Nach Affäre Lauber

Erster Bewerber für Nachfolge kommt aus der Deckung

SDA/tafi

5.10.2020

Der Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornot hat als erster bestätigt, seine Kandidatur als neuer Bundesanwalt eingereicht zu haben.
KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

Die Schweiz sucht per 1. Januar 2021 eine neue Bundesanwältin oder einen neuen Bundesanwalt. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist macht ein Genfer Staatsanwalt als erster seine Kandidatur öffentlich. 

Die Bewerbungsfrist für die Nachfolge von Ex-Bundesanwalt Michael Lauber ist abgelaufen. Offen ist, wie viele Bewerbungsdossiers bei der zuständigen Gerichtskommission (GK) eingegangen sind.

Die Bewerbungen seien vertraulich, teilte GK-Präsident Andrea Caroni am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Als Nächstes werde sich die Subkommission über die Dossiers beugen und anschliessend der Plenarkommission eine Vorauswahl unterbreiten.

Genfer Staatsanwalt macht Kandidatur öffentlich

In den Medien kursierten bereits verschiedene Namen. Nach eigenen Angaben eine Bewerbung eingereicht hat der Genfer Generalstaatsanwalt Oliver Jornot, wie er gegenüber der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» erklärte. Er könnte der erste Bundesanwalt aus der Romandie seit den 1950er-Jahren werden. Damals amtete der Neuenburger René Dubois.

Wahl im Dezember geplant

Am 11. November wird nach Angaben von Caroni das Plenum der GK hierzu tagen. Eine zweite Sitzung ist für den 25. November festgelegt. Die Gerichtskommission habe am 9. September beschlossen, «ein zweistufiges Verfahren mit vertiefenden Elementen» durchzuführen, erklärte Caroni.

Die Gerichtskommission will der Bundesversammlung ihren Wahlvorschlag für die Lauber-Nachfolge für die kommende Wintersession unterbreiten. Mitte Dezember soll das Parlament dann den neuen Bundesanwalt oder die neue Bundesanwältin wählen. Amtsantritt soll laut Stelleninserat bereits der 1. Januar 2021 sein.

Aktuell walten Laubers Stellvertreter

Wie die «Neue Zürcher Zeitung» in Erfahrung gebracht haben will, verzichten mehrere Generalstaatsanwälte aus der Deutschschweiz auf eine Bewerbung. So wolle Peter Pellegrini, leitender Staatsanwalt im Kanton Zürich, beruflich «weiterhin im Bereich der Verfolgung der Wirtschaftskriminalität» tätig sein. Auch die obersten Staatsanwälte in St. Gallen und Luzern zieht es demnach nicht nach Bern.



Der bisherige Amtsinhaber Lauber hatte nach monatelanger Kritik an seiner Amtsführung und mutmasslichen Ungereimtheiten bei den Ermittlungen im Verfahrenskomplex rund um den Weltfussballverband (FIFA) im Juli seinen Rücktritt angeboten. Kurz darauf reichte er seine Kündigung ein. Lauber schied per Ende August vorzeitig aus dem Amt aus. Nach Laubers Abgang übernahmen seine beiden Stellvertreter die Amtsgeschäfte.

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