Junge Frauen haben grosses Risiko für Geschlechtskrankheiten

DPA/jka

11.1.2020 - 00:00

Sexuell übertragbare Krankheiten sind häufig alles andere als ungefährlich. Während bakterielle Infektionen in der Regel mit Antibiotika behandelt werden können, muss man bei viralen auf Prävention setzen. 

Schon über Sex sprechen viele nicht gerne – und über sexuell übertragbare Krankheiten erst recht nicht. Wer gibt schon gerne zu, dass er sich bei einem One-Night-Stand infiziert hat? Doch die Mikroorganismen können zur Ehrlichkeit zwingen, denn viele der Krankheiten sind keinesfalls harmlos.

Die wichtigste Regel dabei: Kondome schützen – zwar nicht in jedem Fall und vor jeder Infektion, aber doch besser als andere Methoden. Darüber hinaus kann es nicht schaden, die wichtigsten Risiken und Anzeichen für sexuell übertragbare Krankheiten wenigstens zu kennen.

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Mit Antibiotika gegen Chlamydien

Die weltweit häufigste sexuell übertragbare Infektion wird durch Chlamydien verursacht. Wenn die Bakterien im Genitalbereich genügend Zeit zur Vermehrung hatten, kommt es zu weisslichem Ausfluss aus den Geschlechtsorganen und zu äusserst schmerzhaftem Dauerjucken, oft kombiniert mit Schmerzen beim Urinieren.

«Für den Erwerb von Chlamydien-Infektionen haben junge Frauen ein besonders grosses Risiko», erklärt Viviane Bremer aus der Abteilung für Infektionsepidemiologie des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Unbehandelt kann die Infektion sogar zur Unfruchtbarkeit führen, wenn sich die Eileiter entzünden und verkleben.

In der Regel wird eine Chlamydien-Infektion mit Antibiotika behandelt. Betroffene gehen zum Arzt und vermeiden Sexualkontakt, bis die Symptome verschwunden sind. Wichtig dabei: Der Partner, bei dem man sich angesteckt hat, sollte sich unbedingt mit behandeln lassen. Ansonsten droht der Ping-Pong-Effekt – also eine Rückinfektion beim ersten Sex nach der Behandlung.

Krebsgefahr HPV

«Junge Frauen haben ausserdem ein hohes Risiko, sich mit Humanen Papillomviren (HPV) zu infizieren», sagt Viviane Bremer. Diese Warzenviren-Infektion ist die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs, heilt aber in den meisten Fällen von alleine aus.

Nur in seltenen Fällen kann sich der Krebs entwickeln – tückischerweise oft Jahre oder gar Jahrzehnte nach der Infektion. Deutlich senken lässt sich das Erkrankungsrisiko durch die HPV-Impfung. Diese empfiehlt die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) inzwischen nicht nur für Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren, sondern auch für gleichaltrige Jungen.

Neben der Chlamydien-Infektion und HPV sind Gonorrhoe und Syphilis häufige bakterielle Erkrankungen. Syphilis ist besonders heimtückisch, weil die anfänglichen Genitalgeschwüre nach circa vier Wochen abheilen, der Patient aber keineswegs gesund ist. Generell kommen bei solchen Infektionen Antibiotika zum Einsatz.

Kein Mittel gegen Viren

In wiederum anderen Fällen ist eine Behandlung dagegen deutlich schwieriger – oder gar unmöglich. Virale Geschlechtskrankheiten sind Aids und Herpes im Genitalbereich. Herpes-Viren werden meist beim Oralverkehr durch ein aufgeplatztes Lippenbläschen übertragen. Eine Heilung gibt es bisher nicht, auch wenn die Forschung erste ermutigende Teilerfolge aufweist.

Auch bei der HIV-Infektion ist in naher Zukunft nicht an eine Heilung zu denken. Ziel ist vielmehr die weltweite Bekämpfung der Aids-Erkrankung. «Die 90-90-90-Strategie besagt, dass bis zum Jahr 2020 90 Prozent aller Menschen mit HIV ihren Status kennen sollen, mindestens 90 Prozent davon Zugang zu Medikamenten haben sollen und mindestens 90 Prozent davon erfolgreich behandelt werden», erklärt Prof. Jürgen Rockstroh, Leiter der Ambulanz für Infektiologie und Immunologie des Universitätsklinikums in Bonn.

Vorbeugen statt therapieren

«Erfolgreich behandelt» heisst in diesem Fall aber nicht, komplett virusfrei zu sein, sondern eine möglichst geringe HIV-Last im Blut zu haben. Wichtig ist das vor allem für Risikopatienten: «Männer, die Sex mit Männern haben, stellen eine stark von HIV und anderen sexuell übertragenen Infektionen betroffene Bevölkerungsgruppe dar», sagt Viviane Bremer.

Vor allem für solche Patienten gibt es die HIV-Vorsorge PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe). Während die Kosten für die vorbeugenden Arzneimittel in Deutschland neuerdings von den Krankenkassen übernommen werden, kosten sie in der Schweiz in der Regel 900 Franken. Doch seit letztem Herbst gibt es auch hierzulande die Möglichkeit, PrEP deutlich billiger – nämlich für 40 Franken – zu erwerben. Dafür müssen Anwender an einem Programm des Präventionsprojekts Swiss PrEPared teilnehmen, das medizinische Betreuung sowie eine Studienteilnahme beinhaltet.

Infos aus dem Netz

Für Fragen rund um das Thema Sex und Krankheiten ist primär der Arzt die richtige Ansprechperson – auch wenn das Gespräch vielleicht schwerfällt. Eine anonyme Alternative, die den Arztbesuch jedoch in keinem Fall ersetzt, ist die Online-Recherche. Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zu Geschlechtskrankheiten finden sich etwa auf «lovelife.ch», einem Portal des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

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