Fallgruben auf dem Weg zum Gipfeltreffen

Eric Talmadge, AP

9.3.2018

Schon im Mai sollen US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un zu einem Treffen zusammenkommen - ein mutiger, kühner und möglicherweise bahnbrechender Schachzug für beide Seiten. Wenn Trump jedoch seine Karten nicht klug ausspielt, könnte er auf ein diplomatisches Desaster zusteuern.

Skeptiker eines Gipfeltreffens verweisen auf das Problem der Legitimation als grösste Sorge. Für Trump wäre schon ein gemeinsames Foto mit Kim Jong Un eine Falle. Will er wirklich Seite an Seite stehen mit einem Mann, den seine Regierung als brutalen, skrupellosen Diktator angeprangert hat, dem man nicht vertrauen kann? Was für eine Botschaft sendet das an die Welt? Und was passiert, wenn der nordkoreanische Staatschef darauf besteht, dass das Treffen in Pjöngjang stattfindet?

«Kim hat Trump nicht eingeladen, um seine Atomwaffen aufzugeben», sagt Vipin Narang, Professor für Politikwissenschaft an Massachusetts Institute of Technology. «Er hat ihn eingeladen, um von den Vereinigten Staaten von Amerika als ebenbürtig behandelt zu werden - ein Ziel, das jeder Kim verfolgte, seit Nordkorea sein Atomprogramm begann.»

Was verspricht sich Donald Trump vom Treffen mit Kim Jong Un genau?
Bild: Keystone

Hat Trump realistische Ziele?

Eine weitere Hürde sieht Narang in der kurzen Zeit bis zu einem geplanten Gipfeltreffen, das im Mai stattfinden soll. Beide Länder haben derzeit keinerlei Kontakt, das mache es schwer einzuschätzen, welche Ziele realistisch zu erreichen seien. «Trump wird erreichen wollen, dass Nordkorea sofort eine vollständige, überprüfbare und unwiderrufliche Denuklearisierung zusagt», erklärt der Politikwissenschaftler. «Das wird es nicht. Nordkorea wird wollen, dass die USA zusagen, ihre feindselige Politik vollständig zu beenden. Das werden sie nicht. Und beide Seite erreichen nichts.»

Das Weisse Haus hat erklärt, die Entscheidung für ein Gipfeltreffen sei zurückzuführen auf Trumps kühnen, instinktgesteuerten Stil. Darüber ist Suzanne DiMaggio von der New America Foundation in Washington besorgt. Sie ist für die inoffiziellen Kontakte nach Nordkorea zuständig und hat als eine von wenigen Amerikanern Erfahrung im Umgang mit nordkoreanischen Unterhändlern. Auf einen Gegner zuzugehen, mit dem seit vielen Jahren kaum gesprochen worden sei, stelle eine grosse Herausforderung dar, erklärt sie. Kombiniere man das mit Trumps berüchtigter Neigung, vom Skript abzuweichen und seiner Bewunderung für autoritäre Herrscher, «könnte das unsere Verhandlungsposition schwächen».

Und den USA fehlt Personal: Der Posten des Botschafters in Südkorea ist noch immer unbesetzt. Der US-Sondergesandte für Nordkorea, Joseph Yun, der einer der erfahrensten Nordkorea-Experten in Amerika ist, ging kürzlich in Rente.

Adam Mount vom Bund Amerikanischer Wissenschaftler sieht in der fehlenden Vorarbeit ein weiteres Problem für das Gipfeltreffen. Nordkorea könnte ein vernünftiges Angebot auf den Tisch legen, das Trump trotzdem nicht annehmen wolle. Dann könnten andere regionale Parteien und besonders China zu dem Schluss kommen, dass nicht Pjöngjang das Problem sei. Dieses Risiko sei grösser, weil die US-Regierung die Einladung zum Gipfeltreffen angenommen habe, ohne zuvor Gespräche zu führen, wie es vor solchen Treffen üblich sei, erklärt Mount.

Besitzt Donald Trump das nötige Feingefühl für das Gipfeltreffen?
Bild: Keystone

Was, wenn Trump enttäuscht wird?

Doch auch ohne einen grossen Durchbruch könnte ein Gipfeltreffen mit Nordkorea den USA Vorteile bringen. Schon ein tragfähiger Kommunikationsweg und zumindest grundlegende Beziehungen könnten helfen, künftige Spannungen leichter zu lösen, bevor sie eskalieren. Solle Trump allerdings auf der Suche nach einem grossen Triumph in das Treffen gehen und hinter den Erwartungen zurückbleiben, dann könnten ihm nur wenige Optionen für den nächsten Schritt bleiben.

«Wenn Trump tatsächlich teilnimmt und erwartet, ein atomwaffenfreies Nordkorea verkünden zu können, dann wird er enttäuscht werden und ist möglicherweise so verärgert, dass er Gespräche für sinnlos hält und glaubt, nur noch militärische Optionen zu haben», warnt Professor Narang. All das müsse vor einem Treffen geklärt werden, um ein Scheitern zu verhindern.

Für beide Seiten gebe es ausreichend Spielraum, um sich noch zurückzuziehen, sagt Narang. Er halte Gespräche auf Arbeitsebene für den vielversprechendsten Weg. «Keine Gespräche und ein übereiltes Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim werden wahrscheinlich beide schlimm enden.»

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