Der Blick auf Israel schürt Zweifel am Pfizer-Impfstoff

lmy

21.7.2021

epa09324435 A minor receives a COVID-19 vaccine at a vaccination station in Tel Aviv, Israel, 05 July 2021. Israel starts a vaccination campaign to vaccinate minors between 12 to 18 years old. EPA/ABIR SULTAN
Israel hat mittlerweile mit dem Impfen von 12- bis 18-Jährigen begonnen.
KEYSTONE

Israel verschärft die Corona-Massnahmen wieder, verabreicht bereits dritte Dosen – und hat neue Daten, die Besorgnis erregen: Die Wirksamkeit des Impfstoffes von Pfizer/Biontech könnte schnell nachlassen.

lmy

21.7.2021

Am Mittwoch sind in Israel 1400 neue Ansteckungen mit dem Corona-Virus gemeldet worden. Diese Woche wurde erstmals wieder die 1000er-Marke überschritten, auch die Spitaleinweisungen stiegen an. Nun wurden wieder neue Beschränkungen eingeführt: So gilt die im Juni kurzfristig aufgehobene Maskenpflicht in geschlossenen Räumen inzwischen wieder.

Bereits im vergangenen Dezember startete in Israel eine grossangelegte Impfkampagne, mittlerweile haben rund 62 Prozent der 9,3 Millionen Einwohner eine erste Corona-Impfung erhalten, mehr als 56 Prozent auch die zweite Dosis. Doch nun ist die Zahl der Schwerkranken in einem Monat von 19 auf 63 gestiegen. Mehr als die Hälfte davon hat mindestens eine Impfdosis erhalten. Im Januar lag die Zahl der Schwerkranken noch bei rund 1200.



Dritte Dosis verabreichen

Zudem zeigt eine neue Studie, dass die Wirksamkeit des Impfstoffes von Pfizer/Biontech schnell nachlässt, wie «Ynet» berichtet. So habe der Schutz vor einer Ansteckung unter früh Geimpften um 42 Prozent abgenommen, der Schutz vor einem schweren Verlauf sogar um 60 Prozent.

Die meisten dieser früh Geimpften seien aber in der Altersgruppe über 65 und die Wirksamkeit könnte in anderen Altersgruppen höher sein. Das israelische Gesundheitsministerium bezeichnete die Studie als beunruhigend, wies aber daraufhin, dass es nur eine erste Analyse der Rohdaten sei. Unsicher ist ebenso, ob diese Resultate auf ein Nachlassen des Impfstoffes oder eine höhere Resistenz der Delta-Variante zurückzuführen ist.

Bereits letzte Woche hat Israel damit begonnen, Patienten mit geschwächtem Immunsystem eine dritte Dosis zu verabreichen. Dafür steht laut dem Gesundheitsministerium der Impfstoff von Moderna zur Verfügung. Ausserdem wird nun diskutiert, ob dies auf die ganze ältere Bevölkerung ausgedehnt werden soll.

Israeli Prime Minister Naftali Bennett takes off his face mask as he chairs the weekly cabinet meeting at the Knesset in Jerusalem Monday, July 19, 2021. (Gil Cohen-Magen/Pool Photo via AP)
Premierminister Naftali Bennett äusserte Zweifel am Impfstoff von Pfizer/Biontech.
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Premierminister Naftali Bennett sagte vergangenen Freitag, dass die Wirksamkeit gegen die Delta-Variante schwächer als erhofft sei. Man wisse nicht genau, wie sehr der Impfstoff von Pfizer/Biontech helfe, aber es sei deutlich weniger, so Bennett laut «Blick» weiter. 

Auffrischung auch bei Johnson & Johnson nötig?

Auch der Impfstoff von Johnson & Johnson könnte laut einer neuen Studie gegen die Delta- und Lambda-Version weniger wirksam sein, wie die «New York Times» berichtet. Bei diesem Impfstoff wird am Anfang nur eine Dosis verabreicht und nicht zwei wie bei Moderna und Pfizer. Die Autoren der Studie empfehlen als Auffrischung eine zweite Impfdosis – am besten mit einem mRNA-Impfstoff wie Moderna oder Pfizer.

Auch der Impfstoff von AstraZeneca zeigte gemäss einer Studie nur eine Wirksamkeit von 33 Prozent gegen die Delta-Variante. Eine Studie von Johnson & Johnson hatte allerdings erst kürzlich ergeben, dass ihr Impfstoff auch acht Monate nach der ersten Dosis gegen die Delta-Variante wirksam ist.