Trumps Mueller-Panik, 37 Shades of «Weiss nicht» und verrückter «Sex»

24.4.2019 - 16:55, Philipp Dahm

Brust raus, Keule raus: Trevor Donald Trump attestiert sich selbst Unschuldigkeit – Trevor Noah findet das sündig.
Screenshot: YouTube

Nach der Trump-Administration versucht sich nun auch das gemeine Volk an der Deutung des Mueller-Berichts. Und wenn jemand gemein und nah am Volk ist, dann ja wohl die Late-Night Hosts.

Früher waren es noch die Boys von East 17 oder Musiker wie Robbie Williams, auf deren damalige Veröffentlichungen eine ganze Altersklasse ungeduldig und mitunter den Tränen nahe gewartet hat. Und heute? Heute ist es der Mueller-Bericht, der «die Nation fesselt» und den grad eine ganze «Generation» herbeisehnt – wenn man dem Nachrichtensprecher von «NBC» glauben will. Wie geht noch der Spruch? Ach ja: Zeiten ändern sich, und wir uns mit ihnen.

Nicht viel geändert hat sich indessen auf der politischen Agenda in den USA – wir bleiben also beim Sonderermittler Robert Mueller, der ja schon lange geliefert hat. Das Problem: Erst wussten nur Donald Trumps Truppe, was darinsteht. Und sowohl der Präsident wie auch sein Justizminister William Barr haben in den ersten Tagen die Deutungshoheit gehabt: Sie haben verkündet, dass die Ermittler nichts Belastendes gefunden haben.

Doch langsam verschafft sich auch das «gemeine Volk» einen Einblick – und wenn wir schon bei Worten wie «fiese» und «breite Masse» sind, dann meinen wir natürlich auch die Late-Night-Hosts und ihre Redaktoren, die diesen verknorzten Politik-Knoten für uns auflösen. Spoiler-Alarm: Eine Carte blanche für Trump ist Muellers Ergebnis nicht – und ob etwas belastend ist oder nicht, hängt immer noch davon ab, wer sucht und was er dabei finden will – oder eben nicht.

The Daily Show with Trevor Noah

«Das ist lustig», lacht sich Moderator Trevor Noah ins Fäustchen: «Als Trump herausgefunden hat, dass Mueller gegen ihn ermittelt, wirft er sich in seinen Sessel und sagt: ‹Ich bin im Arsch.› Ich mag das, weil er sonst immer so tut, als würde ihn nichts kümmern. Kinn hoch, Schultern zurück, Bauch raus – aber es stellt sich heraus, dass er wegen seiner Präsidentschaft genau so viel Panik hat wie der Rest von uns. Das ist doch gut zu wissen.» Diese kleine Angst-Szene aus dem Weissen Haus, die Robert Mueller beschreibt, hat der Justizminister natürlich dezent unter den Tisch fallen lassen.

Paint it Black: Trevor Noah und zensierte Seiten des Mueller-Berichts.
Screenshot: YouTube

Es seien keine zwingenden Beweise für eine Behinderung der Justiz gefunden worden, betonte William Barr bloss. «Was er nicht erwähnt hat, ist, dass Trump über zwei Jahre immer wieder versucht hat, die Untersuchung zu stoppen. Was ihn daran gehindert hat: Das Weisse Haus ist babysicher.» Der ab Minute 1:50 folgende Nachrichtenausschnitt erklärt, dass es nur deshalb nicht zu einer Justiz-Behinderung kam, weil die Administration offenbar nicht tat, was der Mann aus dem Weissen Haus ihnen aufgetragen hat.

Jurist Donald McGahn wurde beispielsweise aufgetragen, Robert Mueller höchstselbst zu feuern – doch der Berater nannte den Auftrag «verrückten S******» und verweigerte das Ganze. Eine Steilvorlage für Noah: «Der Präsident bat ihn, verrückten S. zu machen. Wir wissen alle, was das heisst: verrückter Sex. Peitschen. Ketten. Zaubersprüche. Das Zeug, was man aus ‹50 Shades of Gryffindor› kennt.» Da wurde der Hausfrauen-Porno «50 Shades of Grey» mit dem Namen der Harry-Potter-Hogwarts-Schule gemischt. Dann fällt dem Moderator doch noch auf, dass S für «Scheisse» steht: «Ich habe die kleinen Sterne nicht gezählt…»

Trevor Noahs Gesicht, als er über «crazy sex» spricht.
Screenshot: YouTube

Dass der Präsident die Ermittlungen bremsen wollte, aber zu faul war, es selbst durchzuziehen, findet Noah menschlich: «Wäre es nicht toll, wenn andere Böse der Geschichte auch so faul gewesen wären?» Ab Minute 3:20 imitiert er brillant imaginäre Nazis: «‹Wir haben Anne Frank auf dem Dachboden gefunden!!!› ‹Dachboden? Treppen?? Vergiss es! Ich will nicht, och mein Gott!›» Dabei habe Trump gewusst, dass er etwas Falsches tue: Laut Mueller-Bericht blaffte er McGahn an, weil der sich in einer Sitzung Notizen machte (ab Minute 3:40).

Auch an diesem schmierigen Aspekt hat Trevor Noah seine helle Freude: «Trump schreit seinen Anwalt an, weil der sich notiert, was [Trump] sagt? Du wirst nicht wütend, wenn du etwas Gutes tust und jemand das notiert. Nach dem Motto: ‹Okay, ich habe entschieden, mein gesamtes Vermögen dem Waisenhaus spenden… Hey, schreib den Scheiss nicht auf!!! Vielleicht findet es noch jemand raus und lobt mich dafür.›»

Trevor Noah amüsiert, dass Trump seine Anwälte für die besten hält. Im Vergleich scheinen die Spielerfiguren aus dem Spiel «Mortal Combat» deutlich versierter.
Screenshot: YouTube

Und diese Verrücktheiten stammen notabene aus dem Teil des Berichts, der nicht geschwärzt ist: Was für durchgedrehter Dung steckt wohl noch hinter der Zensur? Der Präsident selbst wird davon nichts erhellen: Er antwortete auf Fragen von Robert Mueller bloss schriftlich – und variieerte dabei 37 Mal die Antwort «Weiss ich nicht mehr.» Der Moderator mag nicht glauben, dass das Gedächtnis des 72-Jährigen so oft versagt – die Frage sei ja nicht «Wann ist Ihr Hochzeitstag?».

Und die Redaktion der «Daily Show» hat nicht vergessen, wie Herr Trump auf die Aussage von Christine Blaisey Ford reagiert hat. Während er nicht mehr weiss, was vor einem Jahr passiert ist, konnte sich die Professorin nicht mehr an alle Details im Zusammenhang mit einem aufdringlichen Aufeinandertreffen vor 30 Jahren erinnern.

Damals machte der heutige Oberste Richter Brett Kavanaugh keine gute Figur – zu sehen ab Minute 6:21. «Das bestätigt meine These», fasst Noah zusammen. «Alles was Trump über Frauen sagt, trifft auf ihn selbst zu. Er ist derjenige, der stets Sachen erfindet. Er ist derjenige, der überemotional ist. Und das Wichtigste: Er ist derjenige mit den tollen Titten.»

Trevor Noahs Monolog im Video.

Bonus: Last Week Tonight

Auch John Oliver hat sich den Mueller-Bericht genauer angesehen. Hier ohne weiteren Kommentar das Ergebnis seiner Ermittlung.

John Oliver spart nicht an Kritik an Trump und Co.

Late Night USA – Amerika verstehen

50 Staaten, 330 Millionen Menschen und noch mehr Meinungen: Wie soll man «Amerika verstehen»? Wer den Überblick behalten will, ohne dabei aufzulaufen, braucht einen Leuchtturm. Die Late-Night-Stars bieten die wohl beste Navigationshilfe: Sie sind die perfekten Lotsen, die unbarmherzig Untiefen bei Land und Leuten benennen und dienen unserem Autor Philipp Dahm als Komik-Kompass für die Befindlichkeit der amerikanischen Seele.

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