Russland will schon in zwei Wochen Impfstoff zulassen

uri

29.7.2020 - 11:51

Rekordtempo und Optimismus bei Suche nach Corona-Impfstoff

Rekordtempo und Optimismus bei Suche nach Corona-Impfstoff

Mehr als 150 Impfstoffe gegen das Coronavirus werden derzeit getestet. Und Experten gehen davon aus, dass in nicht allzu ferner Zukunft auch Mittel auf den Markt kommen. Ob das dann aber schon der ganz grosse Wurf ist, bleibt abzuwarten.

20.07.2020

Russische Wissenschaftler haben eine vermeintliche Sensation verkündet. Bereits bis Mitte August wollen sie den ersten Impfstoff gegen Covid-19 an den Start bringen.

Weltweit läuft das Rennen um den ersten Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus. Laut der WHO werden derzeit 23 potenzielle Vakzine an Menschen getestet. Russland behauptet nun, dass man als Erster durchs Ziel gehen werde: Bereits in weniger als zwei Wochen soll hier ein Impfstoff zugelassen werden.

Wie der US-Sender CNN berichtet, bestätigten russische Beamte, dass man für die Genehmigung des Impfstoffes auf einen Termin um den 10. August «oder früher» hinarbeite. Das Vakzin werde im Gamaleya-Institut in Moskau entwickelt. Man sei hier so schnell, weil es sich um eine modifizierte Version eines bereits bestehenden Impfstoffes gegen eine andere Krankheit handelt. Dieses Vorgehen an sich sei nicht neu. Auch der von den USA unterstützte Impfstoff des US-Unternehmens Moderna folge etwa diesem Ansatz und arbeite mit einem bestehenden Vakzin gegen das aus der Coronafamilie stammende Mers-Virus.

Ein «Sputnik-Moment» für Russland

In Russland gibt man sich trotzdem überzeugt, dass man Bahnbrechendes leisten wird. In Anspielung an den ersten Satelliten im All sprach Kirill Dmitriev, der Leiter des russischen Staatsfonds, der die nationale Impfstoffforschung finanziert, gegenüber CNN von einem «Sputnik-Moment». Es sei wie im Jahr 1957 mit dem ersten Satelliten im All: «Die Amerikaner waren überrascht, als sie Sputniks Piepen hörten. Bei diesem Impfstoff ist es genauso. Russland wird zuerst ankommen», fügte er hinzu.

Ein Forscher arbeitet in einem Labor an einem Impfstoff gegen Covid-19. (Symbolbild)
Bild: Getty Images

Obwohl der russische Impfstoff derzeit noch in der zweiten Testphase steckt, die andere Impfstoffkandidaten bereits hinter sich gebracht haben, wollen die Moskauer Wissenschaftler laut dem Bericht Gas geben, um als Erstes ins Ziel zu kommen. Diese Phase soll bereits bis zum 3. August abgeschlossen werden, die darauf folgende dritte Testphase – in der vor allem die Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs an einer repräsentativen Patientengruppe beweisen werden muss – will man dann schon Mitte August beendet haben.

Wie russische Beamte gegenüber CNN zugaben, hätte man den üblichen Zulassungsprozess wegen der Dringlichkeit in der Pandemie etwas beschleunigt. So hätten sich auch russische Soldaten bereits freiwillig für Testreihen zur Verfügung gestellt, wie das Verteidigungsministerium verlauten liess. Auch erklärte Alexander Ginsburg, der medizinische Direktor des Projekts CNN, er habe sich bereits selbst mit dem Vakzin geimpft.



Kritiker wittern politischen Druck

Die vollmundige Ankündigung aus Russland sorgt nicht nur für Begeisterung, sondern auch für Skepsis. Russland habe bislang noch keine wissenschaftlichen Daten zu besagtem Impfstoff veröffentlicht, berichtet CNN. Deshalb könne seine Wirksamkeit und Sicherheit von unabhängigen Medien und Wissenschaftlern noch nicht überprüft werden. Kritiker würden zudem bemängeln, dass die russische Impfstoffentwicklung auf politischen Druck des Kremls so stark vorangetrieben werde. Man wolle Russland so als «globale Wissenschaftsmacht» darstellen.

Zuletzt war das Land in Sachen Impfstoff ohnehin wenig rühmlich in die Schlagzeilen geraten. Gleich mehrere westliche Geheimdienste erhoben den Vorwurf, dass russische Hacker sich Zugang zu akademischen und pharmazeutischen Forschungseinrichtungen verschaffen wollten, in denen nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gesucht wird. Putin-Sprecher Dmitri Peskow antwortete mit der Standardfloskel des Kreml – Russland habe nichts damit zu tun.

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