Joe Biden: «Hören wir auf, unsere Gegner als Feinde zu sehen»

Von René Sollberger

8.11.2020

Die erste Auftritt des neuen US-Präsidenten Joe Biden war kraftvoll, aber versöhnlich. Er liess keine Zweifel an seiner Kompetenz und an seinem Machtanspruch. Seine Vizepräsidentin Kamala Harris wandte sich an die Schwarzen, insbesondere an die Frauen, und machte ihnen Mut.

«Wir müssen aufhören, unsere Gegner als Feinde zu sehen», war wohl die Kernaussage des künftigen US-Präsidenten Joe Biden bei seiner Ansprache in Wilmington in seinem Heimatstaat Delaware. Er appellierte am Samstagabend (Ortszeit) an die Anhänger von Amtsinhaber Donald Trump, ihm eine Chance zu geben, um gemeinsam für ein besseres Amerika zu arbeiten. Er sei als Demokrat gewählt worden, aber er werde der Präsident des ganzen Landes sein und «genauso hart für alle arbeiten, die mich nicht gewählt haben». Es sei an der Zeit, «die harsche Rhetorik beiseite zu legen», forderte Biden. «Geben wir uns gegenseitig eine Chance.»

Der neue US-Präsident Joe Biden und seine Frau Jill Biden winken dem Publikum nach Bidens Ansprache vor dem Chase Center in Wilmington in Bidens Heimatstaat Delaware.
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«Wer für Trump gestimmt hat - ich verstehe euch, ich habe selber ein paar Mal verloren», sagte Biden in Anspielung auf seine erfolglosen Versuche 1988 und 2008, als Kandidat für die Demokraten ins Rennen um das Weisse Haus zu gehen. Immerhin war er von 2009 bis 2017 Barack Obamas Vize.

«Düstere Ära der Dämonisierung» beenden

Biden ermuntert die Amerikaner zu einem Neubeginn. «Lasst uns diese düstere Ära der Dämonisierung hier und jetzt zu Ende gehen lassen», sagte er und rief zu überparteilicher Zusammenarbeit auf. Die Wähler verlangten, dass Republikaner und Demokraten in ihrem Interesse kooperierten.



«Wir haben die Chance, die Verzweiflung zu besiegen, eine Nation des Wohlstands und Ziele aufzubauen. Wir können das schaffen», so Biden etwas später in seiner Rede. Die Amerikaner hätten ihm das Mandat gegeben, den Kampf gegen das Coronavirus zu führen, für Gerechtigkeit zu sorgen und strukturellen Rassismus auszurotten. «Der Kampf, den Anstand wieder herzustellen, die Demokratie zu verteidigen und jedem in diesem Land eine faire Chance zu geben.»

«Ich verspreche, ein Präsident zu sein, der danach strebt, nicht zu spalten, sondern zu einen», sagte Biden weiter. Die Amerikaner hätten ihm mit ihrem Votum «einen grossen Sieg» beschert. Das sei die Ehre seines Lebens. Seine Regierung werde die «Seele Amerikas» und den Respekt für die USA auf der Welt wieder herstellen.



Kamala Harris: Für Amerika beginnt ein neuer Tag

Die amerikanischen Wähler haben nach Ansicht der gewählten US-Vizepräsidentin Kamala Harris eine Wende in den Vereinigten Staaten eingeleitet. «Als unsere Demokratie selbst auf dem Wahlzettel stand, die Seele Amerikas auf dem Spiel stand und die Welt zuschaute, habt ihr einen neuen Tag für Amerika eingeläutet», sagte sie in ihrer Siegesrede, bevor sie Joe Biden auf die Bühne holte. Die Amerikaner hätten sich mit ihrer Wahl für Biden für Hoffnung, Einheit, Wissenschaft und Wahrheit entschieden, sagte Harris. Der gewählte Präsident sei ein «Heiler», jemand, der Amerika einen könne.

Die 56-jährige Harris würde die erste Frau und schwarze Amerikanerin im Vizepräsidentenamt. Sie selber sagte dazu: «Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein. Denn jedes kleine Mädchen, das heute Nacht zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist.»



Der 30-minütige Auftritt des Duos ging unter Anwesenheit der Familien von Biden und Harris mit einem Feuerwerk, kombiniert mit einer Drohnen-Lasershow und begleitet von Rockmusik-Hits, zu Ende.

Die künftige US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat an ihrer Rede an die Nation am Samstagabend (Ortszeit) von einem denkwürdigen Tag für die Vereinigten Staaten gesprochen.
Keystone
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