«Let's get ready to stumble» – Kampf der alten Männer in Washington 

26.4.2019 - 15:46, Philipp Dahm

Methusalem-Battle: Joe Biden schlägt sich mit Donald Trump.
Screenshot: YouTube

Mit Joe Biden hat nun der 20. Demokrat angekündigt, gegen Donald Trump antreten zu wollen. Trevor Noah erinnert das an einen höchst pubertären Streit der beiden greisen Männer.

Die Demokraten haben ein Herz für Wähler, die gerne eine grosse Auswahl haben. Und sie haben einen Sinn für Zahlen-Dramatik: Joe Biden ist der nun schon 20. Politiker der Partei, der 2020 Präsident werden will.

Der 76-Jährige war unter Barack Obama Vize im Weissen Haus: In Umfragen liegt der Mann aus Pennsylvania unter den demokratischen Kandidaten vorne, obwohl er seine Kandidatur erst jetzt bekannt gegeben hat.

Willkommen zur «Daily Show with Trevor Noah»

«Joe Biden ist nicht nur beliebt, weil er ein bodenständiger Mensch und Normalo», erklärt «Daily Show»-Frontmann Trevor Noah. «Nein, die Leute mögen ihn auch, weil er ein reizender Spinner ist. Tatsächlich es gibt nur eine Sache, die mehr Zeit in Bidens Mund verbringt als diese perfekten Zähne: seine Verbalausrutscher.»

Nachzuhören sind die Bonmots ab Minute 0:12 – unter anderem bittet Biden einen Kollegen im Rollstuhl, aufzustehen. Als ihm sein Fauxpas auffällt, fordert er kurzerhand den alle anderen im Saal auf, sich für den Handicapierten zu erheben. «Genau», lacht Noah, «Lasst uns Chuck zeigen, was er verpasst: Steht alle auf. Reiben wir's ihm unter die Nase. Und der Typ hat keine Hände: Wie wär's mit einer Runde Applaus? Kommt schon!»

Fauxpas vor elf Jahren: Biden fordert einen Rollstuhlfahrer zum Aufstehen auf.
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Mit seinen Fehlgriffen sei Biden aber wiederum ein gutes Gegenstück zu Obama gewesen, findet Noah. «Denn, uh, Obama, uh, hat jedes, uh, Wort auf die, uh, Goldwaage gelegt. Man kann fast, uh, mitfühlen, wie er, uh, nachdenkt, während er, uh, spricht», ahmt er den Ex-Präsidenten nach. Bei Biden sprudele es dagegen einfach so heraus. Doch in seinen 50 Jahren in Washington habe der Mann auch viel erreicht, so der Gastgeber.

Vergangenheit als Treibsand

Der Zuschauer erfährt ab Minute 1:42, was der Mann auf dem politischen Kerbholz hat: Er war Vorsitzender des aussenpolitischen Ausschusses im Senat, als Senator stiess er vor 26 Jahren ein Gesetz gegen Gewalt gegen Frauen an, er setzte sich gegen den Verkauf automatischer Waffen und für die gleichgeschlechtliche Ehe ein.

«Er fand sogar Zugang zum [derzeitigen republikanischen Mehrheitsführer im Senat] Mitch McConnell. Vielleicht haben sie sich verstanden, weil Mitch der einzige war, dem Biden keine Massage verpasst. Der Nacken ist ja auch wie Treibsand: Wenn du bemerkst, dass du da drin bist, ist es schon zu spät.» Eine kleine, fiese Anspielung auf die Aussagen mehrerer Frauen, dass Biden ihnen auf eine altväterliche Art zu nahe gekommen sei.

Joe massiert Mitchell – Noah ekelt sich.
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Das ist dann auch die Kehrseite dieser langen politischen Karriere: «Wer schon so lange da ist, trägt auch ein Päckchen mit sich herum», sagt Noah: Bidens Päckchen könnten einen ganzen Waggon füllen.

Haarige Herausforderung

Ab Minute 2:53 gibt es die Nachrichtenausschnitte dazu: Der Demokrat war 1994 an einer umstritten Strafrechtsrevision beteiligt, sprach sich für den Irakkrieg aus, versagte 1996 bei der Entlassung der Frauenrechtlerin Anita Hill, die einem Vorgesetzten und späteren Bundesrichter sexuelle Belästigung vorgeworfen hatte und fiel im Zusammenhang mit der Durmischung an Schulen durch kritische Kommentare auf.

Für seinen Umgang mit Anita Hill entschuldigte sich Joe Biden 2017.
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Das ziehe den Kandidaten runter, meint Noah. «Aber spitze ist, dass er es geschafft hat, sich oben wieder Top-Haare wachsen zu lassen. Seht nur: Der Typ hat den Benjamin Button der Skalps.» Der Film Benjamin Button handelt von einem Mann, der als Greis geboren wird, rückwärts altert und zum Säugling wird. Das Stichwort «kindisch» passt auch zum Ende des Monologs, der an eine Fehde aus dem Herbst 2016 erinnert (ab Minute 3:43).

Vermehrung: Bidens Haare sind reif für die Präsidentschaft.
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Damals hat der Vize-Präsident den Kandidaten der Republikaner scharf angegriffen, als er gefragt wurde, ob er gerne mit diesem Donald Trump debattieren würde. Die Antwort: «Nein, ich wünschte, wir wären in der High School. Dann könnte ich mit ihm hinter die Turnhalle gehen.»

Wenn Greise pubertieren

Eine Ansage, die der so Angesprochenen natürlich nicht auf sich sitzen lassen wollte. «Habt Ihr mitgekriegt, dass Biden mich gerne herausfordern würde? Im Hinterteil der Scheune? Mich! Das will er. Ich wäre zu liebend gerne dabei, Mister krasser Typ», sagt Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung vier Tage später.

Im Boxring wie im Wahlkampf: Sollte Biden gegen Trump antreten, sässe Noah in der ersten Reihe.
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Das pubertäre Geplänkel der alten Männer geht im März 2018 weiter. «Wenn wir in der High School wären, würde ich ihn mit hinter die Turnhalle nehmen und ihn tüchtig vermöbeln», wiederholte Biden da. Diesmal dauert es etwas länger, bis der Gegenschlag erfolgt. «Das würde nicht lange gehen», trompetet Trump im Oktober 2018 und ballt dazu die Faust und den Bizeps. «Das würde so gehen», sagt er und pustet auf seine Hand: «Er geht zu Boden und er steht nie wieder auf.»

Noah skandiert «Alt-Männer-Kampf! Alt-Männer-Kampf!» und lacht über die «albernen» Szenen. «Das wäre wie ‹Let's get ready to stumble›.» Eine Ableitung des Spruchs «Let’s get ready to rumble», mit dem der Amerikaner Michael Buffer Boxkämpfe ansagt: Aus «poltern» wird «stolpern».

«Das wäre der unterhaltsamste Kampf überhaupt: Sie würden einander die Zähne ausschlagen, sie dann aufheben und wieder reintun.» Die beiden könnten antreten, um Spenden zu sammeln. «Eine Win-win-Situation: Biden kann sich Trump entgegenstellen, und Trump kann insgeheim das Geld einsacken, das gespendet werden wollte.» Ab Minute 5:03 wird dieser Kampf nochmal visualisiert

Trevor Noahs Monolog.

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