Terror in Paris

Lebenslange Haft für Hauptangeklagten im Bataclan-Prozess

AP/dpa/toko

29.6.2022 - 20:56

Bataclan-Prozess: Abdeslam wegen Terrorismus und Mordes verurteilt

Bataclan-Prozess: Abdeslam wegen Terrorismus und Mordes verurteilt

Urteil im Prozess um die islamistischen Terroranschläge von 2015 in Paris. Der Hauptangeklagte Salah Abdeslam wurde wegen Terrorismus und Mordes verurteilt.

29.06.2022

Im Prozess um die islamistischen Terroranschläge 2015 in Paris sind ingesamt 20 Männer verurteilt worden, der Hauptangeklagte Salah Abdeslam muss lebenslang in Haft.

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29.6.2022 - 20:56

Im Prozess um die islamistischen Terroranschläge 2015 in Paris ist der Hauptangeklagte Salah Abdeslam zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Schwurgericht sprach den 32 Jahre alten Franzosen am Mittwochabend im Pariser Justizpalast schuldig. Abdeslam gilt als einziger Überlebender des damaligen Terrorkommandos. Er soll keine Möglichkeit zur Haftverkürzung vor Ablauf von 30 Jahren bekommen. In Belgien wurde er bereits zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Auch gegen andere Angeklagte gab es lange Haftstrafen. 19 der 20 Angeklagten wurden in allen Punkten schuldig gesprochen.

epa05023938 Wounded people are evacuated outside the scene of a hostage situation at the Bataclan theatre in Paris, France, 14 November 2015. Dozens of people have been killed in a series of attacks in the French capital Paris, with a hostage-taking also reported at a concert hall. EPA/YOAN VALAT
Verletzte werden am 14. November 2015 aus dem «Bataclan» evakuiert.
Bild: Keystone/EPA/Yoan Valat

In dem Prozess im Pariser Justizpalast war mehr als neun Monate lang die Anschlagsserie vom 13. November 2015 aufgerollt worden. An jenem Abend hatten Extremisten in der französischen Hauptstadt binnen weniger Stunden 130 Menschen getötet und 350 weitere verletzt. Sie richteten ein Massaker im Konzertsaal «Bataclan» an und verbreiteten Terror auch in mehreren Bars und Restaurants. Drei Selbstmordattentäter sprengten sich während eines Fussball-Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich am Stade de France in die Luft.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) reklamierte die Anschläge später für sich. Die meisten Mitglieder des Terrorkommandos sprengten sich bei den Anschlägen selbst in die Luft. Einer wurde noch am Abend von der Polizei erschossen, weitere starben bei einem Polizeieinsatz wenige Tage später. Die Anschlagsserie sorgte weltweit für Entsetzen. Neben Abdeslam mussten sich in dem Mammutverfahren 19 weitere Angeklagte verantworten. Sechs der Angeklagten wurden in Abwesenheit verurteilt: Einer sitzt in der Türkei in Haft, die fünf anderen sollen in Syrien gestorben sein.

Keine Klarheit zu Strukturen im Tathintergrund

Der Prozess mit mehr als 140 Verhandlungstagen wurde weit über Frankreich hinaus verfolgt. Mehrere Wochen zu Beginn des Prozesses waren den Aussagen von Überlebenden und Hinterbliebenen gewidmet, in denen die Horrornacht hundertfach in persönlichen Schicksalen geschildert wurde. Immer wieder fielen Sitzungen aus oder wurden gestrichen, weil sich Angeklagte mit dem Coronavirus infiziert hatten oder nicht vor Gericht erscheinen wollten.

Neben der Frage der individuellen Schuld ging es auch um die Strukturen im Hintergrund. Vieles liessen die Beschuldigten hier allerdings im Vagen. Abdeslam etwa antwortete nur auf einige Fragen und schob Verantwortung von sich. In seiner letzten Wortmeldung nannte er es eine Ungerechtigkeit, sollte er für Mord verurteilt werden.

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