Ai Weiwei: «China wird nie dazulernen»

tsha

22.4.2020

Ai Weiwei lässt am Agieren der chinesischen Regierung in der Corona-Krise kein gutes Haar.
Bild: Keystone

Der chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei hat Peking scharf kritisiert: Die Regierung würde die Krise nutzen, um sich an der Macht zu halten. Das Volk sei ihr dabei egal.

Die Kritik am Vorgehen der chinesischen Regierung in der Corona-Krise hat derzeit vor allem zwei Gesichter. Die einen machen es wie Donald Trump, poltern, was das Zeug hält, und befeuern bisweilen auch rassistische Ressentiments. Die anderen, wie etwa die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, üben sich in diplomatischer Zurückhaltung, weisen bestimmt, aber höflich auf eventuelle Fehlentscheidungen hin. Einer, der nie ein Blatt vor dem Mund nimmt, wenn es um China geht, ist Ai Weiwei. Weil die chinesische Regierung den Ausbruch in Wuhan so lange unter Verschluss gehalten habe, habe das Virus erst «die Chance bekommen, sich zu verbreiten», sagte Ai jetzt in einem Interview mit CNN.

Der heute 62-Jährige war in China mehrere Monate in Haft und durfte das Land lange nicht verlassen. Ende 2015 siedelte er nach Berlin über, heute lebt er im englischen Cambridge.

Die Fallzahlen, die China zum Coronavirus veröffentliche, seien viel zu niedrig, glaubt Ai. «Für China ist alles politisch», so der Künstler gegenüber CNN. Zahlen und die damit verbundenen Schicksale würden der Regierung nichts bedeuten; vielmehr sei das Land vor allem daran interessiert, ein gutes Bild abzugeben. Schon 2008, nach dem verheerenden Erdbeben im Westen Chinas, hatte Ai die offiziellen Angaben zu Toten und Verletzten offiziell angezweifelt und eigene Untersuchungen durchgeführt.

Kein Vertrauen in die Regierung

Ohne Zahlen und Informationen zu manipulieren, könne China als Staat nicht überleben, glaubt Ai. «China wird nie dazulernen, egal, welche Katastrophe das Land trifft. Das Einzige, das sie lernen, ist, ihre autoritäre Macht zu nutzen, um die Geschichte zu manipulieren.» Es gebe in China keinerlei Vertrauensverhältnis zwischen den Bürgern und der Regierung, aber auch unter den Bürgern selbst nicht.

Im Zuge der Corona-Krise hat China seinen Überwachungsstaat weiter ausgebaut – für Ai das entscheidende Mittel, um die Diktatur der Kommunistischen Partei am Leben zu erhalten. Die Regierung müsse immer wissen, «was die Menschen denken, wie sie sich verhalten», um an der Macht zu bleiben. Die Corona-Pandemie habe dieses Denken noch beschleunigt.

In China sind nach Daten der Johns-Hopkins-Universität mehr als 4'600 Menschen in Verbindung mit dem Coronavirus gestorben. Experten vermuten, dass die Zahlen deutlich höher liegen. 

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