Corona-Leugner, Hooligans und Nazis – erneut schwere Krawalle

SDA

26.1.2021 - 10:50

Dutzende Festnahmen nach erneuten Krawallen in Niederlanden

Dutzende Festnahmen nach erneuten Krawallen in Niederlanden

In den Niederlanden ist es den dritten Abend in Folge in mehreren Städten zu Krawallen gekommen. In Rotterdam ging die Polizei am Montag mit Wasserwerfern gegen Plünderer vor, in Haarlem setzte sie Tränengas ein. Auch aus anderen Städten, darunter Amsterdam, wurden Ausschreitungen gemeldet. Zahlreiche Personen wurden festgenommen, teilte die Polizei mit. Die ersten Krawalle hatte es am Wochenende bei Protesten gegen die nächtliche Ausgangssperre gegeben, die die Regierung zur Eindämmung des Coronavirus angeordnet hat. Mittlerweile ist die Motivation der überwiegend jugendlichen Randalierer aber nicht mehr klar. Nach Angaben der Polizeigewerkschaft NPB sind es die heftigsten Ausschreitungen seit Jahrzehnten.

26.01.2021

In zehn Städten in den Niederlanden ist es erneut zu schweren Krawallen gekommen. Verschiedene Gruppen sind randalierend durch die Strassen gezogen und haben versucht, in Spitäler einzudringen.

Die Niederlande haben am Montagabend erneut schwere Ausschreitungen in Folge von aus dem Ruder gelaufenen Protesten gegen die Corona-Ausgangssperre erlebt. Hunderte gewaltbereite Jugendliche randalierten nach Polizeiangaben bis zum späten Montagabend in mehreren Städten und griffen die Polizei an.

epa08965126 A large group of young people seeks confrontation with the police and pelts the police present with stones and fireworks on Beijerlandselaan in Rotterdam, The Netherlands, 25 January 2021. Police's mobile unit is present and has carried out charges to clear the street. Some arrests have also been made and a water cannon has been used. Nationwide protest against coronavirus restrictions and curfew imposed by Dutch government broke out during the weekend in many Dutch cities, leading to some violent riots and clashes with Police. EPA/KILLIAN LINDENBURG / MEDIATV
Schwere Krawalle: Rotterdam am 25. Januar.
KEYSTONE

Die Menschen hatten sich kurz vor Beginn der Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie in Stadtzentren versammelt. In grossen Gruppen zogen sie plündernd und randalierend durch die Strassen. Unruhen wurden aus etwa zehn Städten gemeldet – darunter Amsterdam, Den Haag und Rotterdam. Mehr als 151 Personen wurden nach Angaben der Polizei festgenommen.

«Schamlose Diebe», klagte Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb über den Mob. In seiner Stadt waren unter anderem Geschäfte zerstört und geplündert worden. «Wir konnten noch keine Bestandsaufnahme machen, aber es ist trotzdem eine traurige Bilanz», wurde er von der Zeitung «De Telegraaf» zitiert.

Plünderungen und Angriffe auf Polizisten

In Den Bosch waren die Ereignisse nach einem Bericht eines Reporters des TV-Senders NOS «gehörig aus dem Ruder gelaufen». Nach einem Feuerwerk sei eine sehr grosse Gruppe von Randalierern in die Stadt gezogen. «Auf der gesamten Strecke wurden Plünderungen begangen, Feuer gelegt, Autos zerstört, Geschäfte geplündert.»

epa08964077 People protest against coronavirus restrictions in 18 Septemberplein in Eindhoven, the Netherlands, 24 January 2021 (issued 25 January 2021). Clashes between police and protesters erupted on 24 January as hundreds demonstrated against coronavirus restrictions in Eindhoven. According to news reports, the police used water cannons and tear gas to disperse the illegal protest and arrested more than 30 people. The Netherlands has been in a tough lockdown since December that is expected to continue to 09 February. EPA/ROB ENGELAAR
Ein Bild aus Eindhoven vom 24. Januar.
KEYSTONE

In Rotterdam wurden Polizisten nach Berichten von NOS von rund 100 Randalierern mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen. Die mobile Einheit der Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Nach Polizeiangaben wurden in der Hafenstadt rund 50 Menschen festgenommen.

Randalierer zogen durch verschiedene Städte der Niederlande, schlugen Fensterscheiben ein und plünderten Geschäfte. Bushaltestellen wurden demoliert, Feuer gelegt und Polizisten mit Feuerwerk und Steinen angegriffen.

Störer versuchten, in Spitäler einzudringen

Auch Journalisten und Kamera-Teams waren nach Medienberichten Opfer von Gewalt. Die Polizei forderte inzwischen über Twitter Bürger auf, eventuelle Videoaufnahmen von den Ereignissen einzusenden, um die Ermittlungen zu erleichtern.

In Brabant und den Bosch versuchten Randalierer nach Medienberichten auch, in Spitäler einzudringen. Die Polizei habe die Zugänge weiträumig abgeriegelt. Krankenwagen mussten in andere Kliniken ausweichen.

Krawalle in Rotterdam: Ein Feuerwehrmann löscht einen Container, der bei Protesten gegen eine landesweite Ausgangssperre in Brand gesetzt wurde. 
Bild: Keystone/AP/Peter Dejong

Gegen Mitternacht hatte die Polizei die Lage weitgehend unter Kontrolle, wie Polizeichef Willem Woelders im TV-Sender NOS sagte. «Wir stellen fest, dass es im grössten Teil der Niederlande wieder ruhig ist.»

Mehrere Gruppen beteiligt

Anlass der Unruhen sind die von der Regierung verhängten verschärften Corona-Massnahmen und eine seit Samstag geltende Ausgangssperre. Doch Polizei und Bürgermeister der betroffenen Städte gehen davon aus, dass sich verschiedene Gruppen an den Krawallen beteiligen – darunter Corona-Leugner, Fussball-Hooligans und Neonazis.

Sonntagnacht hatten schwere Unruhen in etwa zehn Städten das Land erschüttert. Die Polizei hatte von den schlimmsten Krawallen seit 40 Jahren gesprochen. Polizei und Bürgermeister hatten zuvor bereits vor weiteren Unruhen gewarnt, nachdem mehrere Aufrufe in den sozialen Medien erschienen waren. Erste Krawalle hatte es bereits am Samstag gegeben.

Niederlande: Randale bei Corona-Protesten

Niederlande: Randale bei Corona-Protesten

Bei Protesten gegen verschärfte Corona-Einschränkungen sind in mehreren niederländischen Städten am Sonntag Krawalle ausgebrochen. In Eindhoven wurden Autos angezündet, Ladenfronten zertrümmert und Geschäfte geplündert. Demonstranten und die Polizei lieferten sich gewalttätige Auseinandersetzungen. Nach Berichten von lokalen Medien wurde rund 250 Demonstranten festgenommen. Ähnliche Bilder gab es aus Amsterdam. Dort sollen die Proteste zum Teil von Restaurantbesitzern organisiert worden sein, die von den lang anhaltenden Corona-Beschränkungen in dem Land genervt waren. Im Zentrum von Amsterdam setzte die Polizei Wasserwerfer, Hunde und berittene Beamte ein. Die Einsatzkräfte wurden nach eignen Angaben mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. In mindestens zehn Städten seien am Abend Bereitschaftspolizisten mobilisiert worden. Die Proteste richteten sich gegen die verschärften Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, darunter eine nächtliche Ausgangssperre. Das Parlament hatte die Einschränkungen mit knapper Mehrheit genehmigt. Zwar war die Zahl der Neuinfektionen in den Niederlanden zuletzt rückläufig. Sorgen bereitet aber die Mutation des Virus, die erstmals in England aufgetaucht war. Insgesamt haben die Niederlande bislang 13.540 Corona-Tote und über 940.000 Infektionen verzeichnet.

25.01.2021

Am Samstagabend war in den Niederlanden erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie landesweit eine Ausgangssperre in Kraft getreten. Die Bürger müssen von 21 bis 4.30 Uhr in ihren Wohnungen bleiben. Verstösse werden mit Geldbussen von gut 100 Franken bestraft.

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