«Ich gab diesem Land meine Jugend!» Einwanderin wehrt sich unter Tränen gegen Johnsons Brexit-Pläne

tsha

30.8.2019

In einem Interview mit Sky News war eine junge Portugiesin den Tränen nahe.
In einem Interview mit Sky News war eine junge Portugiesin den Tränen nahe.
Screenshot YouTube

Britische Prominente erheben ihre Stimme gegen die Pläne von Premier Boris Johnson, den Brexit durchzuboxen. Das meiste Aufsehen erregt derzeit aber das Video einer portugiesischen Einwanderin.

Für den britischen Premierminister Boris Johnson steht fest: Am 31. Oktober verlässt Grossbritannien die EU – komme, was da wolle. Eine Einigung mit der Europäischen Union so kurz vor dem Stichtag erscheint unwahrscheinlich, ein harter Brexit dagegen wahrscheinlicher. Dafür hat Johnson sogar das britische Parlament quasi entmachtet – in einem noch nie dagewesenen Schritt.

Unter Prominenten auf der Insel regt sich nun Widerstand gegen diesen «Staatsstreich», wie Autor und Filmemacher Stephen Fry Johnsons Vorgehen bezeichnet. «Weint um Grossbritannien. Ein kranker, zynisch-brutaler und schrecklich gefährlicher Staatsstreich», schreibt Fry bei Twitter. Johnson verhalte sich wie ein Kind, das mit Streichhölzern spiele, und brenne fröhlich eine «alte Demokratie» nieder.

Noch deutlicher wird Schauspieler Hugh Grant. «Ruiniere verdammt nochmal nicht die Zukunft meiner Kinder» schreibt er an Johnson gerichtet. «Du wirst die Freiheit nicht zerstören, für deren Verteidigung mein Grossvater in zwei Weltkriegen gekämpft hat. Verpiss dich, du aufgeblasenes Gummispielzeug. Grossbritannien ist angewidert von dir und deiner kleinen Gang masturbierender Oberschüler.»

Für viel Aufmerksamkeit sorgt auch ein Interview mit einer portugiesischen Einwanderin, die vor dem Parlament gegen den Brexit protestierte. Die unbekannte Frau unterbrach ein Interview von Sky News, um sich mit einer emotionalen Botschaft an die Zuschauer zu wenden: «Ich habe diesem Land meine Jugend gegeben», sagt sie unter Tränen. Sie habe, seit sie in Grossbritannien lebt, immer gearbeitet: «Ich habe mich um euer Kinder gekümmert, ich habe mich um die älteren Menschen in diesem Land gekümmert. Ihr könnt mich nicht einfach rauswerfen!» 

Was Grossbritannien ihr antue, verletze sie sehr. Sie wisse nicht, sagt die Frau, wie es für sie nach dem 31. Oktober weitergehen soll. Die Frau befürchtet, dass sie nach einem Brexit ausgeschafft werden könnte. «Was sind meine Rechte? Man lässt mich darüber im Unklaren!»

Boris Johnson hatte Anfang der Woche eine vorübergehende Parlamentsschliessung beantragt, worauf Queen Elizabeth II. diesen Schritt guthiess. Die Sitzungsperiode des Parlaments soll am 9., spätestens aber am 12. September enden und erst am 14. Oktober wieder beginnen. Dadurch hätten Gegner eines EU-Austritts ohne Abkommen kaum noch eine Chance, einen sogenannten No-Deal-Brexit zu stoppen.

Johnsons Entscheidung führte zu massiven Protesten und scharfer Kritik von Oppositionspolitikern. In Schottland musste sich bereits ein Gericht mit dem Fall auseinandersezten: Das Gericht hat heute Freitag den Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen die Zwangspause des Parlaments abgelehnt. Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Eingereicht hatte den Antrag eine Gruppe von Oppositionsabgeordneten. Sie sehen in der Zwangspause eine unzulässige Einschränkung des Parlaments.

Ähnliche Klagen wurden auch vor den High Courts in Belfast und London eingereicht. Der ehemalige konservative Premierminister John Major teilte am Freitag mit, er wolle sich einer der Klagen anschliessen.

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