Höchste Zeit – jetzt sind Ihre Fragen dran

Mark Salvisberg

24.11.2020 - 23:33

Rear view of a businessman raising his hand to ask the question on a seminar with large group of his colleagues. Focus is on hand.
Heute ist Leser*innen-Tag: Ihre Fragen werden beantwortet.
Bild: Getty Images

Diesmal bekommen Sie, liebe Leserinnen und Leser, direkte Antworten auf Ihre Zuschriften. Der Sprachpfleger hat sich die häufigsten Anliegen herausgepickt.

Vielen Dank für Ihre E-Mails; sie sind Teil der Ideenbasis dieser Kolumne. Ich werde nun gern auf einige Ihrer häufigsten Fragen eingehen.

Frage: Sie haben geschrieben Ich persönlich mache das so, aber Ich mache das so genügt völlig, nicht wahr?

Antwort: Sie haben recht: Es war unnötig, ich persönlich zu schreiben, ich hätte genügt. Sie haben übrigens geschrieben das genügt völlig. Das genügt hätte ja auch gereicht ...

Man kann die Sprache auf das für die Verständigung notwendige Minimum beschränken. Das wäre aber eine trockene Angelegenheit. Ohne die steuernden, Wohlgefühl vermittelnden kleinen Adverbien wie so, zwar, auch, halt, eben, nämlich et cetera sowie die auf den ersten Blick überflüssigen erscheinenden Verstärker oder Konjunktivformen wäre unsere Sprache allzu hart.

Doch es stimmt: Zuerst lerne man die Regeln (= vermeiden von Blabla), dann kann man dazu übergehen, sie punktuell zu brechen. Häufig liest man Ich möchte mich dafür bedanken. Auch da könnte man schreiben: Ich bedanke mich dafür. Das klingt aber nicht so nett und geschmeidig, sondern eher steif und allzu sprachökonomisch. Das möchte macht das persönliche Anliegen des Danken-Wollens deutlich.

Frage: Wie steht es mit der Grossschreibung nach undefinierten Mengenangaben wie nichts, viel, alles, etwas? Alles Gute/gute? Viel Schönes/schönes?

Antwort: Die Wörter in Ihren Beispielen sind grosszuschreiben, weil sie auf Pronomen bzw. Zahladjektive wie etwas/nichts/einiges/viel/alles folgen. Die Ausnahme und deshalb klein: etwas/nichts/viel anderes. Im Gegensatz dazu haben Sie bei einigen Adjektiven, die auf eine Präposition folgen, die Wahl. Es sind dies: seit kurzem/Kurzem, vor längerem/Längerem, von nahem/Nahem, mit weiterem/Weiterem, ohne weiteres/Weiteres. Immer gross schreibt man nach einem Artikel: das Weitere. Der Artikel kann auch versteckt sein: im (= in dem) Weiteren. Ebenfalls immer gross: Sie kam ganz in Rot; mit Englisch hat sie keine Probleme.

Frage: Es fällt mir immer wieder auf, wie viele Leute als und wie verwechseln, zum Beispiel: Ich komme so schnell als möglich oder Er ist grösser wie ich.

Antwort: Als Grundregel gilt hier: Bei Gleichrangigkeit heisst es wie, bei Ungleichheit als: Sie ist ebenso clever wie er. Es ist so gelaufen, wie wir geplant hatten. Er hat mehr Geld als ich. Wir waren schneller dort, als wir gehofft hatten. Bei festen Wendungen (siehe Frage) kann es aber auch einmal lauten: Ich komme so schnell als möglich (neben: ... wie möglich).

Frage: Ich bin immer verunsichert, wann man morgen gross und wann klein schreibt. Dasselbe gilt für daheim/Daheim ...

Antwort: Wenn mit morgen der folgende Tag oder die Zukunft gemeint ist, gilt Kleinschreibung: Ich gehe morgen ins Museum. Dieses «kleine» morgen wird hin und wieder nominalisiert: Er arbeitete, als gäbe es kein Morgen. Jedoch klein: Wasserstoff ist die Energie für das Auto von morgen. Handelt es sich um den Vormittag, wird grossgeschrieben: Heute Morgen ist es besonders kühl, gestern Morgen habe ich lang geschlafen.

Bei daheim/Daheim verhält es sich wie mit zuhause/Zuhause: Kann man sich einen Artikel oder ein Pronomen davor denken, wird grossgeschrieben: Unser Daheim / unser Zuhause ist sehr behaglich; das/dieses Daheim/Zuhause kostet drei Millionen. Geht es um das wo, heisst es daheim: Schön, wieder daheim/zuhause (oder: zu Hause) zu sein.

Frage: Mich stört folgender Ausdruck: «Beim Discounter XY kostet ein Artikel 5-mal weniger.» Wenn ein Artikel bei einem Detailhändler 10 Franken kostet, würde dies bedeuten, dass er beim Discounter XY fünfmal 10 Franken weniger kostet, der Kunde also 40 Franken bekommt! Korrekt wäre doch, dass der Artikel nur 20 %, das heisst einen Fünftel kostet. Was ist Ihre Meinung?

Antwort: Sie haben recht. Aber eigentlich wissen wir alle: Mit dieser umgangssprachlichen Aussage ist gemeint, dass der Artikel 2 statt 10 Franken kostet. – Trotzdem sind ausschliesslich Ihre Lösungen rechnerisch einwandfrei.

Dasselbe gilt für mehr: Im Webshop A kostet ein Artikel 10 Franken. Im Webshop B kostet er «dreimal mehr». Auch hier will der Verfasser sagen, dass der Artikel im Webshop B 30 Franken kostet. Rein rechnerisch ist das auch hier falsch. Bei «dreimal mehr» sind es die 10 Franken plus das Dreifache davon, also total 40 Franken. Deshalb schreibt man mit Vorteil: ... kostet das Dreifache oder drei Mal so viel.

Damit ich hier nicht auch das Dreifache meiner gewohnten Zeilenzahl produziere, mache ich hier einen Punkt. Die zweite Welle der meistgenannten Fragen und Antworten folgt im Januar.

Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute täglich journalistische Texte bei einer Tageszeitung.


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