Nach Obama-Tweet brennen bei Trump die Sicherungen durch

tafi

18.2.2020 - 18:50

Wem gebührt das Lob für die gute wirtschaftliche Lage der USA? Darüber streiten nicht nur Donald Trump (l.) und Barack Obama: Das ganze Land ist tief gespalten.
Keystone

US-Präsident Donald Trump wittert Betrug, weil Amtsvorgänger Barack Obama ein Konjunkturprogramm lobt, das er vor elf Jahren angekurbelt hatte. Der erbitterte Twitter-Streit zeigt, wie gespalten die USA sind.

Man mag von seiner Politik halten, was man will: In Sachen Wutausbrüchen macht Donald Trump so schnell keiner etwas vor. Überraschend ist es also nicht, dass der 45. Präsident der Vereinigten Staaten auf Twitter einmal mehr ausrastete und «wie ein kleines Kind mit Sand um sich warf, nur weil ein anderer Junge ein grösseres Spielzeug hat», wie es ein Twitter-Nutzer ausdrückte.

Was war geschehen? Ausgerechnet Trumps Vorgänger im Weissen Haus hatte sich erdreistet, an den elften Jahrestag des «American Recovery and Reinvestment Act» zu erinnern. Barack Obama hatte das 800 Milliarden Dollar schwere Konjunkturprogramm kurz nach seinem Amtsantritt 2009 unterschrieben, um die darbende Wirtschaft anzukurbeln. Die lag nach der Finanzkrise am Boden.

Obama schrieb, durchaus etwas prahlerisch, auf Twitter, dass damit «der Weg für mehr als ein Jahrzehnt des Wirtschaftswachstums und die längste Serie der Schaffung von Arbeitsplätzen in der amerikanischen Geschichte» geebnet worden sei.

Wirtschaftsexperten und politische Analysten sehen das ähnlich, die von Obama veranlassten Steuersenkungen und Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Gesundheitswesen hätten sich schnell ausgezahlt. Der wirtschaftliche Aufschwung überdauerte Obamas Amtszeit und hält auch unter Trump weiter an, wenngleich weniger dynamisch.



Weil Donald Trump aber Donald Trump ist, sorgte der eigentlich harmlose Tweet Obamas für eine veritable Twittertirade. Schliesslich ist er in seinem Selbstverständnis allein verantwortlich für die «grossartigste Wirtschaft in der Geschichte unseres Landes». Nicht von ungefähr hat Trump das Wirtschaftswachstum zum Hauptthema seiner Kandidatur zur Wiederwahl gemacht.

Es dauerte nicht lange, bis Trump auf Obamas Tweet reagierte, und wie erwartet werden konnte, fiel seine Antwort heftig aus. «Haben Sie vom letzten Betrug gehört?», fragte er seine Follower. Obama versuche, «die Lorbeeren für den unter der Trump-Administration stattfindenden Wirtschaftsboom zu ernten». Hätten die Demokraten 2016 gewonnen, «wären die USA jetzt in grossen wirtschaftlichen (Rezession?).» (sic!)



Nun ist ein Trumpscher Twitter-Zwist eigentlich keine Nachricht, es gibt sie beinahe täglich. Doch die Reaktionen auf die wütende Attacke des Präsidenten zeigen, wie gespalten die USA wirklich sind. Das zeigt sich laut «Watson» sowohl bei den Medien, als auch bei den Twitter-Nutzern. Während Fox News, Trumps rechtskonservativer Lieblingssender, den amtierenden Präsidenten vehement verteidigt, bescheinigt ihm der eher links orientierte Sender MSNBC Realitätsverlust.

Erfrischend nüchtern überprüfte hingegen CNN die Behauptungen Trumps auf ihren Wahrheitsgehalt. Trumps Superlative hielten dem Faktencheck nicht stand. Er zeigte vielmehr, dass die Wirtschaftszahlen unter beiden Präsidenten ähnlich sind. Zu diesem Ergebnis kommt auch die «Washington Post», die sich in einer ausführlichen Analyse mit dem Sturm im Twitterglas beschäftigt.

Anhänger und Gegner Trumps liefern sich derweil auf Twitter eine Schlacht um die Deutungshoheit, die hochgradig polemisch und beleidigend geführt wird. Sachliche Aussagen scheinen in der Ära Trump keine Konjunktur zu haben, wie diese Auswahl von Tweets zeigt.

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