Land im Ausnahmezustand

Corona-Krise in Venezuela: «Der Hunger hat sich der Leute bemächtigt»

dpa/tsha

23.4.2020

Venezuela befindet sich seit Längerem im Krisenmodus. Die Corona-Pandemie hat die Lage dramatisch verschärft.

Im Krisenstaat Venezuela haben Hunderte Demonstranten Geschäfte geplündert. Sie demonstrierten wegen des Mangels und der hohen Preise für Lebensmittel in der Covid-19-Pandemie, wie verschiedene venezolanische Medien am Donnerstag berichteten. «Der Hunger hat sich der Leute bemächtigt», zitierte die Zeitung «El Universal» den Abgeordneten Americo de Grazia. Er bezeichnete den sozialen Druck auf Twitter als «unhaltbar».

In verschiedenen, nicht verifizierten Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Menschenmassen in der Stadt Upata im Bundesstaat Bolívar Zugänge aufbrachen und in Geschäfte eindrangen. Inhaber baten Polizei und Militär um Unterstützung. Die unabhängige Plattform «Efecto Cocuyo» berichtete von mindestens einem Toten, zwei durch Schüsse Verletzte und zehn Festgenommenen. Die Streitkräfte bestätigten die Festnahmen. Auch aus anderen Bundesstaaten wurden in den vergangenen Tagen Plünderungen mit Verletzten gemeldet.



Mit voller Wucht getroffen

Die Coronavirus-Krise hat Venezuela mit voller Wucht getroffen. Das südamerikanische Land, eines der ölreichsten Länder der Welt, befindet sich ohnehin bereits in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise, das Gesundheitssystem liegt am Boden. Es fehlt am Nötigsten wie Wasser und Seife. Wegen der verschärften US-amerikanischen Sanktionen und dem extremen Fall des Ölpreises bekommt das Land kaum mehr Einnahmen für seinen Haushalt.

Die Zahl der Corona-Infizierten in Venezuela lag nach Angaben der Regierung zuletzt bei 298. Der Oppositionsführer und selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaidó wirft der Regierung jedoch vor, das wahre Ausmass der Corona-Infektionen zu verschleiern. Guaidó versucht seit mehr als einem Jahr, den autoritär regierenden Nicolás Maduro aus dem Amt zu drängen. Letzterer sitzt jedoch fest im Sattel, auch weil er das Militär auf seiner Seite und die Polizei fest im Griff hat.

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