Schweizer Apotheken geben Schutzmasken aus — WHO verhängt keinen Notstand

23.1.2020 - 19:57, dpa/twei

Nach Wuhan stehen nun auch weitere chinesische Städte praktisch unter Quarantäne. Wegen des neuartigen Coronavirus sollen Bewohner nur noch mit Masken vor die Tür — auch in der Schweiz wächst die Besorgnis. Die WHO ruft bislang noch keinen Notstand aus.

Die chinesische Regierung hat die besonders schwer von der neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan praktisch abgeriegelt. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, sollten ab Donnerstagmorgen Flüge, Zügen, Fähren und Fernbusse gestoppt werden. Bewohner dürfen die zentralchinesische Stadt demnach nur noch unter Angabe besonderer Gründe verlassen. In der Stadt, in der das neuartige Coronavirus vermutlich auf einem Tiermarkt ausgebrochen war, leben rund elf Millionen Menschen.

Zudem wurden die Menschen aufgefordert, nur noch mit Schutzmasken in die Öffentlichkeit zu gehen. Wer in Hotels, Restaurants, Einkaufszentren oder Parks keine Maske trage, werde bestraft, berichtete die Zeitung «China Daily». Wuhan ist von der Krankheit besonders schwer betroffen. Das Virus hat sich aber mittlerweile in grossen Teilen Chinas und auch über die Landesgrenzen hinaus verbreitet. Die Krankheit war bereits in Japan, Südkorea, Taiwan, Thailand und den USA nachgewiesen worden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat trotz der rasanten Ausbreitung am Donnerstag vorerst keine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» ausgerufen. Ein Expertenrat, der die WHO berät, sah dafür keinen Anlass.

Ebenfalls am Donnerstag erliess die chinesische Regierung deshalb strenge Beschränkungen für zwei weitere Millionenstädte, Huanggang und Ezhou. Zusammen mit den Bewohnern von Wuhan gelten die Beschränkungen damit für fast 20 Millionen Menschen.

Wegen der Ausbreitung des Virus hat die Stadt Peking Grossveranstaltungen zur Feier des chinesischen Neujahrsfests am Wochenende abgesagt. Auch einige touristische Attraktionen würden geschlossen, erklärte die Verwaltung der Hauptstadt am Donnerstag.

Zahl der Erkrankungen steigt

Weil immer mehr Menschen mit Grippesymptomen auf das neue Virus getestet werden, nimmt die Zahl der bestätigten Fälle weiter zu. Bis Donnerstag wurde das Virus bei mindestens 620 Menschen nachgewiesen, wie die chinesische Gesundheitsbehörde berichtete. Bislang sind mindestens 17 Menschen an einer durch das Coronavirus verursachten Lungenerkrankung gestorben, wie die Regierung der Provinz Hubei, in der Wuhan liegt, am Mittwoch berichtete.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief trotz der rasanten Zunahme von nachgewiesenen Infektionen mit dem neuen Virus vorerst keine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» aus. Der Notfallausschuss, der die WHO berät, sah dafür am Mittwoch keinen Anlass, wollte aber am Donnerstag erneut tagen. Der Notfallausschuss empfahl, den Informationsaustausch unter den Staaten weiter zu verbessern, wie der Vorsitzende Didier Houssin sagte. Allerdings seien sich die Mitglieder des Notfallausschusses in der Beurteilung der Situation nicht einig gewesen.

In Europa bis Mittwoch keine Nachweise

Mit einer offiziellen «Notlage» wären weitere konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden gewesen, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Zu solchen Empfehlungen kann beispielsweise gehören, dass Reisende auf Krankheitssymptome geprüft werden, und dass medizinisches Personal besser geschützt wird. Wie «Nau.ch» berichtet, geben Schweizer Apotheken Schutzmasken aus. Die Amavita-Apotheke an der Zürcher Bahnhofsstrasse habe gegenüber «Nau.ch» bestätigt, einen gesteigerten Verkauf von Schutzmasken seit dem Ausbruch des Virus zu verteilen. Überwiegend chinesische Touristen würden sich auf diese Masken stürzen.

In Europa gab es bis Mittwoch keine Nachweise. Für die Menschen in Deutschland besteht nach Einschätzung der Bundesregierung ein «sehr geringes» Gesundheitsrisiko. Es gebe keinen Grund, jetzt in Alarmismus zu verfallen, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die EU-Präventionsbehörde ECDC sprach von einem moderaten Risiko, dass der Erreger in die Europäische Union eingeschleppt werde. Noch sei unklar, wie schwerwiegend und wie tödlich die Krankheit sei, meinte ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

In Grossbritannien werden Reisende aus Wuhan künftig bei ihrer Ankunft auf Symptome des Coronavirus untersucht. Das teilte das britische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Ein medizinisches Team empfange Reisende am Flughafen London Heathrow, die mit einem der drei wöchentlichen Direktflüge aus der chinesischen Stadt ankommen.

Wildtier auf Fischmarkt mögliche Quelle

Es wird vermutet, dass die Quelle des Coronavirus ein Wildtier auf einem Fischmarkt in Wuhan war. Es wurde nach Expertenmeinung zunächst vom Tier zum Menschen übertragen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam. Mit der Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. Bei der grössten jährlichen Reisewelle des Landes sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.

Das neue Virus gehört zur selben Art wie das, das 2002/2003 die SARS-Pandemie ausgelöst hat. Damals kamen etwa 800 Menschen dadurch ums Leben. Das neue Virus soll nach derzeitigem Stand eine harmlosere Variante sein. SARS-Viren gehören zu den Coronaviren, die oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie MERS dazu. Eine Pandemie ist eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Infektionskrankheit.

Virus in China: Fälle in Europa werden wahrscheinlicher

Schutzmassnahme gegen die Verbreitung des Corona-Virus: Ein Beamter misst am Flughafen von Wuhan die Körpertemperatur von Reisenden.
Körpertemperatur-Scanner am Flughafen Narita in Japan.
Personal desinfiziert die Ankunftshalle im Flughafen von Incheon in Südkorea.
Fussgänger in Tokio tragen Schutzmasken. Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus.
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