Russische Zeitung veröffentlicht mutmassliche Audio-Botschaft von Skripal

AFP

23.5.2019

Die Dekontaminierung des Hauses des früheren Spions Sergej Skripal dauerte mehrere Monate. 
Bild: Keystone/AP PA/Ben Birchall (Archivbild)

Eine russische Zeitung hat eine mutmassliche Audio-Botschaft von Sergej Skripal veröffentlicht. Der vergiftete Ex-Doppelagent soll seine Nichte in Russland angerufen haben.

Eine russische Boulevardzeitung hat eine mutmassliche Audio-Botschaft des in Grossbritannien vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal veröffentlicht. Die Zeitung «Moskowski Komsomolez» schrieb am Donnerstag auf ihrer Internetseite, in der 30-sekündigen Aufnahme sei die Stimme Skripals zu hören. Dem Bericht zufolge soll er am 9. Mai seine in Russland lebende Nichte angerufen und eine Nachricht hinterlassen haben. Das britische Aussenministerium zeigte sich angesichts des Berichts empört.

Sollte sich die Echtheit der Aufnahme bestätigen, wäre es das erste Lebenszeichen Skripals seit seiner Vergiftung Anfang März 2018 im englischen Salisbury. Nach Angaben der britischen Behörden hat sich der 67-jährige Ex-Spion von dem Giftanschlag erholt und ist unter britischem Schutz an einem geheimen Ort untergebracht.

Bitte um Wahrung der Privatspähre

Seine ebenfalls vergiftete Tochter Julia hatte im Mai vergangenen Jahres eine Video-Botschaft veröffentlicht und um Wahrung ihrer Privatsphäre gebeten. Ihr Vater äusserte sich dagegen nicht öffentlich. Die mutmasslich am 9. Mai angerufene Nichte Viktoria Skripal hat russischen Medien indes schon mehrfach Interviews gegeben.

Der Boulevardzeitung zufolge rief Skripal seine Nichte am 9. Mai an – dem Tag, an dem Russland den Sieg über Nazi-Deutschland feiert -, um ihr alles Gute zu wünschen. «Alles ist gut bei mir, bei uns, mit Juletschka (Koseform für Julia) auch», sagt die männliche Stimme in der Aufnahme. «Ich wollte wissen, wie es Dir geht.»

Dem Blatt zufolge ist es bereits das zweite Mal, dass Skripal seine in Jaroslawl nordöstlich von Moskau lebende Verwandte kontaktierte. Demnach rief er sie bereits im April an, nachdem Viktoria Skripals Ehemann von einem Mann geschlagen worden sein soll, der sie wegen ihrer Verwandtschaft mit einem Doppelagenten beleidigt hatte.

Britisches Aussenministerium protestiert

Das britische Aussenministerium erklärte am Donnerstag, Telefonate zwischen Sergej Skripal und seiner Familie seien «eine private Angelegenheit». Es sei «beunruhigend, dass ihre Privatsphäre offenbar auf diese Weise missbraucht wurde».

Die Skripals hatten den Giftanschlag nur knapp überlebt. London macht die Regierung in Moskau für die Tat verantwortlich. Russland weist eine Verwicklung zurück. Eine 44-jährige Britin, die später mit dem Nervengift in Kontakt kam, starb.


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