Äscher-Wildkirchli

Warum die Pächter des «schönsten Ortes der Welt» hinwerfen

sda/phi

20.8.2018 - 15:57

Für die einen ist es der «schönste Ort der Welt», für andere ein Grund zu kündigen: Hier erfahren Sie, warum die Äscher-Wildkirchli-Pächter trotz grandioser Aussicht kein Land mehr sieht.

Das berühmteste Gasthaus am Alpstein braucht neue Pächter: Das Wirtepaar Bernhard und Nicole Knechtle-Fritsche hat den Vertrag für das Berggasthaus Äscher-Wildkirchli gekündigt. Bei der Infrastruktur kam es immer häufiger zu Engpässen.

Das Berggasthaus Äscher-Wildkirchli sucht neue Pächter.
Keystone

Die Meldung mitten in der Hochsaison am Alpstein schlägt hohe Wellen. «Ich war überrascht vom Entscheid des Ehepaars, die Pacht auf Ende Saison zu kündigen», sagte Landeshauptmann Stefan Müller auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-sda. Der Innerrhoder Regierungsrat ist von Amtes wegen Präsident der Wildkirchlistiftung, der Eigentümerin des Gasthauses Äscher-Wildkirchli.

Pächter übernahmen Gasthof von den Eltern

Bereits um 1800 begannen Eremiten und Sennen auf der Alp Äscher einfache Getränke und Speisen zu verkaufen. Aus der Alphütte entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach und nach das Berggasthaus Äscher, welches zu den ältesten der Schweiz gehört.

Ab 1987 wurde der «Äscher» von den Eltern des jetzigen Bergwirts geführt. Bernhard und Nicole Knechtle-Fritsche übernahmen die Pacht im Mai 2014. Das Berggasthaus habe in der «Ära Knechtle» einen grossen Aufschwung erlebt und sei von vielen Gästen aus dem In- und Ausland besucht worden, schreibt die Innerrhoder Standeskommission in einer Mitteilung.

Touristen statt Einsiedler

Ende 2015 zierte das Gasthaus im Alpstein das Titelbild des «National Geographic». Danach wurde das Berggasthaus unterhalb der Ebenalp zum beliebten Touristenziel im Alpstein. Seit einen Jahr kann nicht mehr im Gasthaus übernachtet werden, der Ansturm war zu gross geworden. Einen Bericht darüber, wie schnell soziale Netzwerke heutzutage Orte in den Toursmus-Olymp emporheben, können Sie hier nachlesen.

Mit diesem Titelbild von «National Geographic» nahm der Ansturm seinen Lauf.

Auch die Ebenalp-Bahn profitierte von der Anziehungskraft des Gasthauses in der Felswand beim Wildkirchli. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Bahn einen Rekord von 250'000 Beförderungen, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. An Spitzentagen benutzten 2500 Passagiere den Luftseilbahn von Wasserauen auf die Ebenalp.

Veraltete Anlagen

Nach einem kurzen Fussmarsch auf dem Wanderweg gelangen viele von ihnen nicht nur durch die Höhlen zur Einsiedelei und zur Kapelle, sondern auch zum Berggasthaus Äscher-Wildkirchli. Eine schon länger bekannte Konsequenz dieses Erfolges sei die Tatsache, dass die Infrastruktur des Gebäudes mit der wachsenden Gästezahl nicht mehr Schritt halten könne, heisst es in der Mitteilung der Pächter vom Montag.

Hiking time #aescher

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Sowohl beim Platzbedarf wie auch bei der Wasser- und Stromversorgung hätten sich immer wieder Engpässe ergeben. Auch die sanitären Anlagen entsprächen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen. Gewisse Anpassungen seien in Planung. Aufgrund der Auflagen durch den Denkmalschutz bestünden aber grosse bauliche Einschränkungen. Angesichts dieser Ausgangslage lasse sich der Betrieb nicht aufrecht erhalten.

Archäologische Schutzzone

«Die Gegebenheiten sind gegeben», sagte der Landeshauptmann. Nicht nur das Gasthaus, sondern auch die Kapelle und die Höhlen befinden sich in der archäologischen Schutzzone. Bauvorhaben seien massiv eingeschränkt. Der Wanderweg sei zwar saniert worden, eine Zufahrt zum «Äscher» gebe es nicht, sagte Müller.

Auch den steigenden Wasserbedarf auf 1450 Meter über Meer zu decken, sei schwierig. Ausserdem sei der Platz vor der Felswand sehr eng. Vorräte könnten allenfalls noch in der Höhlengrotte gelagert werden. Die Wildkirchlistiftung plane einige Verbesserungen, unter anderem die Erneuerung der sanitären Anlagen für das Personal.

Das Berggasthaus wird demnächst zur Pacht neu ausgeschrieben. «Ein spannendes Objekt», befindet Müller. Und um Ihnen Appetit auf den Job  zu machen, finden Sie unten unsere Bildergalerie «Sagenhafte Alpüen».

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sda/phi