Urs Brändli: «Stich ins Herz!»

Von Bruno Bötschi

19.6.2021

«Wenn die Mehrheit dagegen ist, dann wird das mir richtig Erscheinende nicht lange Bestand haben»: Urs Brändli.
Bild: zVg

Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten? Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel? Heute stellen wir unsere Fragen Urs Brändli, Landwirt und Präsident von Bio Suisse.

Von Bruno Bötschi

19.6.2021

Jeden Sonntag stellt «blue News» einem bekannten Menschen aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik 22 Fragen, um zu erfahren, was sie oder er am Wochenende tut oder lässt – und was der schönste Moment in den vergangenen sieben Tagen war.

Heutiger Gast ist Urs Brändli. Er ist seit zehn Jahren Präsident von Bio Suisse, dem Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe. Zudem hilft er seinem Sohn Leon bei der Bewirtschaftung des Gibelhof in Goldingen SG, der seit 1985 in Familienbesitz ist.

1. Urs Brändli, was bedeutet Wochenende für Sie – in einem Wort?

Familienzeit – auch wenn auf einem Bauernhof mit Milchkühen trotzdem jemand am Morgen und Abend die Stallarbeit besorgen muss. Dieser Jemand ist heute aber meistens unser Sohn, welcher den Betrieb führt.

2. Was war der schönste Moment in den vergangenen Wochen?

Ganz klar: Als unser Sohn am Mittwochmorgen vom Geburtshaus zurückkehrte und verkündete, dass in der Nacht unser drittes Enkelkind das Licht der Welt erblickt habe. Und dass Mutter und Kind wohlauf seien. Auf Englisch gibt’s den Spruch: You love your children, but you're in love with your grandchildren – stimmt voll und ganz!

3. Wenn Sie Macht hätten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, würden Sie es befehlen gegen den Widerspruch der Mehrheit?

Wenn die Mehrheit dagegen ist, dann wird das mir richtig Erscheinende nicht lange Bestand haben. Ich würde die Macht nutzen, einen gemeinsamen Weg zu finden, welcher (hoffentlich) auch mir richtig erscheint.

4. Was steht jeden Samstag auf Ihrem Einkaufszettel?

Ein Bio-Butterzopf. Aber das Einkaufen besorgt meine Frau – gern und sehr gut!

5. Bei welcher Modedesignerin, bei welchem Modedesigner lassen Sie Ihr Geld?

Mode bedeutet mir herzlich wenig. Was nicht heisst, dass ich mich nicht gern angemessen kleide. Meine Frau ist auch meine Modeberaterin. Wohl auch in ihrem eigenen Interesse, damit ich eine gute Falle mache.



6. Mit wem würden Sie gern einmal zu Abend essen? Die Person darf auch bereits tot sein.

Mit Jacinda Ardern, der Premierministerin von Neuseeland! Ihre Rede vor der Uno-Vollversammlung 2019 geht unter die Haut. Zugleich führt sie ihr Land mit viel Geschick und Empathie.

7. Wer ist der beste James-Bond-Darsteller? Und warum?

Sir Sean Connery, welcher in späteren Filmen immer besser wurde. Ein Gentleman mit Schalk und dem trockenen britischen Humor. Einige Filme, zum Beispiel «The Rock» oder «Entrapment», würde ich auch ein x-tes Mal wieder schauen.

8. Welche TV-Serie schauen Sie gerade?

Die letzte schaute ich vor Jahren: «Madam Secretary». Dieser könnte ich wohl auch heute kaum widerstehen. Aber mir fehlt die Zeit und Lust nach Serienschauen.

9. Welches Konzert haben Sie zuletzt besucht?

Stich ins Herz! Corona lässt mich nicht mehr an Konzerte gehen. Wir besuchten so viele, keine Ahnung, welches das letzte war. Aber allein zwei Jahre ohne «Blues’n’Jazz» in Rapperswil, das schmerzt.

10. Bei welchem Song lassen Sie sofort alles stehen und liegen und stürmen die Tanzfläche?

Wenn es rockig wird, gern gemischt mit Blues oder Funk. Auch viele alte Rock-Hits bringen mich in Bewegung. Den einen Song, den gibt es nicht für mich.

11. Wie lange bleiben Sie am Sonntag im Bett, nachdem Sie aufgewacht sind?

Nicht wirklich lange, denn ich freue mich aufs Frühstück und die Zeitung.

12. Frühstück im Bett – ja oder nein?

Nein danke, finde ich unbequem. Und wie lese ich die Zeitung gleichzeitig?

13. Wann sind Sie zuletzt in ein Gotteshaus gegangen?

Bei einer Beerdigung vor ein paar Wochen. Der Sternenhimmel ist mein Kirchendach. Wer da länger hinaufschaut, beurteilt seine eigene Wichtigkeit neu.

14. Welchen Gegenstand brauchen Sie am Wochenende am meisten?

Den bequemen Stubensessel. Um weiterzulesen, zu dösen oder einen Sportevent im Fernsehen zu verfolgen.



15. Gibt es ein Ritual, das Sie jeden Sonntag pflegen?

Nur fast jeden Sonntag. Einen ausgedehnten Spaziergang mit meiner Frau – manchmal (gern endlich wieder!) verbunden mit einem Mittagessen irgendwo unterwegs.

16. Freiburger Fondue Moitié-Moitié oder Tessiner Risotto?

Die beiden Käsesorten für das Moitié-Moitié haben wir während meines Alpsommers im «Gruyère» fabriziert. Das ist genau 40 Jahre (!) her.

17. Das beste Fortbewegungsmittel, das Sie je besessen haben?

Das waren immer Zweiräder. Vom schnellsten Töffli über viele ausgediente 125-er auf dem Hof, bis zur TDM 850, welche ich seit 20 Jahren besitze, aber immer weniger oft bewege – leider.

18. Locarno oder Lugano?

Die Region um Locarna-Ascona. Meine Frau und ich haben dort schon viele Ferientage verbracht. Und es werden bestimmt noch mehr.

19. Wenn Sie das Wort Romandie hören: Woran denken Sie?

An eine unvergessliche Zeit! Ich habe meine beiden Lehrjahre zum Bauer im Waadtland und nahe dem Lac de la Gruyère absolviert. Und anschliessend der unvergessliche Sommer auf der Alp, direkt oberhalb der Chartreuse la Valsainte bei Charmey FR. Am liebsten wäre ich gleich dort geblieben. Das Savoir-vivre der Romands gefiel mir sehr – und beeindruckt mich noch heute immer wieder.

20. Was tun Sie am Wochenende zu wenig?

Ich wüsste nicht was, für mich stimmt's. Und jene Leute, welche Erwartungen an mich stellen dürfen, die lassen mich das auch wissen.

21. Welches hartnäckige Gerücht über Sie ist schlichtweg nicht wahr?

Solange die Leute über dich reden, lebst du und bist aktiv. Gerüchte und Räubergeschichten gehören dazu, aber hartnäckig hat sich kaum etwas gehalten – soweit ich weiss …

22. Ihr Lieblingswitz?

Die Ehefrau liegt auf dem Sterbebett. Sie sagt zu ihrem Mann: «Sepp, du bist noch nicht zu alt. Du sollst wissen, dass ich nichts dagegen habe, wenn du nochmals heiraten willst.» Antwort Sepp: «Nein, das werde ich nicht tun. Weisst du – eine bessere Frau als dich finde ich nicht mehr – und eine gleiche will ich nicht mehr …»

Urs Brändli füllte den Fragebogen schriftlich aus.

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