umweltkrise anzusprechen, auf mich und andere Kinder fällt, sollte als das angesehen werden, was es ist: Ein Versagen, das jegliche Vorstellungskraft sprengt.»

Im kommenden August kehrt sie wieder in die Schule zurück. In einem Interview mit BBC Radio erklärte sie: Sie freue sich darauf, wieder ein normaler Teenager zu sein, sich weiterzubilden. Doch seien diese Zeiten nicht normal, und sie wisse nicht, was ihre Zukunft für sie bereithalte. Mal schauen, was sie in den nächsten 100 Wochen noch alles erreicht.

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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