Grosse Qualitätskontrolle: BAG lässt Schweizer Sperma untersuchen

tafi

26.5.2019 - 17:52

Immerhin: Männer, die häufig Boxershorts tragen, haben mehr Spermien als Männer, die engsitzende Unterhosen bevorzugen. Andere Umwelteinflüsse will das BAG nun untersuchen.
Keystone

Die Spermaqualität Schweizer Männer macht Wissenschaftlern Sorgen. Nun will der Bund in einer grossen Studie mit bis zu 100'000 Probanden landesweit untersuchen, ob Schadstoffe aus der Umwelt dafür verantwortlich sind.

Eine Studie der Universität Genf hat unter der Woche für Aufsehen und Besorgnis gesorgt. Demnach nimmt die Qualität der Samenzellenbei Schweizer Männern ab. 60 Prozent der untersuchten 2500 jungen Männer wiesen Werte auf, die unter den von der Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegten Normen lagen. Nun will der Bund der Sache auf den Grund gehen.



Wie der «SonntagsBlick» berichtet, plant das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ein grossangelegte Untersuchung, die im Herbst starten soll. Sprecher Daniel Dauwalder erklärte der Zeitung: «Das BAG plant ein Pilotprojekt zum sogenannten Humanbiomonitoring. Dabei soll untersucht werden, ob und in welchem Umfang die Bevölkerung mit Schadstoffen belastet ist, um allenfalls Massnahmen im Gesundheitsbereich zu treffen und Stoffe einzuschränken.»  Das Projekt hätte laut «SonntagsBlick» bereits vor einigen Monaten starten sollen. Doch die Vorbereitungen waren umständlicher, als vom BAG gedacht.

Die Spermienzahl wird mit einer speziellen Zählkammer unterm Mikroskop bestimmt. Bei rund 17 Prozent der jungen Schweizer liegt die Konzentration an Samenzellen unter der Norm. (Archivbild)
Keystone

Bis zu 100'000 Männer sollen untersucht werden

Weichmacher aus PET-Flaschen seit längerem im Verdacht, für die zunehmende Unfruchtbarkeit verantwortlich zu sein. Auch andere von Menschen hergestellte chemische Verbindungen, könnten negative Auswirkungen auf die Spermaqualität haben.



Um herausfinden, was Chemikalien wirklich in den Körpern der Menschen bewirken, will das BAG in der ersten Phase des Projekts 1000 junge Männer aus der Deutschschweiz und aus der Romandie untersuchen. Später könnten bis zu 100'000 Probanden zur Teilnahme gebeten werden. In einer einmaligen Gesundheitsuntersuchung sollen die Teilnehmer Blut- und Urinproben abgeben. Zusätzlich werden Fragen zur Gesundheit und zum Lebensumfeld gestellt.

Warnungen ernstnehmen

«Es gibt durchaus Zeichen, dass viele Kunststoffe, die hormonähnliche Wirkungen haben und sich in Riesenmengen in unserer Umwelt befinden, zu einer Abnahme der Fruchtbarkeit führen – und zu anderen gesundheitlichen Problemen», sagt Bruno Imthurn, Leiter des Kinderwunschzentrums am Universitätsspital Zürich im «SonntagsBlick».



Gleichwohl rät er zu einem vorsichtigen Umgang mit den aktuellen Forschungsergebnissen. Vergleiche mit anderen Ländern und früheren Zeiten seien schwierig, weil sich die Methodiken unterscheiden und wir gar nicht genau wissen können, «wie es mit der Spermienqualität in der Schweiz vor 50 oder gar 100 Jahren stand.»

Bilder aus der Schweiz

Zurück zur Startseite