Islamistischer Anschlag – Strassburg-Attentäter sass in Basel im Gefängnis 

tafi/SDA/DPA/AFP/phi

12.12.2018

Nach der Attacke auf dem Strassburger Weihnachtsmarkt mit drei Toten suchen die Behörden fieberhaft nach dem flüchtigen Täter. Was  über ihn bekannt ist.



Chérif Chekatt war der Polizei bekannt

Der mutmassliche Angreifer von Strassburg ist nach Informationen mehrerer Agenturen und Zeitungen ein französischer Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln. Der 29-jährige Chérif Chekatt wurde demnach in Deutschland wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und war in Singen, im Bundesland Banden-Württemberg, in Haft. Nach dem Verbüssen der Strafe wurde er im Jahr 2017 nach Frankreich abgeschoben.

Der 29-Jährige sass auch in Basel im Gefängnis

Der mutmassliche Täter hat offenbar auch eine Akte bei den Schweizer Justizbehörden: Nach Informationen eines «SonntagsBlick»-Reporters wurde Chekatt 2013 wegen diverser Einbrüche zu eineinhalb Jahren Knast verurteilt, von denen er 16 Monate abgesessen hat, bevor er entlasssen wurde.

Täter sollte am Tatmorgen verhaftet werden

Laut der Nachrichtenagentur AFP hätte der Mann am Dienstagmorgen wegen anderer Vorwürfe – nach unterschiedlichen Angaben wegen bewaffneten Raubes oder im Zuge von Ermittlungen wegen versuchten Mordes – festgenommen werden sollen. Er wurde aber nicht in seiner Wohnung angetroffen.

Im Zusammenhang mit der Tat hat die Polizei nach eigenen Angaben mittlerweile fünf Personen verhaftet, die Verbindungen zu dem Verdächtigen gehabt haben sollen.

Als Gefährder eingestuft: Ist Chekatt Islamist?

Die Sicherheitsbehörden hatten den Angreifer zudem als Gefährder eingestuft. Frankreichs stellvertretender Innenminister Laurent Nunez sagte: «Während seiner Zeit im Gefängnis wurde eine Radikalisierung in seiner religiösen Praxis festgestellt. Deshalb wurde er überwacht.» Einen terroristischen Hintergrund wollten die Behörden bisher nicht bestätigen. 

Andererseits passt Chérif Chekatt ins Profil – trotz oder gerade wegen seiner kriminellen Vergangenheit. Er hat wie etwa auch die Todesschützen von Paris einige Taten auf dem Kerbholz. Genau diese Personen werden von Islamisten gezielt gesucht und umgedreht, weil sie als vorbestrafte Secondos und gesellschaftliche Outsider oft besonders anfällig für die Propaganda der Extremisten sind.

Staatsanwalt geht von islamistischem Anschlag aus

Französische Strafverfolger gehen davon aus, dass es sich um ein islamistisches Attentat handelt. Der Täter habe bei seinem Angriff mit einer Handfeuerwaffe und einem Messer «Allahu akbar» gerufen – darum habe die Anti-Terror-Staatsanwalt in Paris die Ermittlungen übernommen. «Der Terrorismus hat erneut Frankreich getroffen», sagte Generalstaatsanwalt Rémy Heitz. Er drückte sein Beileid für Angehörige und Anwesende aus, die von dem Attentat traumatisiert wurden.

Chekatt prahlte auf der Flucht mit seiner Tat

Der Generalstaatsanwalt Rémy Heitz rekonstruierte den Tathergang: Nach dem Attentat sei der Verdächtige in ein Taxi gestiegen. Er habe dem Fahrer erzählt, er habe gerade mehrere Menschen getötet, sagte Heitz. Nach Angaben des Taxifahrers ist der Verdächtige verletzt.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung sollen Granaten gefunden worden sein, wie der Radiosender «France Info» und die Zeitung «Le Parisien» berichten. Strassburgs Bürgermeister Roland Ries bestätigte am Morgen im Radiosender Europe 1, dass der mutmassliche Täter immer noch gesucht werde. Heitz berichtet, Chekatt sei in einem gestohlenen Taxi entkommen.

Bitte nicht vergessen

Bei Schusswechsel verletzt

Bei der Flucht habe sich der Angreifer zweimal Schusswechsel mit Sicherheitskräften geliefert. Der Mann soll dabei von Soldaten verletzt worden sein. Auf die Frage, ob der Mann ins benachbarte Deutschland geflüchtet sein könnte, antwortetete Bürgermeister Ries: «Die Grenze ist im Prinzip geschlossen.»

Grenzen nach Deutschland dicht

Nach dem Terroranschlag kontrolliert die deutsche Bundespolizei mehrere Grenzübergänge von Deutschland nach Frankreich. Wie ein Sprecher am Mittwochmorgen sagte, ist die Polizei in Kehl, Iffezheim, Breisach und Rheinau im Einsatz. Pendler müssten sich auf lange Wartezeiten einstellen.

Der Anschlag von Strassburg
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