Stars wehren sich gegen Einsatz ihrer Songs bei Trump-Auftritten

AP/toko

29.10.2020 - 00:00

Die Rolling Stones regen sich schon länger darüber auf, dass ihre Songs bei Donald Trumps Wahlkampfauftritten gespielt werden — da sind sie nicht die Einzigen.
KEYSTONE/AP Invision/GREG ALLEN

Das Abspielen populärer Musik ist im US-Wahlkampf gang und gäbe — auch wenn mancher Text gar nicht zum Programm des Kandidaten passt. Vielen Künstlern gefällt das nicht. Bei Trump sind es besonders viele.

Leonard Cohen, Neil Young, die Rolling Stones — der Chor der Künstler, die US-Präsident Donald Trump keine Begleitmusik für seinen Wahlkampf liefern wollen, ist prominent besetzt. Von klassischen US-Rockern über britische Künstler bis zu verstorbenen Legenden — sie beziehungsweise ihre Nachlassverwalter wehren sich dagegen, dass Trump mit ihren Stücken um Wähler buhlt.

Neu ist das nicht. Schon 1984 verweigerte Bruce Springsteen dem damaligen Präsidenten Ronald Reagan seinen Hit «Born in the U.S.A.» für die Wiederwahlkampagne. Doch so viele Einsprüche wie bei Trump hat es wohl noch nie gegeben. Dessen Wahlkampftruppe kann kaum noch einen Popsong auflegen, ohne dass die Komponisten oder deren Erben Protest einlegen. Ein Blick auf einige Musiker und deren Gründe:



John Fogerty, Phil Collins, Bruce Springsteen

Einige Rocker lehnen es nicht nur ab, dass Trump ihre Musik nutzt, sie sagen auch, die Auswahl der Lieder sei ironisch oder schlicht falsch. John Fogerty verschickte Mitte Oktober eine Unterlassungsaufforderung wegen des Lieds «Fortunate Son» seiner Band Creedence Clearwater Revival. Er sei verblüfft darüber gewesen, dass ein Song gewählt wurde, der auch geschrieben sein worden könnte, um Trump zu verreissen.

Phil Collins verlangte, sein Lied «In the Air Tonight» nicht zu nutzen, nachdem es bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa gespielt wurde. Viele sagen, der Titel sei eine seltsame Wahl gewesen, weil die meisten Besucher keine Masken trugen und sich das Coronavirus in der Luft um sie herum verbreitet haben könnte.

Nachdem er schon Ronald Reagan auf die Finger geklopft hatte, widersprach Bruce Springsteen 2016 der Nutzung von «Born in the U.S.A.» durch Trump. Reagan und Trump interpretierten das Stück als patriotische Hymne, doch das Lied ist eine scharfe Kritik am Umgang mit Veteranen des Vietnamkriegs.

Klagen von Neil Young und Eddy Grant

Die meisten Musiker haben es bei Drohungen belassen, doch einige haben Trumps Wahlkampfteam tatsächlich verklagt. Neil Young reichte beispielsweise im August Klage dagegen ein, dass Trumps Truppe seine Musik nutzt, darunter «Rockin' in the Free World». Er könne es nicht aushalten, dass das Lied als Erkennungsmelodie für Trump herhalten solle, sagte Young. Eddy Grant verklagte Trump im September wegen der Nutzung von «Electric Avenue» in einem Wahlkampfvideo, das sich über Trumps demokratischen Herausforderer Joe Biden lustig machte.

Leonard Cohen, Tom Petty, Prince

Selbst bei verstorbenen Künstlern hatte Trump kein Glück. Die Erben reagierten genauso schnell. Frau und Töchter von Tom Petty streiten zwar über die Verwaltung seines Nachlasses. Doch im Juni gaben sie eine gemeinsame Erklärung heraus und verurteilten die Nutzung von «I Won't Back Down» bei Wahlkampfauftritten Trumps.

Nachdem der einen Auftritt in Princes Heimatstadt Minneapolis 2019 mit «Purple Rain» untermalen liess, verurteilten dessen Nachlassverwalter das ebenfalls öffentlich. Sie teilten mit, das Wahlkampfteam habe zuvor erklärt, den Song nicht zu spielen.

Dass Trumps Republikaner zum Abschluss ihres Parteitages Leonard Cohens «Hallelujah» abspielten, fanden dessen Nachlassverwalter ziemlich unpassend. Sie hätten den Organisatoren die Erlaubnis dafür verweigert, teilten sie mit.

Die Briten: Beatles, Rolling Stones, Adele

Auch britische Künstler wehren sich. 2016 hatten sich die Republikaner für ihren Parteitag «Here Comes The Sun» von den Beatles auserkoren. Doch die Erben von George Harrison, der das Lied geschrieben hat, waren gar nicht amüsiert. Das Abspielen des Stückes sei «beleidigend und gegen die Wünsche von George Harrisons Nachlass» schimpften sie.

Die Rolling Stones widersprachen der Nutzung von «You Can't Always Get What You Want», das bei Trumps Wahlkampfauftritten häufig gespielt wird. Sie drohten im August mit einer Klage und teilten mit, sie hätten sich gegen Lizenzen entschieden, die Wahlkampfteams erlauben, ihre Lieder legal zu spielen.

Auch Adele machte ihre Abneigung klar, als sie erfuhr, dass «Rolling in the Deep» und «Skyfall» bei Trumps Auftritten gespielt wurden.

Panic! At The Disco, Pharell Williams, Rihanna

Meist sind es die Lieblinge der Baby-Boomer, die sich gegen Trumps Verwendung ihrer Musik gewehrt haben. Aber auch jüngere Künstler haben ihre Missbilligung mit manchmal unflätiger Sprache kundgetan. Panic!-at-the-Disco-Sänger und Songwriter Brendon Urie twitterte im Juni, «Du bist nicht eingeladen, hör auf, mein Lied zu spielen», nachdem die Trump-Kampagne den Hit «High Hopes» bei einer Kundgebung in Phoenix gespielt hatte.

Pharrell Williams schickte eine Unterlassungsaufforderung, nachdem sein Lied «Happy» bei einer Trump-Kundgebung 2018 genutzt wurde. Er war besonders verärgert darüber, dass die Veranstaltung Stunden nach einem Massacker in einer Synagoge in Pittsburgh stattfand. Auch Rihanna forderte, Trump solle aufhören, das Lied «Don't Stop the Music» zu spielen.

Generation X: R.E.M., Guns n' Roses

Bands der Generation X haben sich über den Einsatz ihrer Melodien für Trump geärgert. Mitglieder von R.E.M. waren empört als die Trump-Kampagne «Losing My Religion», «Everybody Hurts» und «It's the End of the World as We Know It (And I Feel Fine)» auf Kundgebungen spielen liess. «Bitte wisst, dass wir den Gebrauch unserer Musik durch diesen Betrüger und Schwindler nicht dulden», twitterte Bassist Mike Mills im Januar.

Und Axl Rose hat seine Verärgerung über die Nutzung von Songs von Guns N' Roses, darunter «Sweet Child O' Mine», getwittert, die zur Unterhaltung der Zuschauer einer Trump-Kundgebung verwendet werden.

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