Zölle verdoppelt – Trumps neuer Tweet kostet die Türkei Milliarden 

10.8.2018 - 17:22, afp/dpa/phi

USA vs. Türkei: Wenn Donald Trump zum Handy greift und twittert, können Währungen schon mal ins Schleudern kommen.
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Unter Verweis auf die schlechten Beziehungen verkündete Donald Trump via Twitter eine Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ruft nun einen «Wirtschaftskrieg» aus, während die Lira um 19 Prozent einbrach.

«Ich habe gerade die Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei genehmigt, da ihre Währung, die türkische Lira, rasch gegenüber unserem sehr starken Dollar fällt!», schrieb Trump auf Twitter. «Unsere Beziehungen mit der Türkei sind derzeit nicht gut!» Das Verhältnis der beiden Nato-Partner wird derzeit durch eine ganze Reihe von Streitfragen belastet, darunter die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson.

Trump verhängte vergangene Woche Sanktionen gegen zwei türkische Minister, nachdem ein Gericht das Verfahren gegen den evangelikalen Geistlichen aufrecht erhalten hatte. Ein hochrangiges Treffen am Mittwoch in Washington brachte keine Lösung. Ökonomen fürchteten bereits, dass die USA den Druck weiter erhöhen würden.

Volk soll Dollar umtauschen

Angesichts des Streits um Brunson war die türkische Lira bereits in den vergangenen Tagen dramatisch eingebrochen, doch trieb die Verhängung der Strafzölle die Währung nun weiter in den Abgrund. Nach Trumps Tweet erreichte die Lira 6,62 zum Dollar – das war ein Verlust von 19 Prozent an einem Tag.

Befeuert wird der Absturz aber auch durch die Untätigkeit der Zentralbank und die Unwilligkeit der Regierung, ihren wirtschaftspolitischen Kurs anzupassen. Bei einer Kundgebung in Bayburt rief Präsident Erdogan zum «nationalen Kampf» gegen den «Wirtschaftskrieg» auf. Zudem appellierte er an die Türken, ihre ausländischen Devisen in Lira umzutauschen, um ihren Kurs zu stützen: «Wenn Ihr Dollar, Euro oder Gold unter dem Kopfkissen habt, geht zur Bank und tauscht es in türkische Lira. Dies ist ein nationaler Kampf.»

Erdogan: «Zinslobby» verursacht Lira-Verlust 

Noch während Erdogan in Bayburt sprach, stürzte die Lira weiter ab. Der Präsident, der wiederholt eine ausländische Verschwörung gegen die Türkei beklagt hatte, machte in der osttürkischen Stadt eine «Zinslobby» für den Verfall der türkischen Währung verantwortlich. Am Vorabend hatte er gesagt: «Sie mögen ihre Dollar haben, doch wir haben unser Volk, unser Recht und unseren Gott.»

Die Äusserungen Erdogans verstärkten den Eindruck, dass der Präsident weiter nicht gewillt ist, gegen den Verfall der Lira einzuschreiten. Ökonomen dringen auf eine Anhebung der Leitzinsen, doch ist Erdogan ein erklärter Gegner hoher Zinsen. Zwar ist die Zentralbank nominell unabhängig, doch steht sie massiv unter Druck der Regierung.

Zieht Ankara europäische Banken in den Abgrund?

Finanz- und Wirtschaftsminister Berat Albayrak, der zugleich der Schwiegersohn Erdogans ist, betonte am Freitag bei der Vorstellung eines «neuen Wirtschaftsmodells» für die Türkei die Bedeutung der Unabhängigkeit der Zentralbank. Seine Bemerkung hatte jedoch keine Auswirkungen auf den Lirakurs.

Wegen des Währungsverfalls wachsen auch die Sorgen über die Auswirkungen auf europäische Banken. Die «Financial Times» berichtete am Freitag, die Europäische Zentralbank (EZB) prüfe die Auswirkungen der Währungskrise auf Banken wie die spanische BBVA, die italienische UniCredit und die französische BNP Paribas, die besonders exponiert seien, weil sie hohe Anteile an türkischen Banken besitzen.

Auch Euro und US-Börse vom Tweet betroffen

Gegenüber dem Euro hat die Lira seit Januar mehr als ein Drittel an Wert verloren. Am Morgen war sie auf einen neuen Tiefststand gestürzt. Im Handel mit dem US-Dollar kam es zeitweise zum Einbruch um 13,5 Prozent. Im Handel mit dem Euro wurden erstmals mehr als sieben Lira für einen Euro gezahlt.

Die Währungskrise in der Türkei hat am Freitag auch die Wall Street belastet. Der beschleunigte Kursverfall löste Unruhe an den Finanzmärkten aus. Befürchtet wird, dass sich viele türkische Kreditnehmer nicht ausreichend gegen den Kursverfall der heimischen Lira abgesichert haben könnten. Somit könnten Zahlungsprobleme bei den auf Euro oder Dollar laufenden Krediten drohen.

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