Afrikanische Schweinepest rückt näher: Was heisst das für die Schweiz?

Julia Käser

10.9.2020 - 17:25

Die Afrikanische Schweinepest lässt Schweine elendig verenden. Erstmals ist die Seuche nun in Deutschland festgestellt worden – bei einem toten Wildschwein. Was bedeutet das für die Schweiz? 

In Russland kursiert sie schon länger, ebenso in Polen – nun hat die Afrikanische Schweinepest (ASP) Deutschland erreicht. Die Seuche wurde bei einem toten Wildschwein in Brandenburg nahe der polnischen Grenze festgestellt. Aktuell wird abgeklärt, ob es über den Kadaver hinaus eine Verbreitung im betroffenen Gebiet gibt.

Das erstmalige Auftreten eines ASP-Falles in Deutschland bedeutet, dass die Seuche ein weiteres Stück näher an die Schweiz gerückt ist. Bereits im Juli hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vor einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest in die Schweiz gewarnt

Gefährlich ist ASP ausschliesslich für die knapp 1,5 Millionen Schweine und bis zu 10'000 Wildschweine, die in der Schweiz leben. 

Menschen können sich nicht infizieren – sind aber massgeblich an der Verbreitung beteiligt. «Das höchste Risiko für die Einschleppung in die Schweiz besteht über menschliche Aktivitäten», sagt BLV-Sprecher Jascha Erich Friedli. Pro Jahr rücke das Virus rund 20 Kilometer näher an die Schweizer Grenze. 

Kein Fleisch aus betroffenen Ländern mitnehmen

Weil es auch im Fleisch von infizierten Tieren vorkommt, empfiehlt das BLV, Lebensmittel mit Schweine- oder Wildschweinefleisch aus von ASP betroffenen Ländern gar nicht erst mitzubringen. Tut man es doch, ist auf eine sichere Entsorgung der entsprechenden Lebensmittelreste zu achten. 

Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Viruserkrankung, die für Menschen ungefährlich ist. Stecken sich Schweine und Wildschweine an, sterben sie jedoch meist innert weniger Tage. Ausser Fieber und plötzlichen Todesfällen treten bei den Tieren laut dem BLV nur unspezifische Symptome auf. Die Afrikanische Schweinepest wird zu den hochansteckenden Tierseuchen gezählt, ist aber weniger ansteckend als die herkömmliche Schweinepest. In rund 90 Prozent der Fälle verläuft sie aber tödlich.

Laut Friedli muss man strikt darauf achten, keinerlei Fleischprodukte im Wald zu entsorgen. «Denn so könnten sich unsere Wildschweine potenziell mit der ASP anstecken.»

Auch durch den Besuch eines Betriebs, in dem die Schweine angesteckt sind, kann die Seuche verschleppt und weitergegeben werden – etwa durch Schuhe oder Fahrzeuge. Klar ist: Das Virus kann über lange Distanzen transportiert werden, da es ausgesprochen resistent ist. 

Was, wenn das Virus in der Schweiz auftritt?

Für den Fall, dass die Seuche hiesige Wildschweine befällt, hat der Bund ein mehrstufiges Konzept entwickelt. «Wenn ASP bei Wildschweinen in der Schweiz auftritt, besteht der erste Schritt darin, eine erste Region mit Zugangsbeschränkungen zu den Wäldern einzurichten, um die Bewegung von Wildschweinen zu verhindern», erklärt Friedli. 

Das heisst: Erkrankte Wildschweine sollen daran gehindert werden, sich weiträumig fortzubewegen und das Virus so in naheliegende Gebiete zu verschleppen. Der nächste Schritt wäre die Bestimmung des Ausmasses der Erkrankung. Im schlimmsten Fall sieht das BLV eine «umfassende Keulung oder intensive Reduktion der Wildschweine je nach betroffenem Gebiet» vor. 

Tritt ein Fall von ASP in einem Schweinehaltungsbetrieb ein, muss gemäss Friedli die gesamte Herde erlegt werden. Zudem müssten Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet werden, die Beschränkungen für die Verbringung von Schweinen und Menschen zwischen Betrieben auferlegten. Die Schweinehaltung wäre demnach für eine bestimmte Zeit nur erschwert möglich. 

Erstmals wurde die Afrikanische Schweinepest bei einem toten Wildschwein in Deutschland festgestellt. 
Bild: Keystone

Sorge um wirtschaftliche Folgen 

In Deutschland, wo entsprechende Massnahmen nun geprüft werden müssen, macht man sich Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung von ASP. So können nun Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen. Der Grund: Staaten wie China akzeptieren nur Fleisch aus Ländern ohne ASP-Fälle. 

Vor diesem Hintergrund fordert der Deutsche Bauernverband «die konsequente Bejagung von Schwarzwild und ein stabiler Zaun». Und auch eine wildschweinfreie Zone an der polnischen Grenze sei vonnöten. 

Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) versuchte zu beruhigen und warnte vor verfrühter Panik: «Es ist ein Wildschwein gefunden worden in einem Landkreis.» 

Zumindest in dieser Hinsicht müsste man sich in der Schweiz weniger Sorgen machen. Das hier produzierte Schweinefleisch werde fast ausschliesslich in der Schweiz konsumiert, sagt Friedli. Weniger als 1 Prozent werde exportiert. «Die internationalen Auswirkungen werden also geringer sein als in Ländern, die viel exportieren.» 

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