Aggressives Manöver

Venezuela: Marineboot rammt Kreuzfahrtschiff und sinkt selbst

tafi

3.4.2020

Die «Resolute» überstand den Angriff einer venezolanischen Küstenpatrouille nahezu unversehrt: Das Kreuzfahrtschiff verfügt über einen verstärkten Rumpf, weil es auch im ewigen Eis unterwegs ist.
Twitter / @ConflictsW

Ein Patrouillenboot der venezolanischen Marine will in internationalen Gewässern offenbar ein deutsches Passagierschiff mit Gewalt vom Kurs abbringen: Das Manöver geht nach hinten los. Nun wittert Präsident Maduro einen «Akt der Piraterie».

Die Geschichte gleicht einem Thriller: Die «Naiguata», ein Boot der venezolanischen Marine, trifft nördlich der Insel La Tortuga in der Karibik auf das Kreuzfahrtschiff «RCGS Resolute» und will es nach Angaben des deutschen Eigners zwingen, Kurs auf Venezuela zu nehmen. Nachdem Kapitän der «Resolute» darauf verwiesen habe, in internationalen Gewässern zu sein, feuerte das Patrouillenboot mehrere Schüsse ab und rammt den Bug des Passagierschiffs.

Weil die «Resolute» aber für Fahrten durch das ewige Eis in Arktis und Antarktis mit einem verstärkten Rumpf ausgestattet ist, prallte der Angriff des Marineboots an dem Schiff einfach ab. Während die «Resolute» kaum Schäden erlitt, sank die «Naiguata» noch vor Ort. Die Besatzung der «Resolute» habe daraufhin seine Hilfe angeboten, sei aber von Venezuelas Marine ignoriert worden.

Die Hintergründe des Zwischenfalls sind weiter unklar. Die derzeit unter portugiesischer Flagge fahrende «Resolute» war der Darstellung der Reederei zufolge auf dem Weg nach Curaçao und hat dabei routinemässige Wartungsarbeiten an den Schiffsmotoren durchgeführt. An Bord hätten sich 32 Crewmitglieder, aber keine Passagiere befunden.

Für Venezuelas Präsident Nicolas Maduro steht hingegen fest, dass es sich bei dem Zwischenfall um einen Akt der «Piraterie und des Terrorismus»  gehandelt habe. Maduro vermutete, dass sich eine Gruppe von Söldnern an Bord der «Resolute» befunden habe, die bereit gewesen seien, an der venezolanischen Küste zu landen.



Hintergrund dürften die derzeitigen politischen Spannungen zwischen Venezuela und anderen Staaten sein, die nicht Maduro als legitimes Staatsoberhaupt ansehen, sondern den selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaidó. Erst Anfang der Woche hatten die USA Kriegsschiffe in die Nähe der venezolanischen Küste entsandt.

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