Nach Anschlag mit 49 Toten: Polizei will Täter-Video aus Internet entfernen

tsha/dpa

15.3.2019 - 17:30

Der Täter von Christchurch hat seine Terrorattacke gefilmt und im Internet veröffentlicht. Die neuseeländische Polizei warnt nun davor, sich die Aufnahmen anzuschauen.

Nach dem Terroanschlag von Christchurch mit mindestens 49 Toten ist das Video, das der Täter während des Angriffs filmte und live ins Internet streamte, ins Interesse der Öffentlichkeit geraten. Die neuseeländische Polizei warnt unterdessen davor, sich die «exterem verstörenden Aufnahmen» anzusehen. «Wir drängen darauf, den Link nicht zu teilen», heisst es in einer Twitter-Nachricht. «Wir arbeiten daran, dass die Aufnahme entfernt wird.»

Während Twitter das Profil des Täters bereits gelöscht hat, will YouTube nach eigenen Angaben alles daran setzen, dass die Aufnahmen auf der Videoplattform nicht verbreitet werden. «Unsere Herzen sind gebrochen wegen der schrecklichen Tragödie in Neuseeland», heisst es in einer Stellungnahme des Unternehmens. «Wir werden wachsam daran arbeiten, gewalttätiges Filmmaterial zu entfernen.» Auch Facebook hat das Profil des Täters gelöscht sowie den Livestream des Terrorangriffs, den der Täter dort veröffentlicht hatte, entfernt.

Wie «Spiegel Online» berichtet, warnt der neuseeländische Rechtsprofessor Alexander Gillespie von der Universität von Waikato, die Verbreitung des Videos könne Nachahmungstäter anstiften.

17 Minuten Gewalt

Das 17-minütige Video beginnt laut Nachrichtenagentur dpa, als der  mutmassliche Attentäter, der 28 Jahre alten Australier Brenton Tarrant, mit seinem Auto zu einer Moschee fährt. Auf dem Beifahrersitz liegen mehrere Schnellfeuerwaffen. Im Kofferraum lagern weitere, wie später zu sehen ist. Der Attentäter trägt einen Tarnanzug. Ein Navi führt ihn an sein Ziel. Im Auto läuft ein nationalistisches, serbisches Kriegslied. Die Tat filmt der Angreifer wohl über eine Helmkamera. Bevor er aus dem Auto aussteigt, zeigt er sein Gesicht. Er blickt direkt in die Kamera. Durch die Vordertür betritt er dann die Moschee und eröffnet das Feuer.

Der Täter von Christchurch filmte sich und seinen Terroranschlag.
Bild: Keystone

In den Minuten darauf läuft der Schütze durch die Räume der Moschee, zielt auf einzelne Personen oder schiesst in Menschengruppen. Es ist die Perspektive eines sogenannten Ego-Shooters, wie sie aus Computerspielen bekannt ist: Es sind nur der Lauf seiner Waffe und die sterbenden Opfer zu sehen. Der Angreifer nutzt mehrere beschriftete Waffen. Darauf steht etwa ein rassistischer Spruch sowie der Name eines elfjährigen Mädchens, das bei einem Terroranschlag 2017 in Schweden getötet wurde.

Nach wenigen Minuten kehrt der Attentäter zu seinem Auto zurück, um mehr Waffen zu holen. Er betritt daraufhin wieder die Moschee, zielt diesmal auch auf regungslose Körper. Das Video endet, als der Schütze mit hoher Geschwindigkeit davonfährt. Während der Fahrt schiesst er auch aus dem Fenster seines Wagens.

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