Martin Olomi – der Mann, der Sneakers noch hübscher macht

1.9.2019 - 08:27, Almut Kipp, dpa

Eine rote Rose, ein Camouflage-Design oder ein Lieblingstier: Kunsthandwerker Martin Olomi hat schon manchen Sneaker aufgehübscht. Und liegt damit offensichtlich im Trend.

Fussballer tragen sie, Rapper sowieso, aber auch die Laufkundschaft: Für einen Sneaker, aufgehübscht mit Logos, Schriftzügen, Comic- oder Serienhelden, Lieblingsblumen oder -tieren, legen sie bereitwillig mehrere hundert Euro hin.

Schliesslich soll der stylische Turnschuh, von den Herstellern Custom (Spezialanfertigung) genannt, den Fuss schmücken und ein Hingucker sein: «Hey, ich hab' was Besonderes am Fuss», sagt Martin Olomi.

Der Kunsthandwerker steht in seinem Laden «Unique Pieces» im Hamburger Stadtteil Wandsbek und präsentiert seine Customs. Bislang waren sein Schaufenster die sozialen Medien wie Facebook und Instagram, seit Juni sind die Einzelstücke auch an der belebten Einkaufsmeile zu sehen.

Der veredelte Turnschuh

Im Wandregal sind die veredelten Turnschuhe namhafter Sportschuhhersteller aufgereiht. «Wir probieren viele Sachen aus», sagt Do-it-Yourself-Mann Olomi.

Nach eigener Rapper-Karriere hatte der heute 42-Jährige die Musik aufgegeben und sich zehn Jahre lang mit Taxifahren über die Runden gebracht, jedoch von seiner Leidenschaft nie gelassen: «Ich habe Sneaker gesammelt, oben sahen die gut aus, aber unten, richtige Risse, die Farbe aufgeplatzt. Das hat mich genervt», erzählt der gebürtige Bulgare.

Auf der Suche nach einer haltbaren Farbe für die Sohlen hat er sich Tutorials auf YouTube angeschaut, das Hobby nahm vor sechs Jahren seinen Lauf. «Nach ein paar Monaten war ich schon so gut, dass Freunde und Verwandte sagten: Bitte meine Schuhe auch!» Doch nur zu restaurieren, habe ihm nicht gereicht. «Ich hab' Ideen im Kopf, ich will mich verwirklichen», erzählt Olomi.

Die Welt des Airbrushens

Der Turnschuh-Freak führt in das Hinterzimmer des Ladens, wo Schreibtische übersät sind mit Maluntensilien. «Das ist richtig 'ne Manufaktur.» Olomi greift nach einer kleinen Airbrush-Pistole und sprüht mit ihr seitlich am Sneaker die Farbschattierungen eines grünen Blattes auf.

Martin Olomi, Gründer der Manufaktur «Sneaker Surgery» präsentiert einen bemalten Turnschuh.
Bild: Daniel Bockwoldt

Davor prangt ein Hihi, ein neuseeländischer Vogel, dem Olomis Partner Dennis Vollstedt zuvor gefühlvoll mit feinen Pinselstrichen letzte Konturen gegeben hat. Für das Brushen hat Olomi den Vogel abgeklebt, damit er ihn nicht wieder übersprüht.

Bevor es an die Details geht, hat Olomi den Schuh mit Aceton entfettet und abgeklebt, so dass nur noch die Arbeitsfläche frei blieb. Eine dann aufgeklebte Schablone gab die Konturen für Auge, Schnabel und Flügel des Vogels vor. «Alles innendrin, die Farbunterschiede, Schattierungen, werden mit der Airbrush-Pistole gemacht und am Ende die ganz feinen Details mit dem Pinsel.»

Das Werkstück nähert sich seinem Finish, bis zu 15 Stunden stecken Olomi und sein Partner in solche Liebhaberstücke. Und darin noch Sport treiben? «Nee», winkt Olomi ab, das sei doch eher was für's Spazierengehen.

Vor zwei Jahren hat sich der Stylist mit seiner «Sneaker Surgery» (etwa Sneaker-Praxis) selbstständig gemacht, als ein grösserer Auftrag eines Sportartikelherstellers hereinkam. «Das war die Motivation. Und jetzt sitze ich in meinem eigenen Laden», freut sich der Geschäftsmann.

Selbst Ex-Bayern-Star Franck Ribéry liess sich nach Olomis Angaben schon von ihm porträtieren – mit Söhnchen und Blattgold-Krönchen am Fuss. «Auf sechs, sieben Zentimeter musst du ein realistisches Gesicht draufmalen, also das ist echt nicht leicht», erinnert sich Olomi. An die 200 Paar Turnschuhe hat der Produzent im vergangenen Jahr nach Kunden-Gusto bearbeitet.

Mit kleinen Swarovski-Steinen

Geduld hat ihm ebenfalls der Besatz von Sneakern mit kleinen Swarovski-Steinen abverlangt. Auch originale Stoffteile angesagter Luxus-Designer, veredelte Manschettenknöpfe oder Schlangenleder verzieren manches Paar Schuhe, andere können mit auswechselbaren Swooshes (das geschwungene Nike-Symbol) verändert werden.

Mit seiner Arbeit verdient der Geschäftsmann nach eigenem Bekunden gutes Geld. Die Szene in Deutschland ist nach Olomis Worten überschaubar, es gebe etwa 20 «relevante Customer». Was ihn im Wettbewerb jedoch strahlen lässt, ist ein anderer Zuspruch: «Der Kunde, wenn er direkt seinen Schuh abholt, diese Emotion, die Du in seinen Augen siehst. Dieser Respekt, den Dir die Leute entgegenbringen. Das ist unbezahlbar.»

Für Olomis Startup – der erste feste Mitarbeiter ist eingestellt – dürfte die Zukunft rosig aussehen. «Der Trend geht zur Individualität», sagt eine Sprecherin des deutschen Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie.

Das haben Sportartikelhersteller wie Adidas (Herzogenaurach) längst erkannt. Seit neun Jahren werde auf der Website ein Personalisierungsservice angeboten, teilte das Unternehmen mit. Kunden hätten die Möglichkeit, Sneaker mit persönlichen Schriftzügen zu gestalten. Ausserdem werde aufmerksam beobachtet, «welche individuellen Anpassungen Künstler oder Konsumenten darüber hinaus vornehmen».

Zwar gibt es laut Industrieverband keine offiziellen Statistiken zu Sneakern, nach Verbandsangaben soll sich der Marktanteil von in Deutschland verfügbaren Sportschuhen von 2007 bis 2017 auf 10 Prozent jedoch nahezu verdoppelt haben. Und der Hype ist offensichtlich nicht vorbei: Bei der Berliner Modewoche im Juli hielt Designer Guido Maria Kretschmer die Zeit für «sneakerreif»: «Die Leute wollen schnell, die Leute wollen bequem.»

Nur für ein Einzelstück, das Statement am Fuss, braucht es in der Hamburger Werkstatt seine Zeit. Ob sich ein Träger je von solch einem Liebhaberstück trennen wird, sei dahingestellt. Zumindest sind limitierte Sneaker-Kollektionen schon begehrte Anlageprodukte an Online-Börsen.


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