Besuch beim Weltraumtüftler Berner Weltraumforscher – Mission Engelsgeduld    

Nicolai Morawitz

2.11.2018

Zwölf Jahre lang muss sich Severin Oeschger gedulden, bis er weiss, ob seine Arbeit überzeugend gewesen ist. Der Elektroingenieur von der Universität Bern leistet einen Beitrag zur JUICE-Mission, bei der die Jupitermonde erforscht werden sollen – «Bluewin» hat ihn im Labor besucht. 

Dort, wo Severin Oeschger Spitzenforschung betreibt, riecht es nach Kaffee und geschmolzenem Draht. Sein Labor an der Universität Bern ist eine kleine Tüftlerstube. 

Oeschger schätzt an seiner Arbeit, dass sie nicht bloss graue Theorie bleibt. Der 36-Jährige nimmt im Labor auch den Lötkolben in die Hand und verknüpft einzelne Elemente eines Sensors. 

Dieser soll einmal als ein kleiner Baustein einer Sonde der JUICE-Mission zum Erfolg verhelfen. Damit gehört Oeschger auch zu einem grossen internationalen Team, denn die Mission wird von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) geleitet. «Wir sind Teil eines Verbunds aus vielen Ländern, aber jeder hat sein Spezialgebiet», sagt Oeschger.

Mensch und Maschine: Im Berner Labor berechnet Oeschger seine Pläne am Computer bevor er sie in die Tat umsetzt.
Mensch und Maschine: Im Berner Labor berechnet Oeschger seine Pläne am Computer bevor er sie in die Tat umsetzt.
Bluewin/mn

Von der Erde aus starten soll die JUICE-Mission im Jahr 2022. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, die Eismonde des Jupiters zu untersuchen. Folgende Frage steht im Mittelpunkt: Welche Voraussetzungen braucht es, damit sich Planeten formieren können und Leben entstehen kann?

Ausserdem soll die Mission dabei helfen, die Funktionsweise des Sonnensystems besser zu verstehen. Bis Antworten auf all das gefunden werden können, wird es alledings noch eine Weile dauern. Die Ankunft beim Jupiter ist erst für das Jahr 2030 vorgesehen. 

In Anbetracht des rasanten technischen Fortschritts bedeutet das zwangsläufig, dass Technik ins Weltall geschossen wird, welche zum Zeitpunkt ihrer Nutzung bereits wieder veraltet ist. Oeschger sieht das aber pragmatisch: «Es ist einfach das, was wir zur Verfügung haben». 

Dem enormen zeitlichen Abstand gewinnt er auch Positives ab: «Wir werden eines Tages sehen können, was wir mit alter Technologie imstande waren zu leisten», sagt der Ingenieur. 

Hier sind keine Fehler erlaubt: In seinem Labor auf der Erde muss Oeschger garantieren können, dass das Bauteil auch Jahre später im Weltall einwandfrei funktioniert.
Hier sind keine Fehler erlaubt: In seinem Labor auf der Erde muss Oeschger garantieren können, dass das Bauteil auch Jahre später im Weltall einwandfrei funktioniert.
Bluewin/mn

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