«Thriller» – als Michael Jackson die Welt das Fürchten lehrte

Bruno Bötschi

3.8.2020 - 10:59

1984 lief das Musikvideo «Thriller» von Pop-Ikone Michael Jackson zum ersten Mal im Schweizer Fernsehen. Ein Fernsehereignis der Superlative, das weltweit Grusel auslöste – auch beim Kolumnisten.

Ein Samstagabend im Januar 1984, kurz nach 18 Uhr: Zusammen mit meinem Bruder sitze ich in der elterlichen Stube vor der Flimmerkiste. Er 19, ich 16. Im Schweizer Farbfernsehen läuft die «Tiparade». Moderator Bruno Bieri präsentierte die besten Musikvideos – wie jede Woche.

Doch an diesem Abend ist alles anders. An diesem Abend vor 36 Jahren warteten mein Bruder und ich auf ein Fernsehereignis der Superlative.

Ein 13 Minuten und 43 Sekunden langes Meisterwerk ist angekündigt. Ein Meilenstein des Genres, ein echtes «Grusical»: Michael Jacksons «Thriller».

Nur ein Schnaufen ist zu hören

Keine Stimme, keine Gitarre, kein Schlagzeug: Am Anfang des Videos ist nur ein nervöses, angsteinflössendes Schnaufen zu hören und das Pfeifen des Windes. Vier Minuten und 43 Sekunden lang singt Jackson keinen einzigen Ton; stattdessen wird eine Horror-Komödie in Kurzform erzählt.

«Thriller» ist bis heute noch so unterhaltsam und Gänsehaut erzeugend wie damals, als ich bei der Erstausstrahlung mit meinem Bruder vor dem Fernseher sass und, ich gebe es zu, mich heftig gruselte.

Das Musikvideo basierte auf dem US-amerikanischen Horrorfilm «American Werewolf» aus dem Jahr 1981, bei dem John Landis Regie geführt hatte. Jackson, der 2009 gestorben ist, soll total fasziniert gewesen sein von dem Film. Deshalb wollte er Landis unbedingt als Regisseur für sein «Thriller»-Projekt gewinnen.

Pop- und Musikwelt gleichermassen verblüfft

Der «Thriller»-Dreh mit unzähligen Statisten, aufwendigen Bauten und unglaublichen Spezialeffekten soll rekordverdächtige 500’000 Dollar gekostet haben. Jackson und Landis setzten Massstäbe, die die Pop- und Filmwelt gleichermassen verblüfften – bis heute.

Vor zwei Jahren schrieb der deutsche Radiomoderator Adrian Beric folgende Ode: «Das Stilmittel des Videoclips steht (...) noch völlig am Anfang – aber Jackson setzt mit seinen Ideen Massstäbe, die bis heute gelten. Die Tanzszenen zeigen Choreografien, die man bis dahin noch nicht gesehen hatte. Jackson ist ein Naturereignis.»

Das Naturereignis «Thriller» war in vielerlei Hinsicht spektakulär: So dauerte etwa Jacksons Verwandlung in einen Werwolf bei den Dreharbeiten täglich fünf Stunden. Und die Special Effects von Rick Baker verblüfften dermassen, dass es einen Oscar dafür gab.

Feiert heute seinen 70. Geburtstag: John Landis.
Bild: Getty Images

Um die hohen Produktionskosten zu kompensieren, hatte Landis zudem die Idee, zeitgleich ein «Making of Thriller» zu drehen – eine länger Version samt Blick hinter die Kulissen, und diese als Videokassette zu verkaufen. Es funktionierte: Das Tape schlug alle Verkaufsrekorde.

Der Musiksender MTV zeigte in den Wochen nach der Erstausstrahlung den «Thriller»-Clip manchmal sogar zweimal pro Stunde, um die riesige Nachfrage bewerkstelligen zu können.

Und so verwundert es nicht, dass das Album «Thriller» von Michael Jackson bis heute ein einziger Superlativ ist. Es ist nach wie vor bestverkaufte Platte der Geschichte. 80 Wochen war sie in den Top Ten der US-Charts, 37 davon auf Platz 1. In der Schweiz allerdings kletterte das Album «nur» bis auf Rang 4 hoch, blieb aber während 53 Wochen in der Hitparade rangiert.

Ach ja – und für alle Lesenden, die sich fragen, warum ich diese Geschichte gerade heute erzähle: Regisseur John Landis feiert heute seinen 70. Geburtstag. Happy Birthday!

Regelmässig gibt es werktags um 11:30 Uhr und manchmal auch erst um 12 Uhr bei «Bluewin» die Kolumne am Mittag – es dreht sich um bekannte Persönlichkeiten, mitunter auch um unbekannte – und manchmal wird sich auch ein Sternchen finden.

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