US-Wahl

Polizei fand Amazon-Pakete und keine Stimmzettel am Strassenrand

DPA/jka

10.11.2020

Donald Trump und einige seiner Anhänger sprechen von systematischem Wahlbetrug durch die Demokraten. Beweise dafür gibt es keine. 
Bild: Keystone

Donald Trump spricht weiterhin von systematischem Wahlbetrug in den USA. Ein Video soll nun zeigen, wie «verloren gegangene» Stimmzettel gefunden werden. Das ist jedoch falsch. 

Erst am Montag bekräftigte Amtsinhaber Donald Trump seine Betrugsvorwürfe zu der Wahl in Georgia, Nevada und Wisconsin. Seine Niederlage bestreitet Trump weiterhin und gibt sich siegessicher, wie er am Dienstag via Twitter mitteilte. «We will win!», schrieb der Präsident – in Grossbuchstaben.

Hinweise auf systematischen Wahlbetrug gibt es in den USA jedoch keine. Trotzdem werden die Vorwürfe Trumps aufgegriffen. So verbreiten sich in sozialen Medien angebliche Beweise dafür. «Es tauchen immer mehr Videos auf, in denen ‹verloren gegangene› Stimmzettel gefunden werden», heisst es in einem Facebook-Beitrag zu einem solchen Video.

Darin sind zwei Sheriffs in Uniform und eine dritte Person mit einer Warnweste zu sehen, die mehrere Müllsäcke aus einem Gebüsch am Strassenrand tragen. In den Müllsäcken sind weisse Papiere und braune Paket zu erkennen.

Der Einsatz der Polizisten fand in der Stadt Hebron im US-Bundesstaat Kentucky statt. Auf Google Street View ist das Gebäude des Waffel-Imbisses aus dem Video zu erkennen sowie ein gelbes Hinweisschild, ein Gebäude im Hintergrund und die Strassenführung.

Kein Zusammenhang mit der US-Wahl

Tatsache ist aber, dass das Video in keinem Zusammenhang mit der US-Wahl steht. Die darin vorkommenden Polizisten aus dem US-Bundesstaat Kentucky wurden gerufen, weil in dem Gebüsch Säcke mit geöffneten Amazon-Paketen gefunden wurden. 

Das bestätigt das Büro des Sheriffs im zuständigen Boone County: «Es kursiert ein Video, das zwei unserer Vertreter dabei zeigt, wie sie grosse Säcke mit Post aus einem Gebüsch in Hebron entfernen. Einige haben angedeutet, dass sie weggeworfene Stimmzettel einsammeln. Das ist falsch», heisst es in einer Stellungnahme auf Facebook.

Am 7. November sei die Polizei auf entsorgte Pakete hingewiesen worden. «Es wurde berichtet, dass mehrere grosse Säcke entdeckt wurde, die dem Anschein nach mit Amazon-Paketen gefüllt waren und zerrissen und / oder geöffnet wurden», teilt das Büro des Sheriffs weiter mit. Die Polizisten hätten daraufhin fünf Säcke im Gebüsch am Strassenrand gefunden und tatsächlich Pakete der Versanddienstleisters entdeckt.

Büro des Sheriffs bestätigt Stellungnahme auf Facebook

«Zusätzlich reagierte ein Vertreter von Amazon auf die Situation und bestätigte, dass die gefundenen Pakete aus ihrer örtlichen Niederlassung kamen», so ist der Stellungnahme weiter zu entnehmen.

Dem brasilianischen Faktencheck-Portal «Aos Fatos» bestätigte das Büro des Sheriffs in Boone County, dass sich die Stellungnahme auf das verbreitete Video bezieht, das ursprünglich auf einem Tiktok-Account veröffentlicht wurde.

Der US-Bundesstaat Kentucky, in dem der Polizeieinsatz stattfand, ist im Übrigen nicht umstritten bei der Präsidentschaftswahl. Donald Trump konnte ihn mit mehr als 60 Prozent der Stimmen für sich entscheiden.

Trump sprach schon im Vorfeld von Wahlbetrug

Aufgrund eindeutiger Prognosen haben US-Medien am Samstag Joe Biden zum Sieger der US-Präsidentschaftswahl erklärt. Der amtierende US-Präsident Trump erkennt das Ergebnis bisher nicht an und spricht von Wahlbetrug.

Bereits im Vorfeld der Wahl hatte Trump darauf bestanden, dass er diese nur verlieren könne, wenn die Demokraten sie manipulierten. «Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, wie wir verlieren können: massiver Wahlbetrug», sagte der Präsident Ende Oktober in Pennsylvania.

Bis jetzt wurden aber nach wie vor keine Fälle von systematischem Wahlbetrug zugunsten des gewählten Präsidenten Joe Biden bestätigt.

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