Europa

Wie ein EU-Impfpass die Sommerferien ermöglichen könnte

SDA

17.3.2021 - 16:10

Die Sehnsucht nach Reisefreiheit ist gross: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen präsentiert Details eines EU-Impfausweises, der das ermöglichen könnte. Die wichtigsten Antworten.

ARCHIV: Urlauber liegen auf Mallorca bei strahlendem Sonnenschein am Strand von Platja (Playa) de Palma oder kuehlen sich im Meer ab (Foto vom 15.06.09). Die Revolutionen in Nordafrika haben den Reisemarkt kraeftig durcheinandergewirbelt. Doch wo es Verlierer wie Tunesien und Aegypten gibt, muss es auch Gewinner geben: Nach den juengsten Buchungszahlen der Branchengroessen TUI und Rewe-Touristik koennen sich die Tuerkei und Spanien, aber auch Bulgarien ueber einen ungeplanten Extraschwung deutscher Urlauber freuen. (zu dapd-Text) Foto: Joerg Koch/dapd
Zwei Frauen liegen auf Mallorca bei strahlendem Sonnenschein am Strand von Playa de Palma.
Archivbild: KEYSTONE

SDA

17.3.2021 - 16:10

Ein europäischer Impfnachweis – den die EU-Kommission in Anlehnung an Israels «Grünen Pass» als «Digitalen Grünen Nachweis» bezeichnet – soll sichere Ferienreisen ermöglichen. Für Europas Urlaubsländer wäre er auch eine grosse wirtschaftliche Hilfe.

Was soll mit dem Impfpass möglich sein?

Die Zielsetzung der EU-Kommission ist klar: Sie will mit dem Dokument Reisen und dadurch eine Sommersaison für den Tourismus ermöglichen. Das Projekt soll zum 1. Juni fertig sein. Justizkommissar Didier Reynders betonte jedoch, dass jeder EU-Staat am Ende entscheidet, was mit dem Zertifikat möglich sein soll. Welche Türen der Nachweis öffnen soll, ist in den EU-Staaten noch nicht Konsens.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich gegen Erleichterungen für Geimpfte ausgesprochen, solange noch wenige Menschen Chancen auf die schützende Impfung haben. Griechenland und andere Ferienländer dringen hingegen darauf, Reiseerleichterungen mit einem solchen Dokument zu verbinden.

Also doch keine Ferien trotz Corona-Impfung?

Das kommt auf die Massnahmen der EU-Staaten an: Selbst wenn Deutschland gegen Erleichterungen für Geimpfte im eigenen Land wäre, könnten Ferienländer wie Griechenland, Österreich oder Zypern entscheiden, dass Menschen mit Impfung nicht in Quarantäne müssen.

Dabei ist der wirtschaftliche Druck gross: In Zypern etwa machte der Tourismus 2018 nach Daten des EU-Statistikamts Eurostat einen Anteil von fast 14 Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus, in Griechenland waren es knapp 9 und in Österreich gut 5 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland ist es gut ein Prozent. In allen Ländern – wie in ganz Europa – ist das Geschäft mit dem Tourismus wegen Corona massiv eingebrochen.

Was soll erfasst werden?

Neben Impfungen soll auch eine überstandene Corona-Infektion sowie negative Testergebnisse hinterlegt werden. Die EU-Kommission betont, damit werde eine Diskriminierung von Nicht-Geimpften beim Reisen verhindert. Es müssten keine persönlichen Daten ausgetauscht werden. An dem Zertifikat kann sich aber auch noch etwas ändern – sollte etwa ein Impfstoff nicht mehr gegen eine Mutationsvariante helfen.

Jeder EU-Bürger soll das Zertifikat kostenlos erhalten können. Es soll abgeschafft werden, sobald die Weltgesundheitsorganisation WHO die Corona-Pandemie für beendet erklärt hat.

Brauche ich für den digitalen EU-Impfnachweis ein Smartphone?

Stand jetzt wird kein mobiles Endgerät gebraucht. Es soll die Bescheinigung mit personalisiertem QR-Code auch auf Papier geben. Über diesen Code könnten dann alle notwendigen Daten abgerufen werden. Zudem soll er eine digitale Signatur enthalten, um den Nachweis fälschungssicher zu machen.

Was müssen die EU-Länder unternehmen?

Sie sollen ihre technischen Lösungen so entwickeln, dass sie miteinander kompatibel sind. Das Bundesgesundheitsministerium etwa geht davon aus, bis Mitte des Jahres einen digitalen Impfpass anbieten zu können. Die EU-Kommission will eine gemeinsame Plattform als Rahmen aufbauen. Reynders betonte auch, dass es noch viel zu tun gebe.

Ähnliche Projekte lassen zudem wenig Gutes ahnen: Eine für Ende vergangenes Jahr angekündigte EU-weite Lösung zur Nachverfolgung von Reisebewegungen etwa ist bis heute nicht gekommen. Dabei ging es damals lediglich um sogenannte Aussteigerkarten, also Dokumente, in denen etwa festgehalten wird, wer wann welchen Zug genutzt hat.

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