Bauern lassen ihre Tiere leiden – und kassieren trotzdem Subventionen

tafi

30.6.2019

Laut «SonntagsZeitung» kassieren Landwirte weiterhin hohe Subventionen, selbst sie mehrfach gegen das Tierschutzgesetz verstossen. (Symbolbild)
Keystone

Zahlreiche Schweizer Bauern verstossen gegen den Tierschutz. Trotzdem kassieren sie weiter hohe Subventionen, bisweilen sogar im fünfstelligen Bereich.

Laut der «SonntagsZeitung» kassieren Problembauern, die mehrfach gegen den Tierschutz verstossen haben, weiter hohe Subventionen. Ihnen würden zwar die Direktzahlungen gekürzt, allerdings würden den Landwirten «praktisch nie alle Leistungen gestrichen».

Dabei würden die meisten der mehr als 62'000 landwirtschaftlichen Betriebe, die Direktzahlungen erhalten, sauber arbeiten, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Allerdings wurden bei mehr als 18'000 Höfen zwsichen 2014 und 2017 die Leistungen gekürzt.

So wurde in Zürich ein Landwirt bestraft, der 39 Rinder elend an einer Grippe verenden liess. Er habe gewusst, dass seine Tiere krank seien, stehe im Strafbefehl. Trotzdem habe er bewusst kein Tier mehr behandelt. Auch die Schweine eines Thurgauer Züchters haben leiden müssen. «Die Tränkebecken waren mit Kot gefüllt und für die Tiere unbenutzbar», hiess es. Und auf einem Luzerner Hof wurde ein Kadaver eines Schweines einfach liegengelassen, «so dass die anderen Schweine die Überreste frassen».

Viele Wiederholungstäter

Problematisch ist einerseits, dass die meisten Kürzungen weniger als 500 Franken betragen und damit eher verkraftbar sind. Andererseits ist die Zahl der Wiederholungstäter erschreckend hoch. 3550 Betriebe wurden in zwei unterschiedlichen Jahren bestraft, 869 sogar dreimal. Und bei 195 kürzte der Bund in jedem Jahr die Zuwendung.



«Wir haben Dauerkunden, die haben sich schon daran gewöhnt, dass es Kürzungen gibt, weil wir ­Mängel finden», wird die Aargauer Kantonstierärztin Barbara Thür in der «SonntagsZeitung» zitiert. Es gäbe Tierhalter, die damit leben würden, dass ihnen wegen Verstössen jedes Jahr Direktzahlungen gekürzt werden, ergänzt Thürs Berner Kollege Reto Wyss.

Strafen zu mild: Tierquälerei lohnt sich finanziell

Tierärzte fordern nun, dass Kürzungen und Bussen verschärft werden müssen. Zurzeit würden Landwirte die milden Sanktionen biligend in Kauf nehmen, weil «sie weniger hoch sind als der finanzielle Vorteil, den die Landwirte haben, wenn sie mehr Tiere aufziehen», wie Paul Witzig, Thurgauer Kantonstierarzt, resigniert feststellt.

Auch der Skandalbauer von Hefenhofen, der seine Pferde jahrelang gequält hatte und dessen Betrieb 2017 zwnagsgeräumt wurde, erhielt noch hohe Direktzahlungen. Zwar wurden die Subventionen um 109'498 Franken gekürzt, ihm standen am Jahresende aber noch 23'245 Franken zu.

Bilder des Tages

Zurück zur Startseite