China streicht Quarantäne

USA denken an Einschränkungen, Schweiz bleibt gelassen

Agenturen/dor

28.12.2022 - 06:32

Chinesen wollen wieder reisen

Chinesen wollen wieder reisen

STORY: Am Flughafen der chinesischen Hauptstadt Peking war am Dienstag noch nicht viel Betrieb, das könnte sich aber bald ändern. Denn China hebt seine im Zuge der Corona-Pandemie verhängten Beschränkungen für Einreisende teilweise auf. Ab dem 8. Januar müssten sich ins Land kommende Personen nicht mehr in Quarantäne begeben, teilte die Nationale Gesundheitskommission am Montag mit. Bislang waren eine fünf Tage andauernde Quarantäne in einer staatlich überwachten Einrichtung und drei weitere Tage Isolation zu Hause verpflichtend. Zudem würden die Vorkehrungen für die Einreise von Ausländern nach China zu Arbeits- und Geschäftszwecken verbessert und die erforderliche Visa-Vergabe werde erleichtert, hiess es. Stimmen dazu aus Peking: «Ich war ziemlich aufgeregt, als ich die Nachricht hörte. Es war unerwartet und ich habe ganz plötzlich davon erfahren. Früher bin ich häufig gereist, ich bin ein begeisterter Reisender. Aber es ist drei Jahre her, seit ich das letzte Mal gereist bin, also war ich sehr überrascht und glücklich, als ich die Nachricht hörte. Aber ich habe keine Vorbereitungen getroffen, und ich habe auch kein Flugticket gebucht. Ich möchte erst einmal abwarten und sehen, wie andere es machen.» «Ich denke, es wird definitiv einen Aufschwung geben. Ich denke, dass viele Menschen ihre Reisepläne seit Jahren auf Eis gelegt haben, einschliesslich Geschäftsreisen. Ich glaube also, dass die Reisetätigkeit sowohl aus geschäftlichen als auch aus privaten Gründen stark zunehmen wird. Und die Menschen werden ihre Reisepläne nach vorne auf ihrer Agenda schieben. Ich bin sehr optimistisch, was die Erholung des Tourismus angeht. Die chinesischen Behörden teilten am Dienstag mit, dass die Daten über die Entwicklung der Corona-Lage nur noch einmal im Monat veröffentlicht werden sollen. Dies sei möglich, weil die Krankheit weniger virulent geworden sei und sich allmählich zu einer gewöhnlichen Atemwegsinfektion entwickeln werde, hiess es. China hatte lange eine strikte «Null Covid»-Politik betrieben, bei der teilweise ganze Stadtteile bei Corona-Infektionen abgeriegelt wurden. Das hat die chinesische und auch die internationale Wirtschaft schwer getroffen und zuletzt zudem zu Protesten der Bevölkerung geführt. Vor wenigen Wochen dann hat Präsident Xi Jinping eine abrupte Kehrtwende vollzogen und fast alle Beschränkungen im Land aufgehoben. Deshalb steigen die Infektionszahlen derzeit drastisch.

28.12.2022

Keine Quarantäne-Pflicht mehr bei der Einreise: China lockert seine Corona-Regeln weiter. Schweizer Tourismusorte erwarten dennoch keinen sofortigen Anstieg chinesischer Gäste. Die USA wiederum erwägen Einreisebeschränkungen für Reisende aus China.

Agenturen/dor

28.12.2022 - 06:32

Nach der Aufhebung der meisten Corona-Beschränkungen in China erwägen die USA Einreisebeschränkungen für Reisende aus dem Land. Die Regierung folge «der Wissenschaft und dem Rat von Gesundheitsexperten» und erwäge Schritte «zum Schutz der amerikanischen Bevölkerung», erklärten Regierungsvertreter am Dienstag (Ortszeit) in Washington.

Peking war Anfang Dezember in einer radikalen Kehrtwende von seiner strengen Null-Covid-Politik abgerückt. Ab dem 8. Januar 2023 gibt es nun keine Quarantänepflicht mehr bei der Einreise.

Seit Wochen breitet sich das Coronavirus in China rasant aus, das Land erlebt den weltweit höchsten Anstieg an Infektionen. Schätzungen zufolge könnten in China in den kommenden Monaten etwa eine Million Menschen an den Folgen einer Corona-Infektion sterben. Am Sonntag hatte China die Veröffentlichung täglicher Corona-Daten eingestellt.

Datenmangel löst Besorgnis aus

Der Mangel an «transparenten Daten» aus China zum Ausmass der Corona-Welle lösten international wachsende Besorgnis aus, sagten die US-Regierungsvertreter. Vor allem ein Fehlen an Daten aus der Gen-Sequenzierung erschwere es, mögliche neue Virusvarianten zu identifizieren und entsprechend zu reagieren.

Eine temporäre Siedlung in Schanghai für Menschen mit milden oder keinen Covid-19-Symptomen. (27. Dezember 2022)
Eine temporäre Siedlung in Schanghai für Menschen mit milden oder keinen Covid-19-Symptomen. (27. Dezember 2022)
Bild: Keystone/EPA/Alex Plavevski

Am Montag hatte Peking das Ende der Corona-Quarantänepflicht für Rückkehrer aus dem Ausland angekündigt und damit einen Ansturm reisewilliger Chinesen bei Buchungsplattformen ausgelöst. Japan führte daraufhin eine Testpflicht für alle aus China kommenden Reisenden ein.

Schweizer Tourismus: Normalisierung erst 2025

Obwohl China praktisch zwei Jahre lang von der Welt abgeschottet war und sich dort ein grosses Reisebedürfnis entwickelt hat, sorgt die Aufhebung der Quarantänepflicht in der Schweiz noch nicht für Euphorie, wie der «Blick» schreibt. «Dieser Schritt wird nicht zu einem sofort wahrnehmbaren Anstieg der chinesischen Gäste in der Schweiz führen», erklärt Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus.

Die ersten Auslandsreisen führen chinesische Gäste vor allem nach Südostasien, Japan und Korea. Interkontinentalreisen dürften wegen fehlender Flugkapazitäten und Visum-Infrastrukturen noch länger auf sich warten lassen, gerechnet wird mit einer Normalisierung ab 2025. 2019, im letzten Gesamtjahr vor der Corona-Pandemie, war China der fünftwichtigste Quellmarkt für den Schweizer Tourismus mit 1,8 Millionen Logiernächten.

So plant die Swiss derzeit denn auch keine Wiederaufnahme der Passagierflüge ins Reich der Mitte. «Aktuell und bis auf Weiteres fliegt die Swiss ab Zürich ausschliesslich reine Cargo-Verbindungen nach Schanghai und Peking», sagte ein Sprecher am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. «Die Wiederaufnahme von Passagierflügen nach China sowie die dortige Situation werden fortlaufend bewertet; weiterführende Angaben können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.» Für die Swiss sei es wichtig, etwaige Passagierflüge langfristig mit der notwendigen operativen Stabilität durchführen zu können, sagte der Sprecher.

Agenturen/dor